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KI-Assistenten wie Alexa werden unsere Gesellschaft verändern

Michael Förtsch 15.09.2016

Bald soll Amazons Sprachassistentin Alexa auch in deutschen Haushalten den Alltag vereinfachen. Das zeigt, wie Künstliche Intelligenzen zunehmend unsere Gesellschaft durchdringen. Laut einer aktuellen Studie wird das drastische Folgen haben.

Es hat gedauert, aber nun spricht Alexa auch Deutsch. Die Stimme von Amazons KI-gestützer Sprachassistentin klingt dabei jünger als das englische Original. In Form des Lautsprecherzylinders Echo, des schmalen Dot und des neuen Fire-HD-8-Tablet liefert sie den aktuellen Wetterbericht, liest aus der Wikipedia vor, organisiert den Kalender, spielt Musik oder schaltet das Licht an.

Die Bandbreite an Partnern ist in Deutschland noch etwas eng gefasst. BMW, Spotify, MyTaxi, Chefkoch.de, TuneIn Radio, Tagesschau, TorAlarm und die Deutsche Bahn erlauben etwa das Vorlesen von Fußballergebnissen oder aktueller Nachrichten, das Rufen eines Taxis oder das Suchen nach Bahnverbindungen. Andere Aufgaben und Befehle, die Alexa in den USA schon bewältigen kann, versteht sie hierzulande derzeit noch nicht.

Trotz ihrer noch begrenzten Fähigkeiten ist die nun mehrsprachige KI, die in Form des Echo ab Ende Oktober auf Einladung erhältlich ist, ein weiterer Schritt hin zur Robotisierung unseres Alltags und Arbeitsumfeldes. Das ruft jedoch nicht nur Begeisterung hervor, sondern auch Bedenken. Nicht nur bei Datenschützern, die Siri, Cortana, Google Now und eben Alexa als an die Cloud angebundene Abhörvorrichtungen begreifen. Parallel zur Ankündigung der deutschen Amazon-Sprachassistentin hat auch das Markt- und Technologieforschungsinstitut Forrester eine Studie über die Folgen derartiger Entwicklungen veröffentlicht.

Laut den Autoren werden sich die Fähigkeiten zur Analyse und Interpretation der Sprache und des menschlichen Verhaltens maßgeblich verbessern. Damit könnten unzählige Berufe bald von KI-Systemen übernommen werden. „Im Jahr 2021 wird eine disruptive Flutwelle losbrechen“, prophezeit Brian Hopkins. Vor allem Jobs im Bereich Logistik, Transport und Kundenbetreuung würden wegfallen. Callcenter könnten fast gänzlich von Künstlichen Intelligenzen geführt werden. Lieferdrohnen, Mini-Roboter und autonome Fahrzeuge von Uber, Google oder Otto würden Taxi- und LKW-Fahrer überflüssig machen. Insgesamt sechs Prozent der Jobs in den USA könnten so in fünf Jahren verschwinden.

Zwar würden auch zahlreiche neue Stellen zur Überwachung und Wartung der computerisierten Dienstleister geschaffen, schreiben die Forscher. Jedoch würden diese andere Fähigkeiten erfordern und vor allem jüngere und hochqualifizierte Menschen in den Arbeitsmarkt hieven. Den Autoren des Reports zufolge sind ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, der Kriminalität, des Drogenmissbrauch und allem voran Widerstand gegen die Automatisierung zu erwarten. Ähnlich wie etwa schon Taxifahrer teils mit Gewalt gegen die Konkurrenz durch die günstigeren Uber- und Lyft-Fahrdienste protestierten.

Dieser Prozess werde bisher nicht ernst genug genommen und die potenziellen Folgen der Automatisierung und Computerisierung vor allem durch die Politik sträflich ignoriert. „Wir haben nicht wirklich einen Plan“, schreibt Andy Stern im Forrester-Report. „Wir unterschätzen, wie schnell die Zukunft anrollt.“

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