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5 deutsche Games-Podcasts, die ihr kennen solltet

Benedikt Plass-Fleßenkämper 25.10.2016

Podcasts über Videospiele boomen: Formate wie „Insert Moin“, „Stay Forever“ oder „Auf ein Bier“ haben Hörerzahlen im fünfstelligen Bereich und werden von Fans teils großzügig per Crowdfunding unterstützt. WIRED stellt fünf Games-Podcasts vor, bei denen sich das Reinhören lohnt.

Es muss nicht immer das geschriebene Wort sein, wenn man sich über Games informieren will. Während sich bekannte deutsche Let’s-Player wie Gronkh von einem Millionenpublikum auf YouTube beim Spielen zuschauen lassen, haben sich in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Audio-Podcasts etabliert, die sich dem Medium Games auf unterschiedliche Art und Weise nähern.

Ob aktuelle Spiele, Retro-Themen oder Debatten über die Branche, ob informativ, unterhaltsam oder humorvoll – das Angebot ist mittlerweile riesig. WIRED stellt fünf verspielte Podcast-Projekte für jeden Geschmack vor.

Insert Moin
Insert Moin zählt zu den ältesten Games-Podcasts in Deutschland – und zu den fleißigsten. Der Podcast ist täglich zu hören, über 1700 Folgen hat das Moderatorentrio Manuel Fritsch (freier Spielejournalist), Daniel Raumer (Redakteur beim einem Games-Fachmagazin) und Michael Cherdchupan (Autor, Sound- und Game-Designer) in den vergangenen fünf Jahren produziert. Inhaltlich bietet Insert Moin eine gelungene Mischung aus informativen, gut recherchierten und unterhaltsamen Inhalten.

Die Podcaster von Insert Moin: Daniel Raumer, Manuel Fritsch und Michael Cherdchupan (v. l. n. r.)

Neben aktuellen PC-, Konsolen- und Handheld-Games haben auch angrenzende Themenbereiche wie Brettspiele, Cosplay oder Spielemessen wie die E3 einen festen Platz in den 30 bis 60 Minuten langen Folgen – etwa im wöchentlichen Talk-Format Le Brunch. „Wir verstehen Spiele als Kulturgut und möchten sie im gesellschaftlichen wie auch im spielehistorischen Kontext beleuchten“, sagt Manuel Fritsch. „Dazu laden wir Journalisten, Blogger und Spieleentwickler zu Interviews, behandeln Meta-Themen und führen Diskussionen über Entwicklungen in der Branche.“ Redaktionelle Unabhängigkeit sei ihnen besonders wichtig, betonen die Macher in ihrem Leitbild. Auch deshalb haben sie auf der Crowdfunding-Plattform Patreon eine Kampagne gestartet, die derzeit knapp 500 Hörer monatlich mit rund 2000 Euro unterstützen.

Anspieltipp: Folge 1639 – Sexualität in Zeiten von Virtual Reality

Stay Forever
Früher leiteten Gunnar Lott und Christian Schmidt die Chefredaktion des PC-Spielemagazins GameStar, heute arbeiten sie in der PR und Marktanalyse selbst für Games-Hersteller. In ihrer Freizeit produzieren die beiden den auf Retro-Games spezialisierten Podcast Stay Forever, der es bislang auf über 50 Folgen und diverse Sondersendungen gebracht hat. Wenn Lott und Schmidt in den zwischen 45 und 120 Minuten langen Folgen über Klassiker oder Serien der 80er und 90er Jahre diskutieren und philosophieren, bekommt man als Hörer nicht nur tiefgründige Hintergrundinformationen zu Elite, The Bard’s Tale oder The Secret of Monkey Island, sondern bisweilen auch wortgewandte Rededuelle zwischen den Podcastern geboten. „Wir erarbeiten uns die Besonderheiten und die Bedeutung der behandelten Titel im Dialog“, erklärt Gunnar Lott den Ansatz des seit April 2011 existierenden Projekts.

