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Kann alles, aber fast nichts richtig gut: Der In-Ear-Kopfhörer The Dash im Test

Dominik Schönleben 13.05.2016 Lesezeit 5 Min

Mit 3,3 Millionen Euro war The Dash vom Münchner Startup Bragi nicht nur das erfolgreichste Kickstarter-Projekt Deutschlands, sondern von ganz Europa: ein In-Ear-Kopfhörer, der nahezu alles können sollte. Knapp zwei Jahre später ist er endlich da, aber hält das Gadget, was es verspricht? WIRED-Redakteur Dominik Schönleben hat The Dash getestet.

Die Versprechen von Bragi waren beeindruckend: Die In-Ear-Kopfhörer des Münchner Startups sollten gleichzeitig Activity-Tracker, Headset und MP3-Player sein – und dabei kabellos sowie wasserdicht sein. Der in einer Kickstarter-Kampagne im Februar 2014 angekündigte The Dash sollte der Kopfhörer der Zukunft sein. Doch obwohl das Gadget viele gute Ansätze hat, ist das nicht gelungen.

The Dash soll ein Headset sein, dass man sich morgens ins Ohr stecken und erst abends wieder rausnehmen will. Bequem genug ist es dafür zumindest, wenn man erst einmal den richtigen Aufsatz für sich gefunden hat. Insgesamt drei Größen werden mit dem Kopfhörer ausgeliefert.

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Praktisch ist: Im Gegensatz zu anderen Headsets hat man kein Verbindungskabel zwischen den beiden Ohrhörern. The Dash sitzt auch besser im Ohr als viele andere Headsets, so fest, dass man wirklich keine Angst haben muss, die In-Ears zu verlieren.


Durch die mitgelieferte Station kann man The Dash auch unterwegs laden. Und das ist auch notwendig, nach knapp drei Stunden Tragen, sind die Kopfhörer leer

Um zu vermeiden, dass man The Dash ständig abnehmen muss, hat der Kopfhörer eine Transparency-Funktion. Mit ihr kann man den Umgebungs-Sound über das eingebaute Mikrofon direkt auf die Kopfhörer bringen. Statt sich dann von der Umwelt abzuschirmen, wird sie verstärkt.

Hier fangen jedoch die Probleme an: The Dash mit aktivierter Transparency im Ohr zu haben, ist, wie ein Hörgerät zu tragen – oder zumindest so, wie man sich das vorstellt. Da alle Töne mit einer ähnlichen Lautstärke weitergegeben werden, kann man die Umgebung nicht mehr richtig filtern und das Zuhören wird anstrengend.


WIRED-Redakteur Dominik Schönleben mit The Dash im Ohr

Das Klappern von Kaffeetassen oder Tastaturen wird plötzlich unangenehm laut, das Drücken einer Türklinke übersteuert zu einem unangenehmen Knacken. Während man sich gleichzeitig anstrengen muss Gesprächspartner zu verstehen. All das wird stetig von einem Grundrauschen begleitet, das selbst auf der niedrigsten Lautstärke nicht vollständig verschwindet. Schnell vermeidet man es, den Transparency-Modus von The Dash überhaupt zu aktivieren.

Der zweite zentrale Kritikpunkt von The Dash liegt in seiner Touch-Steuerung. Übers Tippen, Wischen oder Halten des linken beziehungsweise rechten Ohrhörers werden die unterschiedlichen Funktionen aktiviert: Activity-Tracking, Musik, Bluetooth-Pairing, Lautstärke und Transparency werden so gesteuert.


Durch drei verschiedene Aufsätze sitzt The Dash gut im Ohr

Doch auch nach mehrtägigem Training ist es wirklich schwierig, das Gerät richtig zu steuern. Der Unterschied zwischen Tap, Double Tap, Long Tap und Hold scheint nicht eindeutig genug getrackt zu werden. Immer wieder werden Eingaben ignoriert oder falsch ausgeführt. Im Test gelang es etwa kein einziges Mal, beim Tracken der Aktivität von Laufen auf Schwimmen zu wechseln.


Dennoch gibt es einen Punkt, an dem The Dash wirklich glänzen kann: im Schwimmbad. Weil die Kopfhörer bis zu einem Meter wasserdicht sind, kann man mit ihnen problemlos Bahnen schwimmen. Dabei bleibt der Kopfhörer ähnlich dicht wie klassische Ohrstöpsel aus Silikon. Nur beim ersten Abtauchen knistert The Dash so unangenehm laut, dass man sie lieber nicht im Ohr tragen möchte.

Mit dem im rechten Kopfhörer eingebauten 3,75-Gigabyte-Mp3-Player kann man auch ohne Smartphone in der Nähe und im Nassen Musik hören. Der Sound bleibt unter Wasser großartig – und selbst der Transparency-Modus ist mit Musik auf den Ohren ertragbar. The Dash ist also der perfekte Kopfhörer für passionierte Schwimmer.


Beim Training trackt The Dash Schritte, Distanz und verbrannte Kalorien. Was fehlt: Die in der Kickstarter-Kampagne versprochenen Funktionen zum Erfassen des Sauerstoffgehalts im Blut und zum Messen der Körpertemperatur

Die größte Schwäche von The Dash war seine Kickstarter-Kampagne. Das Versprechen vom In-Ear-Kopfhörer, der alles kann, hat gleichzeitig den Erfolg beflügelt, aber auch Erwartungen geschürt. Viele davon erfüllt The Dash jedoch nur mittelmäßig. Nicht alle auf Kickstarter versprochenen Funktionen haben es in das fertige Produkt geschafft. Was etwa fehlt: Die versprochenen Funktionen zum Erfassen des Sauerstoffgehalts im Blut und zum Messen der Körpertemperatur.

Hätte sich Bragi bei seinen Kopfhörern auf einige wenige Funktionen konzentriert, dann wäre The Dash wohl nicht zum Crowdfunding-Hype geworden. Besser und günstiger hätten die In-Ears der Zukunft dann aber vermutlich schon werden können.

Im Überblick:
– Die Transparenz-Funktion ist ziemlich verrauscht und auf Dauer unangenehm
– The Dash lässt sich nicht zuverlässig über die Touch-Steuerung bedienen
– Bestes Feature: unter Wasser Musik mit dem eingebauten Mp3 Player hören
– Perfekt für Schwimmer, ansonsten aber nicht zu empfehlen

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