/Gadgets

Test: Können Dreijährige mit einer App und bunten Würfeln Englisch lernen?

Domenika Ahlrichs 01.02.2017

Weil das Internet aus dem Alltag von Kindern nicht mehr wegzudenken ist, werden sie früh mit Englisch vertraut. Eine gute Voraussetzung, um mit dem echten Sprachlernen anzufangen. Die App Lingumi Play soll helfen, indem sie spielerisch Vokabeln vermittelt – durch bunte Schaumstoffwürfel. WIRED hat mit zwei Kids den Test gemacht.

Es begann an einem trüb-nasskalten Neujahrsmorgen: Der Anderthalbjährige war wie immer schon um sieben Uhr wach, die Eltern nicht wirklich. Der Junge durfte sein erstes Video auf YouTube sehen: irgendwas mit Baggern. Von da war es dann nicht mehr weit zur sprechenden Dampflok Thomas, natürlich im englischen Original. Dem Kind war die Sprache egal. Und die Eltern sahen darin die Chance, ihr schlechtes Gewissen („So jung und schon Videos!“) zu beruhigen. Der Sohn nahm so jedenfalls schon früh wahr, dass es andere Sprachen gibt: „Hello, I’m Thomas, I’m the number one blue engine“, rief er den Eltern danach oft entgegen. Irgendwann dann auch „Bust my buffers“ oder „To the rescue!“.

Kinder an Englisch heranzuführen, ist heutzutage keine Herausforderung mehr. Die Sprache gehört zum Alltag, zumindest, wenn in diesem das Internet vorkommt. Thomas war der Anfang, danach kamen Curious George, Fireman Sam, Peppa Pig und zahllose weitere Kinderserien, die es zwar irgendwie und irgendwo auch in deutscher Version gibt – aber warum sollte man?

Wer allerdings möchte, dass die eigenen Kinder nicht nur en passant, sondern systematisch lernen, kann sich von einer App helfen lassen. Eine Möglichkeit ist Lingumi Play. Diese Lern-App ist für Kinder ab zwei Jahren gedacht. Es gibt sie sowohl für iOS als auch für Android, fürs Smartphone oder Tablet. Getestet haben wir sie mit einem drei- und einem sechsjährigen Kind und können bestätigen: Das ist genau die Altersspanne, in der die App am meisten Spaß macht.

Die Interaktion mit der App findet fast ausschließlich über die Würfel statt, ohne dass Kinderhände auf Smartphone oder Tablet herumdrücken müssen

Den Kindern gefällt sofort das Zubehör von Lingumi: vier Schaumstoffwürfel in Größe einer Erwachsenenfaust, grün, blau, gelb und rot. Sie sind BPA-frei, brauchen weder Magnete noch Batterien. Praktisch ist: Die Interaktion mit der App findet fast ausschließlich über diese Würfel statt, ohne dass Kinderhände auf Smartphone oder Tablet herumdrücken müssen.

Der Ablauf ist schnell erklärt: Auf dem Bildschirm erscheinen Zeichentrick-Ebenbilder der Würfel, die mit ihren Armen und Beinen wie Sponge Bobs Geschwister aussehen. Sie sind jeweils einem Gegenstand zugeordnet, und das Kind begreift recht intuitiv, welchen Würfel es vor die Kamera des Tablets legen muss. „Yey!“ ruft der Sponge Bob, wenn es richtig war und nennt den Gegenstand mit Namen. „Cup“ lernt das Kind dann spielerisch oder „bowl“, „spoon“ und „chair“.

Die Lingumi Würfel in Aktion

„Where’s the chair“, fragt die Stimme in bestem Oxford-Englisch. Kein Problem, sofort ist der richtige Würfel gezückt. Schnelles Lernen, schnelle Erfolgserlebnisse und Lerneinheiten, die nur etwa zehn bis 15 Minuten dauern (die nächste kann dann erst am Folgetag freigeschaltete werden). Alles sehr stimmig, wenn man bedenkt, dass diese Lern-App für Kinder gedacht ist.

Allerdings lernen Digital Natives nicht nur recht schnell die entsprechenden Vokabeln, sondern auch Wege, das System ein wenig durcheinander zu bringen: Wer den Würfel vor die Kamera legt, bevor die entsprechende Frage zu Ende formuliert wurde, zwingt die Stimme zu springen. Es entstehen verkürzte Sätze wie „Where’s the .... Yey!“, was bei ständiger Wiederholung etwas von einem Rap-Song hat. Kinderköpfe wippen im selbstproduzierten Takt.

Eigentlich soll am Ende der Lektion ein Erwachsener abhaken, welche Vokabeln von den Kindern richtig ausgesprochen wurden. Doch weil das so schöne Sounds macht, wollen die Kids dabei natürlich mitmachen und drücken selbst auf dem Monitor herum.

Wobei: Bildschirm berühren – das sollte doch eigentlich nicht nötig sein, oder? Ja, Lingumi funktioniert für Kinder grundsätzlich ohne Kontakt zum Gerät. Aber ganz ohne Touch geht es eben doch nicht. Für diesen Teil sind aber eigentlich die danebensitzenden Erwachsenen zuständig. Und Lingumi stellt zwischen den Lektionen Fragen wie „Was willst Du spielen?“, „Welche Vokabeln hast du gelernt?“ und „Wie hat dir das gefallen?“, die nur schriftlich erscheinen. Was da dann steht, begreift jedoch auch ein Kind das nicht Lesen kann, weil sich die Abläufe immer wiederholen.

Sitzt der Erwachsene nicht ständig daneben, bestimmt das Kind, was passiert. Macht auch Spaß, bringt für den Lernfortschritt aber wenig. Ein weiteres Manko von Lingumi: Das Tablet oder Smartphone steht auf einem Papphalter, der verrutscht, sobald etwas energischer auf das Gerät getippt wird. Eigentlich wäre das nicht weiter schlimm, aber der perfekte Abstand zwischen Gerät und Würfeln ist wichtig, damit die Kamera alles gut erfassen kann.

Insgesamt vier solche Würfel werden für die App Lingumi Play benötigt

Die Erfahrung zeigt: Immer wieder sagt die App „Würfel kalibrieren“, meist mitten in einer Lektion. Die Kinder wissen zwar schnell was das bedeutet, aber die Unterbrechungen nerven. Was außerdem stört: Nur bei ausreichendem Licht erkennt die Kamera die Würfel. Im Winter heißt das: Lampe her, im Zweifel auch mehrere. Ob ein Würfel grün oder blau ist, erkennt die App dennoch öfters nicht.

Alles in allem ist Lingumi eine tolle Möglichkeit, Kinder spielerisch mit einer Fremdsprache umgehen zu lassen. Und ihr Erfolg ist im Alltag zu merken: Immer wieder lassen die Kleinen Vokabeln einfließen, die sie mit der App gelernt haben. Und wenn Mutter oder Vater fragen: „Where’s the milk?“, dann steht sie wenig später auf dem Tisch, gebracht vom stolz lächelnden Nachwuchs.

WIRED: Auch für sehr junge Kinder geeignet. Wird mit Schaumstoffwürfeln anstatt durch Tippen aufs Display gesteuert.
TIRED: Komplizierter Aufbau. Benötigt viel Licht. Die Eltern müssen immer mit dabei sein.

Lingumi wurde von dem Englischlehrer Toby Mather und dem Informatiker Adit Trivedi entwickelt. Das Startset kostet 49,90 Euro.

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden