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Test: Mit tado weiß eure Heizung immer, wann ihr auf dem Heimweg seid

Dominik Schönleben 24.01.2017

Immer mehr Anbieter wollen Heizungen ins Internet bringen. Einer davon ist das deutsche Startup tado. Dessen Thermostate regulieren die Temperatur in der Wohnung ganz von allein, wenn man nicht zu Hause ist. Wie gut das funktioniert, haben wir für euch getestet.

Der US-Smarthome-Anbieter Nest expandiert gerade nach Deutschland. Doch dort gibt es schon einige Firmen, die den Markt rund ums vernetzte Zuhause für sich beanspruchen. Neben dem System des deutschen Traditionsunternehmens Bosch gibt es etwa Eve von Elgato oder das Startup tado. Während die ersten beiden möglichst viele Haushaltsgeräte gleichzeitig mit dem Internet of Things (IoT) verbinden wollen, hat sich tado auf Heizungen spezialisiert.

Die erste Version von tados smartem Thermostat gibt es schon seit 2012. Damals war das System noch relativ eingeschränkt, es musste direkt mit dem Hauptthermostat des Hauses verbunden werden. Was etwa für Mieter oft keine wirkliche Option ist, vor allem in Altbauwohnungen. Mit der Ende 2016 veröffentlichten neuesten tado-Generation sollte sich das ändern. Nun kann jeder einzelne Heizkörper übers Smartphone gesteuert werden.

Die neuen Thermostate von tado sind schnell montiert. Mit einer Zange und ein paar Hangriffen tausche ich die alten vergilbten Plastikgriffe mit der Temperaturanzeige an meiner Heizung aus. Dann surrt es leise und schon hat sich tado selbst justiert. Online gehen die Thermostate über einen kleinen Stick, den ich in meinen WLAN-Router stecke. Jedes Thermostat muss anschließend in der tado-App (iOS und Android) dem entsprechenden Zimmern zugeteilt werden. Im letzten Schritt kann dann für jeden Raum eine eigene Temperatur eingestellt werden. Als Alternative zur App gibt es tado auch im Browser.

Mit leerem Smartphone-Akku bleibt die Wohnung eiskalt

Ähnlich wie ein reguläres Hausthermostat bringt tado die Heizung zu bestimmten Uhrzeiten auf eine voreingestellte Temperatur. Nutzt man das voreingestellte Profil, fährt sie abends herunter und morgens wieder hoch. Auch wenn diese Funktion bei modernen Wohnungen zum Standard gehört, ist es praktisch, dass sie mit tado quasi überall relativ günstig nachgerüstet werden kann.

Was tado wirklich von einem regulären Thermostat unterscheidet: Die App beobachtet stets, welche Bewohner gerade zu Hause sind. Ist niemand mehr da, fährt sie die Temperatur automatisch herunter. Dazu wird über das Smartphone geprüft, wie weit die einzelnen Nutzer derzeit von der Wohnung entfernt sind und die Temperatur immer wärmer eingestellt, je näher sie der Wohnung kommen. Das führt dazu, dass ich immer in eine warme Wohnung nach Hause komme – außer der Smartphone-Akku ist leer. Dann ist es wirklich bitter, auch noch in eine eiskalte Wohnung zu kommen.

Dieser Stick, der in den WLAN-Routergesteckt wird, ist der Hub des tado-Smarthomes

Doch in meiner WG erwies sich tado auch als äußerst praktisch. Weil oft unklar ist, wer zu welcher Zeit nach Hause kommt, lief die Heizung früher oft durchgehend auf Hochtouren. Keiner will ja, dass die Mitbewohner frieren, und um sich ständig abzusprechen, fehlt oft einfach die Zeit. Sobald nun allerdings alle in der tado-App registriert waren, mussten wir uns über die Heizung keine Sorgen mehr machen.

