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Die Toniebox ist ein digitaler Kassettenrekorder für Kinder (und Eltern)

WIRED Editorial 31.03.2017

Patric Faßbender suchte nach einem Hörspiel-Player, den eine Fünfjährige bedienen kann. Da er keinen fand, entwickelte er einfach selbst einen – und nannte den gepolsterten Würfel Toniebox.  

Dieser Artikel stammt aus dem gedruckten WIRED Magazin vom März 2017. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED-Magazin testen. Mehr Artikel aus der Rubrik Digitale Republik findet ihr hier

Kindheit: Für Patric Faßbender sind das Urlaub an der Nordsee und Fünf Freunde, die er vor dem Einschlafen im Zelt hört, während draußen das Meer rauscht. Walkman auf, Kassette rein, ganz einfach. 

Auch seine Töchter lieben Hörspiele. Aber die CDs, die Faßbender vor vier Jahren auf dem Fußboden des Kinderzimmers fand, waren alle zerkratzt. Und einen MP3-Player, den seine damals drei- und fünfjährigen Töchter selbst bedienen können, fanden seine Frau und er nicht. Ganze Generationen sind mit Kassettenrekordern wie My First Sony groß geworden. Warum gibt es kein adäquates digitales Gerät?, fragte er sich. Den Job als Kreativdirektor einer Werbeagentur hatte er eh satt, also machte er sich an das Problem. 

Das ist Magie. Das verstehen auch die ganz Kleinen

Die Idee: ein gepolsterter Lautsprecher-Würfel, ohne Regler und Knöpfe, so robust, dass er es auch verträgt, wenn ein Kind ihn mal fallen lässt. So schön, dass ihn auch Eltern gerne herumstehen haben. Und kinderleicht zu bedienen: Stellt man einen Elefanten auf den Würfel mit integriertem Lautsprecher, beginnt eine Folge Benjamin Blümchen. Kippt man die Box zur Seite, spult sie vor oder zurück. Das ist Magie. Das verstehen auch die ganz Kleinen. Drei Jahre ist das nun her; und die Box entspricht recht genau der ersten Idee, die Faßbender damals hatte.

Seit September ist sie erhältlich. Für die Technologie – in den Figuren ist ein NFC-Chip, die Box lädt das entsprechende Hörspiel dann über WLAN aus der Cloud – ist sein Mitgründer Marcus Stahl zuständig. Die beiden kennen sich aus dem Vorstand ihrer Düsseldorfer Kita. 

Investoren zu finden, sei kein Problem gewesen, sagt Faßbender. Viel langwieriger war es, die Verträge mit den Rechteinhabern der Figuren auszuhandeln. Monatelang waren die Gründer dafür unterwegs: 30 Hörspielfiguren, die man auf den Würfel setzen kann, hat Toniebox inzwischen im Sortiment. Klassiker wie Bibi Blocksberg und Janosch, aber auch Räuber Hotzenplotz – eine Rarität, weil Otfried Preußlers Erben eigentlich jede Form von Merchandise unterbinden. Faßbender konnte sie überzeugen, dass die Figuren kein Spielzeug sind, sondern Tonträger: Bei Toniebox geht es um Inhalt. 

Eigentlich ist das Gerät für Drei- bis Sechsjährige konzipiert, aber sie überzeugt offenbar länger: Seine Tochter Ella ist inzwischen neun und benutzt sie immer noch. Manchmal allerdings hört sie auch Fünf Freunde, mit Papas alten Kassetten. Dann ist es, als würde Faßbender zurückgebeamt in den Urlaub an der Nordsee. „Mein Traum ist, dass in 20 oder 30 Jahren Leute auf den Speicher gehen, eine Toniebox finden und sich auch auf so eine Zeitreise begeben.“ 

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