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5 Kurzfilme über unseren Freund, den Roboter

Michael Förtsch 13.05.2016 Lesezeit 4 Min

Weltweit arbeiten Forscher daran, die Sci-Fi-Vision vom intelligenten Roboter Wirklichkeit werden zu lassen. Junge Filmemacher betrachten das mit Spannung und Sorge. WIRED präsentiert fünf Kurzfilme, die zeigen, vor welche Herausforderungen uns die elektronischen Helfer stellen könnten.

Derzeit sind Roboter für uns hauptsächlich automatisierte Staubsauger, die piepsend Wohnungen reinigen, oder hydraulische Arme, die an den Fertigungsstraßen von Fabriken stumpfe Montagearbeiten verrichten. In den kommenden Jahrzehnten wird sich das ändern. Die Entwicklungen in der Robotik und die Forschung an Künstlicher Intelligenz verläuft rasant. Glaubt man dem Futuristen Ray Kurzweil, könnten Roboter schon in wenigen Jahren ein Bewusstsein entwickeln und Persönlichkeiten ausprägen. Und das wird nicht ohne Folgen bleiben.

Wohin uns dieser Weg führen könnte, haben Science-Fiction-Ikonen wie Isaac Asimov schon vor Jahrzehnten hinterfragt. Und heute nehmen sich junge Filmemacher wie Courtney Marsh, David Karlak oder Rob McLellan der potenziellen Umwälzungen durch die menschengemachten Wesen an. In ebenso berührenden wie düsteren Bildern erörtern sie die Implikationen von künstlichen Emotionen und stellen Fragen nach Verantwortung und Ethik. Sie erschaffen Szenen, die unsere Angst und Ignoranz reflektieren und uns gleichsam aus der Perspektive eines Roboters auf die Menschheit und die Welt schauen lassen.

WIRED zeigt euch fünf großartige Kurzfilme, die unsere Zukunft mit Robotern beleuchten:

So schnell wir Menschen uns für neue Technologien begeistern, so schnell nehmen wir sie als gegeben hin. So ergeht es im gleichnamigen Kurzfilm auch dem veralteten Haushaltsroboter ZARI, der staubsaugt, Wäsche macht und die Wohnung in Ordnung hält. Dabei entwickelt er komplett unbeachtet von seinen Besitzern ein Bewusstsein für sich selbst und seine Umgebung. Etwas das nur von dem Wesen erkannt wird, das den Roboter tatsächlich wahrnimmt und liebt: dem Golden Retriever der Familie. Der anrührende Kurzfilm von Courtney Marsh handelt von unserer ignoranten Gleichgültigkeit gegenüber Technik und unsere Tendenz, ihr Tun nicht zu hinterfragen, so lange sie nur brav ihren Dienst verrichtet.

Der Roboter ABE wurde geschaffen, um zu Diensten zu sein. Obwohl er die Existenz der Menschen als sinnlos einstuft, liebt er sie – doch sie lieben ihn nicht. Das ist etwas, das ABE als Fehler in ihrer Programmierung erkannt hat. Ebenso hilfsbereit wie verzweifelt möchte er diesen korrigieren, mit Skalpell und Säge. Der kurze Horror-Streifen von Rob McLellan ist verstörend und herzzerreißend zugleich. Er stellt zwei wichtige Fragen: Wenn Maschinen so etwas wie Emotionen entwickeln, können sie diese dann auch deuten und verstehen? Und könnte man ihnen die daraus resultierenden Verwirrungen und irrationalen Taten anlasten, wo doch schon wir Menschen so mit unseren Gefühlen hadern?

In der Zukunft ist es kein Problem mehr, wenn wir mit unseren Geliebten unzufrieden sind, sie zum Beispiel nicht mehr spannend oder ambitioniert genug finden. Wir tauschen sie einfach gegen ein neueres oder besseres Modell ein – schließlich sind sie nur Roboter, dumpfe Gefühls- und Liebesmaschinen aus Kabeln und künstlichem Fleisch. Zumindest in High Maintenance von Simon Biggs und Philip Van, in dem ein elegantes Paar gerade seinen enttäuschenden Jahrestag begeht. Dabei fragen die Filmemacher, wie Partnerschaft, Zuneigung und Liebe zum Konsumgut verkommen und wie echt die Begierde einer Maschine sein kann.

Die düstere Vision von David Karlaks RISE wirkt zunächst allzu bekannt: Menschen erschaffen Roboter, die intelligenter und stärker sind als sie selbst – und fähig, zu fühlen. Daraufhin werden sie in Ghettos gepfercht, misshandelt und sollen allesamt vernichtet werden. Doch die Roboter flüchten, verstecken sich und proben letztlich den Aufstand. Allerdings nicht weil sie außer Kontrolle wären oder Rache suchten, sondern allein, um den Genozid an ihrer Rasse zu verhindern. Sie wollen lediglich das gleiche Recht wie jeder Mensch genießen: das auf Leben.

Wie würde der Arbeitsalltag in einem Bürojob aus der Sicht eines Roboters aussehen? Ziemlich öde, deprimierend, aber auch herzerwärmend. So zeichnet jedenfalls der heute für CHAPPIE und District 9 bekannte Regisseur Neill Blomkamp die Erlebnisse eines Roboters der Marke Tempbot, der in einer Verwaltungsabteilung eingesetzt wird. Der elektronische Hilfsarbeiter erfährt während seiner Arbeit vor allem Ablehnung und Misstrauen. Er ist isoliert, zumindest bis die neue Chefin ihn mit Faszination betrachtet und sogar Zuneigung zeigt. Dadurch wirkt der Roboter im Kurzfilm von 2006 fast menschlicher als seine Kollegen.

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