Neues vom Admin / Hört endlich auf mit diesem Roaming-Schwachsinn!

Armin Hempel 02.09.2015 Lesezeit 5 Min

Viele wünschen sich nichts sehnlicher als einen ruhigen Urlaub ohne Internet, Mails und das ständige Hintergrundrauschen sozialer Netzwerke. Admin Armin hingegen will gar nicht von alledem abgeschnitten sein, sondern freut sich auch in den Ferien über eine funktionierende Breitbandverbindung. Nur die horrenden Gebühren fürs Datenroaming bereiten ihm Kopfschmerzen.

Armin Hempel ist System-Administrator, obwohl er Musik- und Theaterwissenschaft studiert hat. Wenn er nicht gerade mit Konsolen und Festplatten-Arrays ringt, schreibt er für WIRED Germany.

Urlaub in Italien. Die einzigen arbeitsfreien Wochen des Jahres sind gebucht, Gummiboot und Sonnensegel liegen im Kofferraum. Jetzt noch schnell die Kühltasche packen und die Route planen, dann kann's losgehen. Auf in den sonnigen Süden! Google Maps lotst uns sicher durch Deutschland, wir geraten nur einige wenige Male in stockenden Verkehr, verbringen dann aber überraschend viele Kilometer auf der Landstraße. Ein späterer Abgleich mit dem Verkehrsfunk zeigt, dass das Navigationssystem uns mehrere Staus erspart hat. Einige Stunden weniger Reisezeit — und schon bevor der Urlaub richtig angefangen hat, bin ich sehr dankbar für mobiles Internet.

Beim Zwischenstopp im Hotel erwartet uns eine weitere Überraschung: Freies WLAN für alle Gäste! Wirklich, dass wir das noch erleben dürfen! Per Zimmernummer und Nachnamen angemeldet, folgt ein Popup, das uns vor die Wahl stellt: Die 1-Mbit/s-Leitung ist für die Dauer des Aufenthalts kostenlos, gegen einen geringen Aufpreis sind sogar bis zu 100 Mbit/s Up- und Downstream möglich. Die Zeiten, in denen es bei fast jedem Hotel zum guten Ton gehörte, den Internetzugang so unangenehm wie möglich zu gestalten, sind offenbar vorbei. Vor dem Schlafengehen noch schnell ein paar Informationen über das Ausflugsziel des nächsten Tages und den besten Weg dorthin einholen können — unbezahlbar.

Ich stimme zähneknirschend zu, obwohl mich die Preise an Modemverbindungen aus den Neunzigern erinnern.

Als wir aber noch in Deutschland sind, denke ich mit Schaudern daran, was uns wohl hinter der Grenze erwarten wird. Denn so schön die Freizügigkeit innerhalb der EU auch sein mag, spätestens an den Roaming-Gebühren für Daten wird deutlich, dass man sich nicht mehr im Heimatland befindet. Prompt macht mich mein Smartphone auch darauf aufmerksam, dass ich — endlich in Italien angekommen — einen Pass buchen sollte, um mobile Datenverbindungen aufbauen zu können.

Trotz oder gerade wegen eines Vertrags, der mich bei lausigen 2 GB Inklusiv-Volumen im Schnitt rund 80 Euro pro Monat kostet, schaue ich irritiert auf das wenig verlockende Angebot, das mir mein Provider unterbreitet: 150 MB Daten innerhalb von sieben Tagen für „nur“ 15 Euro. Danach Drosselung. Ich stimme zähneknirschend zu, obwohl mich die halsabschneiderischen zehn Cent pro Megabyte an die Preise für Modemverbindungen in den Neunzigerjahren erinnern. Erlaubt wäre nach EU-Recht bis 2016 übrigens sogar das Doppelte!

