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10 Videospiele, die uns auf der GamesCom beeindrucken

Michael Förtsch 19.08.2016

Noch bis zum Sonntag findet in Köln die GamesCom statt. Wir haben uns auf Europas größter Videospiel-Messe umgeschaut und vieles angespielt. Darunter große Top-Games, Indie-Experimente und Virtual-Reality-Pioniere. Hier sind die zehn Games, die uns begeistert und überrascht haben.

Köln ist dieser Tage die Hauptstadt der Videospiele. Abertausende Gamer aus der ganzen Welt schieben sich gerade über das Gelände der GamesCom. Dabei hatten die Spiele- und Konsolen-Entwickler ihre wichtigen Enthüllungen und Ankündigungen schon im Juni auf der E3 2016 abgefeuert. Große Pressekonferenzen von Sony oder Microsoft gab es daher nicht. Das macht die GamesCom jedoch zu einer Messe des Anspielens und der genauen Blicke.

Vieles, was in Los Angeles nur als kurzer Trailer oder provisorische Demo zu sehen war, konnten die Besucher nun als ausführliche Vorführung betrachten oder gar mit dem Controller in der Hand erleben. Darunter etwa Prey, der spirituelle Nachfolger zu System Shock, oder auch der gruselige Virtual-Reality-Horror Resident Evil 7.

Dennoch gab es auf der GamesCom natürlich auch die ein oder andere Überraschung. Vor allem eigensinnige und kreative Indie-Entwickler und kleinere Studios offenbarten in der Domstadt spannende Projekte und verblüffende Spielerfahrungen. Die schwedischen Tarsier Studios, die bislang für ihre Mitarbeit an der Little-Big-Planet-Reihe bekannt waren, zeigten etwa ihr grimmig-gruseliges Rätsel-Abenteuer Little Nightmares und das spanische Studio Tequila Works gemeinsam mit dem britischen Cavalier Game Studios das ebenso verdrehte wie geniale The Sexy Brutale. Hier also unsere Top-Liste:

AER
Die Welt von AER besteht aus unzähligen Inseln, die weit im Himmel schweben. Das Ziel des Spielers lautet, diese mythische und in einem minimalistischen Look gezeichnete Kulisse zu erkunden. Dabei streunt man als Mädchen Auk mit einer Laterne durch Ruinen längst vergangener Zivilisationen und verwandelt sich in einen Vogel, um von Eiland zu Eiland zu gelangen. Ruhig, unheimlich elegant und fast schon transzendent wirkt es, durch Wolken zu tauchen und weithin in den Himmel zu steigen.

Jedoch aktiviert man über den Spielverlauf auch uralte Relikte und weckt damit gleichsam schlafende Kräfte, deren Motivation nicht so gänzlich offenkundig sind. Ebenso wird man auch mit Tieren und anderen Einwohnern „reden“, um mehr über diese surreale Welt in Erfahrung zu bringen. Mit alldem lässt das Game des schwedischen Studios Forgotten Key unweigerlich an das gefeierte Journey denken.

AER erscheint Ende 2017 für PC, PlayStation 4 und die Xbox One.

Robinson: The Journey
Nach einem Unfall auf einem Kolonie-Raumschiff strandet der jugendliche Astronaut Robin scheinbar alleine auf einem extrasolaren Planeten. Der gleicht verblüffend der Erde der Frühzeit und ist von Dinosauriern und anderen Urzeitkreaturen bevölkert. Die Story von Robinson: The Journey ist damit nicht unbedingt beeindruckend. Das Erlebnis dahinter aber durchaus. Denn das Game kommt nicht nur ohne Waffengewalt aus, sondern ist wohl auch das bislang optisch schönste Virtual-Reality-Game.