„Die Hörerschaft ist breit gestreut: Viele haben aus eigener Erfahrung eine nostalgische Bindung an die Spiele; es melden sich in den Kommentaren aber auch regelmäßig Hörer unter 20 Jahren zu Wort, die sich so die Geschichte ihres favorisierten Mediums erschließen“, so die Macher. Auch Stay Forever ist seit Kurzem auf Patreon zu finden. Mit Erfolg: Mehr als 1000 Abonnenten überweisen jeden Monat mehr als 6150 Euro.

Anspieltipp: Folge 56 – Turrican

Auf ein Bier
Wie ihre Kollegen von Stay Forever waren auch André Peschke und Jochen Gebauer früher bei GameStar angestellt. Seit April 2015 produzieren sie Auf ein Bier, „das erste Spielemagazin zum Hören“, wie Peschke es ausdrückt. „Bei uns gibt es Tests, Analysen, Interviews und kontroverse Meinungen abseits des Mainstreams – nur eben in Podcast-Form und vor allem vollkommen unabhängig.“

Jochen Gebauer (l.) und André Peschke treffen sich „Auf ein Bier“

Das gelingt den beiden durchaus mit Erfolg: Das Archiv von Auf ein Bier ist trotz des noch jungen Alters schon gut gefüllt, jeden Sonntag wird eine der schon mal über zwei Stunden langen Sendungen veröffentlicht, in denen Peschke und Gebauer auf gehobenem Stammtischniveau offen, ehrlich und oft sehr kritisch über verschiedenste Themen rund um Spieleindustrie und -journalismus debattieren. Gerne mit Gästen und immer mit einem guten Bier – „oder sieben, sofern nötig“, wie die Macher auf ihrer Patreon-Seite schreiben. Rund 1800 Unterstützer steuern hier jeden Monat über 7000 Euro bei.

Anspieltipp: Folge 66 – Wenn der PR-Manager die Preview schreibt

Spielveteranen
Während die anderen hier vorgestellten Podcasts oder erfolgreiche Formate wie PietCast und Radio Nukular eher eine jüngere Zielgruppe anvisieren, richtet sich Spieleveteranen vor allem an reifere Hörer und Liebhaber von klassischen Games-Zeitschriften. „Der Spieleveteranen-Podcast ist eine zwanglose Ü40-Runde“, fasst Heinrich Lenhardt zusammen, langjähriger Spielejournalist und Mitinitiator des Podcasts. Eine wechselnde Expertenrunde plaudert einmal im Monat drauflos und gibt dabei auch gern mal die ein oder andere Anekdote aus dem früheren Redakteursalltag zum Besten. Bislang sind über 80 Folgen entstanden, gelegentliche werden Gäste eingeladen. Ihre Patreon-Kampagne bringt den Spieleveteranen dank knapp 300 Abonnenten monatlich 1130 Euro ein.

Anspieltipp: Folge 42 – Nerd Attack!

Games und so
Seit 2007 ist Games und so fester Bestandteil der deutschen Podcast-Szene. Hinter dem von Timo Hetzel produzierten Format verbirgt sich der Spiele-Ableger des ebenfalls von ihm betriebenen Tech-Podcasts Bits und so. Durchschnittlich einmal im Monat unterhalten sich Hetzel, seine Crew und gelegentliche Gäste ein bis zwei Stunden lang in lockerem Ton über alles, was Spieler interessiert. Tagesaktualität spielt kaum keine Rolle, es gehe vielmehr um „die größeren Entwicklungen und Trends“, erklärt Hetzel „Was wird mit Virtual Reality, Mobile und Konsolen? Wie schafft es Nintendo ins nächste Jahrzehnt? Darüber lässt es sich gut ohne Bild unterhalten, und hält den Zuhörer ohne großen Zeitaufwand auf dem Laufenden.“ Bislang kann Games und so auf mehr als 200 Folgen zurückblicken. Im Gegensatz zu vielen anderen Games-Podcasts verzichtet man auf Crowdfunding – was sich in Zukunft aber durchaus noch ändern könnte.

Anspieltipp: Folge 200 – Zweihundert

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