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Hands-on mit dem Pixel 2-Smartphone von Google

Dominik Schönleben 05.10.2017 Lesezeit 6 Min

Der eigene Assistent stand bei allen Produkten im Zentrum, die Google am Mittwoch vorgestellt hat. So auch bei den Smartphone-Nachfolgern Pixel 2 und 2 XL. Aber ist er wirklich ein Kaufgrund? Unser Gadget-Redakteur hat das Gerät nach der Präsentation antesten können.

Highend-Smartphones haben längst einen Punkt erreicht, an dem ihre Hardware kaum noch eine Rolle spielt. Ihre Prozessoren sind schnell, ihre Kameras machen fantastische Fotos und ihre Bildschirme haben eine exzellente Auflösung. Was spielt also noch eine Rolle heutzutage? Mit welchem Argument holen sich Nutzer trotzdem das neue Gerät, wechseln den Anbieter und geben viel Geld aus? Googles Antwort darauf war nach der Präsentation eindeutig: Wegen seines neuen Assistenten. WIRED-Redakteur Dominik Schönleben hat ihn sich zusammen mit den anderen Neuerungen des Google-Smartphones näher angeschaut:

Aktiviert wird der Assistent nicht mehr über den Befehl „OK Google“ oder ein langes Pressen der Home-Taste, sondern per Quetschen des Telefons. Das wirkt zuerst albern, funktioniert aber überraschend gut. Wenn ich das Telefon normal in der Hand halte und etwas Druck auf den Rahmen ausübe, springt der Google Assistant an und wartet auf meinen Befehl. Der Drucksensor scheint dabei einen wirklich guten Job zu machen. In der kurzen Zeit, die zum Ausprobieren blieb, aktivierte er sich nur dann, wenn ich es wollte. Selbst beim ständigen Drehen und Wenden für die Fotos meldete sich der Assistent nicht ungefragt zu Wort.

Das neue Pixel von vorne.

Die Squeeze-Funktion könnte sich tatsächlich zur wichtigsten des Pixel 2 entwickeln und dafür sorgen, dass viele Menschen zum ersten Mal ihren Sprachassistenten im Alltag verwenden. Der Grund dafür ist einerseits, dass mit jedem Produktzyklus der Assistent schlauer wird – auf Englisch soll er jetzt 100 Millionen neue Kommandos kennen. Und andererseits fühlt es sich einfach viel natürlicher an, das Telefon zusammenzudrücken als etwas beschämt „Ok Google“ zu rufen. Eine weitere Funktion des Assistenten, die es vorerst nur exklusiv auf dem Pixel geben wird: Google Lens. Über einen Button in der Kamera-App analysiert eine Künstliche Intelligenz, was auf einem Foto zu sehen ist. Demonstriert wurde das an ausgewählten Romanen, Bildern und Postern. Aber der Assistent soll auch Sehenswürdigkeiten, Albumcover und Prominente erkennen können. Klingt praktisch. Wie gut das aber unter realen Bedingungen funktioniert, konnte ich nicht testen. Immerhin: Im Hands-on habe ich kurz das Smartphone auf meine Kamera gerichtet, woraufhin der Assistent sie korrekt als Canon DLSR erkannte – ohne genaue Modellnummer.

So könnten die Cases aussehen.

Für viele Nutzer wird jedoch vor allem die fehlende Klinke bei Google Pixel 2 ein Ausschlusskriterium sein. Ich selbst verwende schon lange Bluetooth-Kopfhörer und sehe das Weglassen des Eingangs als Fortschritt an, ich verstehe aber auch die andere Seite: Meine billigen Ersatz-In-Ears, die ich stets im Rucksack für den Fall dabei habe, dass der Akku meiner Bluetooth-Kopfhörer versagt, kann ich mit dem Pixel 2 auch einmotten.

Selfie unseres Redakteurs mit 11 und dem Monster aus Stranger Things. AR-Selfies sind mit dem neuen Pixel drin.