Aus Ego-Perspektive streift man durch imposante Dschungelareale, beobachtet umher stapfende Brontosaurier und versteckt sich, wenn ein T-Rex heranpoltert. Aufträge kommen von einer bemutternden Roboter-KI-Einheit, die einen als fliegende und plappernde Kugel begleitet. Mit einem Multi-Tool lassen sich Gegenstände mit einem Gravitationsstrahl bewegen, um etwa Ressourcen des havarierten Schiffs zu bergen oder Dinosaurier mit Früchten zu füttern. Ebenso werden – aus Climb entlehnte – Klettereinlagen absolviert, die Flora und Fauna gescannt und nicht zuletzt die schicke Grafik bestaunt!

Robinson: The Journey erscheint Oktober 2016 vorerst exklusiv für PlayStation 4 und PlayStation VR.

Tyranny
Rollenspiele im Stile der 90er-Jahre erleben mit Torment: Tides of Numenera oder auch Pillars of Eternity ein Comeback. Auch Tyranny von Entwickler Obsidian schließt sich dem an – kommt aber mit einigen cleveren Drehs einher. Hier ist die große Schlacht zwischen Gut und Böse nämlich längst geschlagen. Dabei haben die Truppen der Dunkelheit gewonnen. So beginnt der Spieler ganz ungewohnt nicht als unerfahrener Weltenretter unten in der Nahrungskette, sondern als Kriegerfürst unter dem Alleinherrscher Kyros. Seine Aufgabe? In dessen Namen die Ordnung im Reich sicherstellen.

Statt Keller von Ratten zu reinigen und lange Dialoge zu führen, macht der Spieler samt Gefolge jagt nach Aufrührern oder befreit ein „unschuldiges“ Monster aus der Gefangenschaft von Dorfbewohnern. Ob er dabei gnädig, gerecht oder grausam ist? Seine eigene Entscheidung. Auch sonst, selbst wenn in der Tradition von Baldur's Gate, macht Tyranny vieles anders. Es gibt keine Klassen wie Krieger oder Magier. Stattdessen entscheidet die gewählte Biographie des Helden über Ausgangsfähigkeiten aber auch den Story-Verlauf. Auch Erfahrungspunkte existieren nicht. Wer Schwerter schwingt wird im Nahkampf besser. Wer Zaubert wirkt wird ein fähigerer Magier.

Tyranny erscheint Ende 2016 für Windows, Linux und Mac.

Little Nightmares
Der Schlund ist der Ort, an dem die bösen und verdorbenen Seelen ihr Refugium gefunden haben. Der aus Stahl und Schrott zusammengezimmerte Moloch liegt tief unter Wasser und endet in einem rauchenden Schornstein, der in der weiten Leere irgendwo aus dem Meer ragt. Genau dorthin, hinauf durch das verstörende Höllenloch, muss der Spieler in Little Nightmares ein kleines Mädchen in gelber Regenjacke führen. Dabei begegnet sie all den Ängsten, die wohl viele aus der eigenen Kindheit kennen.

Ähnlich wie der Junge aus Inside wird auch die Kleine von Links nach Rechts durch die Kulissen geführt. Stühle müssen verschoben werden, um auf Regale zu kraxeln und an Lampen geschwungen werden, um Abgründe zu überwinden. Aber allem voran ist Verstecken gefragt. Denn in den Tim-Burton-artigen Umgebungen lauern monströse Metzgermeister, kahle Klauen, die aus Türspalten kriechen und andere Ungetüme, die das Mädel schnappen wollen. Hier erschaffen die durch ihre Mitarbeit an Little Big Planet bekannten Tarsier Studios ein wundervoll-gruselige Jump'n'Run-Rätselei.

Little Nightmares erscheint Anfang 2017 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

Prey
Hinter Prey verbirgt sich einer der interessantesten Ego-Shooter auf der GamesCom. Denn mit diesem Game versucht Arkane Studios, der Entwickler von Dishonored einen spirituellen Nachfolger zum legendären System Shock zu erschaffen – von dem auch ein offizieller Teil 3 in Entwicklung ist. Hier startet der Spieler als Morgan Yu – wahlweise Mann oder Frau – auf der Raumstation Talos 1, die gerade von außerirdischen Lebensformen überrannt wird. Schießen, verstecken, den eigenen Charakter mit Telepathie- und Hack-Fähigkeiten ausrüsten, so funktionierts.