Ein großer Nachteil bleibt aber: Einzelnen Nutzern können keine Räume zugeordnet werden. Kommt also ein Bewohner nach Hause, werden automatisch alle Räume aufgeheizt. Das wirkt verschwenderisch, vor allem in Anbetracht des wichtigsten Versprechens von tado: Das Gadget soll durch automatische Steuerung die Heizkosten reduzieren – ohne dass man auf den Komfort einer stets warmen Wohnung verzichten muss. Die Zuordnung von Räumen wäre hier eine simple Möglichkeit zur Optimierung gewesen. (Wie viel Geld ihr laut tado je nach Größe eurer Wohnung sparen könnt, erfahrt ihr hier)

Ein Aspekt von tado fühlt sich ein wenig gruselig an. In der App ist stets ersichtlich, ob die Mitbewohner gerade zu Hause sind oder wie weit sie sich ungefähr von der Wohnung entfernt haben. Hier zeigte sich recht gut, wie leicht es uns Daten aus Smarthome-Systemen machen können, das Verhalten anderer Menschen nachzuverfolgen.

In der App und auf dem Griff des Thermostats blendet tado die aktuelle Temperatur jedes Raumes ein. Die stimmt aber leider selten. Wer es ganz genau wissen will, muss selbst nachmessen und die Abweichung in die App eintragen. Dann ist die Anzeige in Zukunft etwas genauer, aber nie perfekt. Weil tado die Raumtemperatur nur wenige Zentimeter von der Heizung entfernt misst, ist sie vor allem in großen Räumen sehr ungenau.

Hingegen wirklich praktisch: Wer trotz automatischer Steuerung unzufrieden mit der Temperatur ist, kann diese auch zeitweise über die App oder direkt am Thermostat nachregulieren. Im Test bewährte sich die Option, mit der der Raum einfach für eine halbe Stunde ein paar Grad wärmer gestellt werden kann. Danach wird wieder auf Automatik umgeschaltet. Das reichte meist, um das kurzfristige Gefühl von Kälte zu vertreiben. Ähnlich angenehm war diese Funktion fürs Lüften – es ist einfach egal, wenn man danach vergisst, die Heizung wieder anzuschalten.

Während andere Smarthome-Anbieter mehr und mehr Geräte in ihre Systeme integrieren, sind es bei tado bisher nur Heizungen und Klimaanlagen. Das wird vor allem für jene zum Problem, die mehr Gadgets im eigenen IoT-Netzwerk haben wollen. Egal ob Kameras, Fensterschließer oder Glühbirnen, für die ist dann ein zweites System nötig.

Ob und wie viel Heizkosten man wirklich sparen kann, wird erst die nächste Nebenkostenabrechnung zeigen

Derzeit lässt sich tado durch IFTTT mit anderen IoT-Gadgets verbinden. Doch diese App zum Selbstprogrammieren von Smarthome-Verknüpfungen ist kompliziert und benötigt viel Zeit zum Einrichten. Bisher also nicht wirklich praktikabel. Bald soll tado jedoch mit dem Apple Home Kit verknüpft werden, das dann zur Zentrale für weitere Geräte wird.

Mit dem Sprachassistenten Alexa von Amazon lässt sich das Thermostat schon jetzt steuern. Die Heizung kann per Sprachbefehl wärmer oder kälter gestellt werden. Das funktioniert jedoch nicht so reibungslos, wie es bei anderen Alexa-Anwendungen üblich ist. Um die Temperatur zu erhöhen, muss ein ganz bestimmter Satz ausgesprochen werden, bereits bei kleineren Abweichungen versteht Alexa den Befehl nicht mehr. Andere Apps zeigen sich hier weitaus flexibler.

Obwohl tado im Vergleich zu anderen Smarthome-Devices bisher nicht Teil eines größeren Systems ist, bleibt es ein gutes Gadget. Es ist angenehm in eine warme Wohnung zu kommen, ohne dass man dabei ein schlechtes Gewissen haben muss, weil stundenlang die Heizung auf Hochtouren lief. Ob und wie viel Heizkosten man so wirklich sparen kann, wurde in unserem Test noch nicht klar – das wird erst die nächste Nebenkostenabrechnung zeigen. Mit tado bekommt die Heizung jedoch bereits einen anderen großen Vorteil: Sie wird zu etwas, über das man sich einfach keine Gedanken mehr machen muss.

WIRED: Trackt automatisch, wann die Heizung abgeschalten werden kann.
TIRED: Schlechte Integration mit Amazon Alexa. Kann nur eingeschränkt mit anderen Smarthome-Systemen kommunizieren.

Das Starterkit von tado für zwei Heizkörper kostet 199 Euro. Jedes weitere Thermostat kostet 79 Euro. Alternativ können die Geräte auch gemietet werden.

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