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Nach Kritik: Tim Cook verteidigt Löschung von VPN-Apps in China

WIRED Staff 02.08.2017

Mit VPN-Apps konnten Nutzer in China die Staatszensur umgehen und ausländische Seiten wie Facebook ansteuern. Nun sind die Anwendungen allerdings aus Apples App Store verschwunden — offenbar auf Drängen der Regierung. Nach Vorwürfen an Apple hat Tim Cook jetzt reagiert.

Update, 2. August, 2017: Apple-Chef Tim Cook bestätigte in einer Erklärung erheblichen Druck seitens der chinesischen Regierung auf Apple. Sein Konzern sei gezwungen gewesen, eine Verschärfung der Gesetze für VPN-Apps aus dem Jahr 2015 umzusetzen. „Wir wurden von der chinesischen Regierung aufgefordert, einige dieser Anwendungen, die nicht den neuen Regelungen entsprechen, aus dem App Store zu entfernen“, sagte Cook am Dienstag im Gespräch mit Analysten bei der Vorstellung der Apple-Quartalszahlen.

Apple sei nicht alleine, sondern auch andere VPN-Anbieter seien betroffen, so Cook weiter. „Es wäre uns ganz offensichtlich lieber gewesen, die Apps nicht zu entfernen – aber wie in jedem anderen Land, in dem wir Geschäfte machen, befolgen wir die Gesetze“, so der Apple-Chef. 

China ist ein wichtiger Markt für Apple und brachte dem Unternehmen im vergangenen Quartal rund 18 Prozent seiner gesamten Erlöse aus. Das Risiko, aufgrund von Regelverstößen aus dem Land verbannt zu werden, will der Konzern deshalb nicht eingehen. Cook sagt, er sei zuversichtlich, dass die Einschränkungen mit der Zeit gelockert würden. Experten sehen hinter dem VPN-Verbot den Versuch seitens der chinesischen Regierung, auf der einen Seite die hiesige Konkurrenz zu Apple weiter zu stärken und auf der anderen Seite besser gegen Bürgerrechtler vorgehen zu können. Sie nutzen den VPN-Klienten, um staatliche Maßnahmen zu umgehen. Kritiker warfen Apple vor, mit dem Einknicken einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen.

Hintergrund
Apps wie ExpressVPN, VyprVPN, Torguard, AirVPN und IP Vanish sind über den chinesischen iOS-Store nicht länger abrufbar. Apple hat dazu gegenüber der New York Times ein Statement abgegeben. Darin heißt es, dass die VPN-Anbieter ab sofort eine gesonderte Lizenz der Regierung bräuchten, um die Programme weiter in China anbieten zu können: „Wir wurden dazu aufgefordert, VPN-Apps in China zu entfernen, die nicht den neuen Regularien entsprechen. […] Diese Apps bleiben in allen anderen Märkten weiterhin erhältlich.“

Die VPN-Applikationen „tunneln“ eine Verbindung zwischen zwei Punkten. Sie können beispielsweise eine Verbindung zu einem ausländischen Server herstellen und erst dort ins Internet gehen — so konnte die staatliche Zensur in China effektiv umschifft werden. Apple hatte schon mehrfach auf Drängen der chinesischen Regierung Apps entfernt; der aktuelle Fall zeigt jedoch einmal mehr, wie wichtig der chinesische Markt für den Tech-Konzern und wie groß dementsprechend der Einfluss der Regierung ist.

Zum Thema VPN gibt es auch Neuigkeiten aus Russland: Die Regierung unter Putin hat nun ein Gesetz verabschiedet, das VPNs ab dem 01. November 2017 in Russland verbietet. Wie TechCrunch berichtet, verbietet das neue Gesetz auch andere Technologien, die den Nutzern einen anonymen Zugriff auf Webseiten ermöglichen. Ein weiterer Schlag gegen das offene Internet.

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