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Der Roboter-Assistent Temi will das bessere Google Home werden

David Pierce 30.08.2017 Lesezeit 3 Min

Haushaltsroboter sind viel zu menschlich, sagt der Macher von Temi. Deshalb sieht sein Assistent mehr wie ein rollendes Tablet aus. Temi ist wie Google Home, nur auf Rädern, damit der Assistent stets dorthin kommen kann, wo er gebraucht wird.

Yossi Wolf, CEO des Roboterherstellers Roboteam, will sein neuestes Produkt eigentlich gar nicht als Roboter bezeichnen. „Wenn die Leute das Wort Roboter hören, haben sie ein ziemlich klares Bild vor Augen“, sagt er. Sie würden dann an eine Maschine mit Gesicht und einer eigenen Persönlichkeit denken – ähnlich einem Menschen.

Temi, der rollende Roboter, den Wolf gern in jedem Zuhause sehen würde, ist hingegen mehr ein Tablet auf Rädern. Wolf kennt sich mit Robotern aus, sein Unternehmen baut sie seit längerem fürs Militär. Seine Roboter laufen über unebenes Gelände, robben durch den Sand und klettern über Felsen, um dann Bomben zu entschärfen. Seine Wissen will Wolf nun auch für den Wohnzimmereinsatz nutzen.

Zum Beispiel lässt Temi sich von irgendwo im Haus herbeirufen. Er rollt dann zuverlässig heran, weil er die gleiche Navigationstechnologie benutzt, die Roboteam einst für die Air Force entwickelt hat. Um Menschen zuordnen zu können, nutzt Temi eine Gesichtserkennungssoftware und KI-Werkzeuge des Google Assistant. Der Roboter auf Rädern ermöglicht es, genau dort einen Video-Chat zu starten, Fernsehen zu schauen oder Musik zu hören, wo auch immer man sich gerade im Haus befindet.

Wolf wollte genau das: keinen künstlichen besten Freund nämlich, sondern schlicht eine Maschine für Videochats und Musik. Für Momente, in denen man zum Beispiel mit der Großmutter chatten will. Temi setzt Stimmerkennung ein, um die richtigen Leute zueinander zu bringen und hält per Gesichtserkennung immer den Gesprächspartner im Zentrum des Bildes. Mehrere Mikrofone erhöhen dabei die Soundqualität. Das Roboteam-Team will langfristig die auf Android basierende Software des Roboters für Entwickler öffnen. Dann könnte Temi bald viele neue Fähigkeiten bekommen.

Zu den Eckdaten: Temi ist etwa einen Meter groß und rollt auf vier kleinen Rädern umher. Sein Kopf ist ein 25 Zentimeter großes Tablet, das auf seinem gebogenen Körper ruht. Sein Fuß sieht aus wie ein großer Staubsauer. Eine Batterieladung hält bei Temi acht Stunden. Der Roboter besitzt WLAN, LTE und Bluetooth. Ganz bewusst haben die Hersteller ihm keine Augen gegeben wie etwa seinen menschenähnlichen Vorbildern Pepper und Kuri. Optisch ist Temi am ehesten mit einer tragbaren Massage-Station oder einem rollbaren Stehtisch vergleichbar. „Wir wollten Temi unbedingt gesichtslos sein lassen“, sagt Wolf. Wenn man mit dem Roboter spricht, erscheinen die eigenen Worte auf dem Bildschirm – die Antwort dann auch. Das ist alles. „Die Technologie ist noch nicht reif genug, um einen Menschen zu ersetzen“, sagt Wolf.

Temi ist derzeit noch ein Prototyp. Das Roboteam führt derzeit einen Beta-Test durch, der im Herbst auf bis zu 1000 Nutzer ausgeweitet werden soll. 2018 sollen dann noch mehr Menschen den Roboter nutzen können. Wolf peilt einen Verkaufspreis von weniger als 1250 Euro an. Ziemlich viel für ein Tablet, aber Temi kann natürlich etwas mehr. Sein Job, sagt Wolf: Das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen zu verbessern.

„Wir arbeiten alle viel und verbringen viel Zeit damit, auf unser Smartphone zu starren“, sagt Wolf. „Manchmal vergessen wir dabei, wie wichtig Zeit mit unserer Familie und anderen wichtigen Menschen ist.“ Er ist sich sicher, dass nur ein Roboter hier helfen kann. Denn der sei zur Stelle, wenn er gerufen werde. Die Menschen selbst hätten weiterhin ihre Hände und den Kopf frei.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
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