Enttäuschend wird für viele Google-Fans sein, dass das Pixel 2 keinen randlosen Bildschirm hat. Bei all der sonstigen Eleganz des Smartphones bleibt nur ein neidischer Blick auf das iPhone X von Apple. Besonders auffällig ist das bei der regulären Version des Pixel 2 mit 12,7-Zentimeter-Bildschirmdiagonale. Die Vorderseite sieht exakt so aus wie beim Vorgänger – mit demselben dicken Rand an der Ober- und Unterseite. Erst beim XL 2 hat Google einen größeren Bildschirm eingebaut (15,2 Zentimeter). Legt man hier zum Vergleich den Vorgänger daneben, wird deutlich, wie viel mehr Bildschirm das Telefon bei gleicher Größe bekommen hat. Das ist aber nicht nur ein Vorteil: Im Hands-on war deutlich zu spüren, dass selbst ich mit meinen großen Händen den oberen Bildschirmrand nicht mehr erreichen kann.

Das neue Pixel von hinten.

Durch seine stärker abgerundeten Ecken liegt das neue Pixel gut in der Hand – egal ob normal oder XL. Was aber auffällt: Die Rückseite hat sich nicht nur optisch verändert. Sie fühlt sich leicht rau an und ist so rutschfester als der glatte Aluminiumkörper seines Vorgängers – der ist mir gerne aus der Hand geglitten.

Der erste Eindruck von der Kamera des Pixels war gut. Selbst im schlecht ausgeleuchteten Demobereich waren die Aufnahmen herausragend. Wie gut sie tatsächlich für ein Highend-Smartphone sind, wird wohl erst der Vergleich mit dem iPhone X zeigen. Neu ist ein Portrait-Modus, der den Hintergrund unscharf werden lässt. Ähnlich wie es ihn bereits für aktuelle iPhones und das Galaxy S8 gibt. Neu beim Pixel: Der Portrait-Modus funktioniert sogar über die Selfie-Kamera.

Eine überraschende Funktion der Kamera sind die Augmented-Reality-Emojis. Das sind 3D-Animationen, die während der Aufnahme live in Fotos platziert werden können. In der Demo wurde das anhand des Demagorgon aus der Serie Stranger Things gezeigt (siehe Fotos). Zum Launch soll es auch Charaktere aus Star Wars geben. Die Funktion erinnert stark an Pokémon Go – ist technisch nur viel ausgereifter. Ich kann selbst bestimmen, wo im Raum die Monster stehen und in welche Richtung sie schauen sollen. Die Kamera erkennt dabei automatisch die Grenzen des Raums und die Möbel in ihm. So kann der Demagorgon dann auch beispielsweise auf dem Sofa oder einem Tisch platziert werden. Im Hands-on machte das Spaß. Vermutlich klingt die Begeisterung dafür aber ähnlich schnell ab wie für die für AR-Monster im Sommer 2016.

Das Pixel 2 macht einen guten Eindruck. Und hat durch seinen Assistenten auch einige spannende Funktionen, die seine Konkurrenten nicht haben. Aber es ist im Vergleich zum Vorgänger trotzdem nur ein kleines Update. Vielleicht sogar ein enttäuschendes, wenn man den Preis des Telefons bedenkt. (799 Euro für das Pixel 2 und 949 Euro für das Pixel 2 XL.) Für diese Summe würde ich mir ein kompromissloseres Smartphone wünschen. Während das erste Pixel dies 2016 noch leisten konnte, sieht es mit seinem Nachfolger jetzt anders aus. Es hat sich viel getan bei der Konkurrenz – ob ein Assistent mit Künstlicher Intelligenz das aufwiegen kann? Vermutlich nicht.

Update 6.10.17: In einer früheren Version heiß es, dass Google Pixel 2 sei nicht wasserdicht. Dies wurde korrigiert.