Allerdings mischen die Entwickler einige verstörende Elemente ein. So können sich die Mimic genannten Aliens in verschiedenste Alltagsgegenstände verwandeln und lauern. Sei es ein Stuhl, ein Mülleimer oder eine Waffe auf dem Boden. Alles ist bedrohlich. Doch kann sich Morgen selbst auch diese Alien-Fähigkeiten aneignen und ebenfalls in unauffällige Utensilien transformieren, um etwa dem Verteidigungsrobotern der Raumstation aus dem Weg zu gehen. Wobei unklar ist, ob all dies wirklich geschieht oder nur in Morgans Kopf stattfindet. Denn Yu war Teil eines großen Experiments. Weder der Spieler noch der Held darf seinem Verstand trauen.

Prey erscheint 2017 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

State of Mind
Das Berlin des Jahres 2048 gleicht eher Szenen aus Blade Runner als der heutigen Bundeshauptstadt. Brände mitten in der Stadt, Roboter-Polizisten sperren Straßenzüge und auch alles andere ist eher dystopisch. Daher ziehen sich die Menschen im Third-Person-Adventure State of Mind in ein virtuelles Refugium namens CITY 5 zurück. Doch geht beim Log-in des Journalisten Richard Nolan etwas schief. Fortan existiert er nämlich nicht nur in der realen, sondern auch als digitaler Schatten in der virtuellen Welt. Etwas das nicht nur seine eigene Existenz in Frage stellt. Denn der digitale Richard versteht sich als ganz eigene Person.

Das Game des deutschen Entwicklers Daedalic soll ohne große Action auskommen, sondern setzt auf Kombinationsgabe, eine abstrakte Low-Poly-Optik und eine tiefgründige Geschichte. So schlüpft der Spieler über die Geschichte hinweg in beiden Richards und springt zwischen der frei erkundbaren virtuellen und realen Welt hin- und her. Überwachung, Transhumanismus und die Frage nach der Realität und Einzigartigkeit des Individuums werden dabei gestellt.

State of Mind erscheint Anfang 2017 für PlayStation 4, Xbox One, PC und Mac.

Vampyr
Mit Life is Strange hat das französische Studio Dontnod einen modernen und bewegenden Adventure-Klassiker geschaffen. Mit Vampyr wagt das Team etwas gänzlich anderes. Nämlich ein düsteres Action-Rollenspiel. In dem mimt der Spieler den Arzt Jonathan Reid, der Opfer der spanischen Grippe behandelt. In London wird er dabei plötzlich von einem Vampir überfallen und selbst zum Blutsauger. Doch was das nun bedeutet, das ist nicht festgeschrieben. Spielerisch gleicht das Game nämlich einer Kreuzung aus Deus Ex und Bloodborne.

Missionen führen durch das in Stadtbezirke unterteilte London und Entscheidungen beeinflussen die Story. Jedem, auch wichtigen Auftraggebern, kann Reid an den Hals. Dabei braucht es Taktik und Raffinesse; die Opfer müssen gelockt oder gar verführt werden. Denn jeder Biss steigert nicht nur die eigenen Vampirkräfte, sondern kann auch Monster-Jäger und Artgenossen heraufbeschwören, die in harten Kämpfen bezwungen werden müssen. Aber allem voran geht es darum, die eigene Menschlichkeit zu wahren. Schaut clever aus!

Vampyr erscheint 2017 für PlayStation 4, Xbox One und PC.

Resident Evil 7: Biohazard
Mit dem siebten Teil will Capcom seine Survival-Horror-Reihe Resident Evil nach einem starken Drift zur Action nun wieder zu den Horror-Wurzeln zurückholen und gleichzeitig neu erfinden. Denn statt aus Third-Person-Sicht spielt sich das Horror-Abenteuer nun aus Ego-Perspektive und nicht nur auf dem TV und Monitor, sondern mit Playstation VR auch in Virtual Reality. Das schockt gehörig, wie wir beim Anspielen erleben durften. Anders als in der zur E3 veröffentlichte Teaser-Demo schlüpft man in der GamesCom-Fassung in die Haut von Mia, die vom wahnsinnigen Ehepaar Baker auf einer Plantage in Louisiana festgehalten wird.