Drei Stunden später, kurz vor unserer Ankunft am Urlaubsziel, bereue ich meine Entscheidung bereits. Der Provider lässt mich wissen, dass nun schon 80 Prozent des erlaubten Datenvolumens verbraucht seien und das Internet danach nur noch in reduzierter Geschwindigkeit zur Verfügung stehe. Wohlgemerkt bin ich während dieser Zeit ununterbrochen auf der Autobahn unterwegs gewesen und habe nicht eine einzige App geöffnet! Nach weiteren 30 Minuten weiß ich, was „reduzierte Geschwindigkeit“ bedeutet: Nichts funktioniert mehr, auch nicht ansatzweise. Facebook? Fehlanzeige. Twitter? Auch nicht. Browser? Unmöglich. WhatsApp oder iMessage? Nur sehr eingeschränkt. Selbst Google Translate und Maps geben ihren Geist auf. Das einzige, was unter Drosselung zwar zeitverzögert, aber durchaus zuverlässig funktioniert, sind E-Mails.

Von allem, was in der Welt passiert, bekomme ich ab diesem Moment nichts mehr mit. Brennende Flüchtlingsheime und Versammlungsverbote gehen ebenso an mir vorbei wie der erneute Börsencrash in China oder die kurzfristige Tabellenführerschaft von Borussia Dortmund. Nach kurzer Zeit fühle ich mich ein wenig desorientiert und heimatlos.

Mobiles Internet gehört einfach dazu. Ich bin gern ständig informiert, ob zu Hause alles in Ordnung ist.

Nun könnte man an dieser Stelle einwerfen, dass ich im Urlaub doch abschalten und weniger auf Displays starren sollte und demzufolge eigentlich alles wie geplant läuft. Aber nein! Eine mobile Breitband-Internetverbindung gehört bei mir einfach dazu. Ich bin gern ständig darüber informiert, dass zu Hause alles in Ordnung ist. Nach nur vier Tagen des zeitweiligen Starrens auf stillstehende Fortschrittsbalken reißt mein Geduldsfaden und ich beschließe, mir eine italienische SIM-Karte zu kaufen.

Der erste Versuch in einem Elektromarkt bleibt in Ermangelung eines italienischen Ausweisdokuments erfolglos. Entmutigt probiere ich es noch einmal im Laden um die Ecke und — siehe da: Für 59 Euro bekomme ich gegen Vorlage eines deutschen Personalausweises einen selbst in den Bergen hervorragend funktionierenden, mobilen LTE-Hotspot inklusive 20 GB (!) Datenvolumen. Umgerechnet in Roaming-Gebühren entspricht diese Datenmenge etwa 2000 Euro — völliger Wahnsinn! Endlich funktioniert wieder alles, eigentlich sogar noch besser als von zu Hause gewohnt.

Technisch gesehen ist das allerdings vollkommen meschugge. Das genutzte Mobilfunknetz bleibt gleich, die Infrastruktur auch. Der einzige Unterschied ist, dass jetzt noch ein zusätzliches Gerät und eine unnötige SIM-Karte zwischengeschaltet werden, was den Preis pro Megabyte um den Faktor 33 reduziert. Diesem Unsinn muss schnellstmöglich Einhalt geboten werden, denn im Endeffekt verdient niemand etwas daran, wenn ein Großteil der Kunden in Folge der absurden Preise gänzlich aufs Datenroaming verzichten!

Und die leicht verpönte Abhängigkeit von der Datennadel hin oder her: Ohne mobiles Internet macht mir Urlaub einfach weniger Spaß! In der knapp begrenzten Zeit kann ich eine mir fremde Umgebung besser erkunden, wenn die Navigation und das Nachschlagen von Übersetzungen anstandslos funktionieren. Auch Sehenswürdigkeiten sind viel schneller zu finden, wenn ich mich nicht nur auf die mündlichen Beschreibungen der Anwohner verlassen muss. Und — mit Abstand das Wichtigste: Je seltener ich auf das Tröpfeln der Daten durch die Roaming-Drossel warten muss, desto mehr Zeit bleibt mir für die schönsten Strände der Riviera.  

In der letzte Folge verriet euch Admin Armin 10 Fakten über das Apple Car, die noch nicht einmal Apple kennt.