Die junge Frau wird dabei bei einem Fluchtversuch durch ein heruntergekommenes Haus geleitet, in dem die verrückte Marguerite Baker mit einer Laterne auf der Jagd nach ihr ist. Knarzende Dielen, geisterhaft schließende Türen und vor allem die plötzlich auftauchende Verfolgerin lassen dabei zusammenzucken und fast hinten überfallen. Waffen? Gibt es zumindest in der Anspielfassung keine. Stattdessen ist ähnlich Alien: Isolation allem voran Verstecken, Spähen und Fortlaufen gefragt, was den Puls nach oben treibt. Aber auch kleine Rätsel, wie sie Fans aus den ersten Resident-Evil-Teilen kennen, gibt es.

Resident Evil 7 erscheint am 24. Januar 2017 für Xbox One, Playstation 4 und PC.

The Last Guardian
Kaum ein Videospiel hat so eine bewegte Historie wie The Last Guardian. Erstmals angekündigt worden war der spirituelle Nachfolger zu The Shadow of Colossus nämlich bereits auf der E3 2009. Die lange Entwicklung merkt man dem Werk von Designer Fumito Ueda auch an. Die Geschichte um einen kleinen Jungen, der eine Trico genannte Mischung aus Riesenkatze, Vogel und Ratte aus einem Gefängnis befreit, schaut aus und spielt sich, als wäre sie aus der Zeit gefallen. Anders viele aktuelle Games, muss sich der Spieler die Welt und Mechanik selbst erschließen.

Gänzlich intuitiv wird der Junge durch ein steinernes Tempel-Labyrinth gescheucht, muss seinem tierischen Begleiter Speere aus dem Körper ziehen und mit Futter sein Vertrauen gewinnen. Auf Knopfdruck ruft er den Trico, der mit wallendem Gefieder nachfolgt oder man lenkt mit einem leuchtenden Schild seine Blitz-Kräfte, die Tore und Wände zerstören. Bei kleinen Rätseln werden später Vogelscheuchen-artige Windspiele in die Tiefe gestürzt, die die Chimäre verängstigen oder die Spielerin klettert auf den Rücken, um mit einem weiten Satz eine einstürzende Brücke zu überwinden. Dabei entwickelt sich eine fühlbare Beziehung zwischen den virtuellen Gefährten.

The Last Guardian erscheint im Oktober 2016 für PlayStation 4.

The Sexy Brutale
Jedes mal das Gleiche aber nicht ständig dasselbe. Genau darum geht’s bei The Sexy Brutale. Hier durchlebt der Spieler als Priester aufs immer neue den Tag, an dem ein bizarrer Maskenball im Herrenhaus-Casino namens The Sexy Brutale abgehalten wird. Doch wird die Festivität jäh von unschönen Morden an den Gästen überschattet. Warum und wie lassen sich die Opfer retten? Genau das gilt es zu klären, in dem der Tag wieder und wieder durchlebt und dabei ein stetig anderer Fall verfolgt wird.

Der schräge Indie-Titel erinnert in seiner sonderbaren Puppenhaus- und Holzschnitt-Optik und der eingängigen Rätsel-Mechanik durchaus an klassische Adventure und Retro-Rollenspiele. Allerdings sammelt der Spieler hier eben keine Gegenstände, sondern Informationen. In über 100 Räumen werden Verdächtige beschattet, teils groteske Gespräche belauscht und festgehalten, wer die alte Schrotflinte besonders interessant fand. Mit Kombinationsgabe und Geduld soll sich die Zeitschleife so letztlich durchbrechen lassen.

The Sexy Brutale erscheint Anfang 2017 für Xbox One, PlayStation 4 und PC.

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