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Nokia will mit seinem neuen Smartphone das Selfie revolutionieren

David Pierce 18.08.2017 Lesezeit 3 Min

Nokia bringt sein erstes Oberklasse-Smartphone auf den Markt. Das Besondere: Nach dem Selfie will es den nächsten Foto-Trend etablieren. Das „Bothie“ benutzt Front- und Rückkamera gleichzeitig.

Es ist soweit: Das Selfie hat ausgedient. Der neueste Fototrend soll das Bothie werden – zumindest wenn es nach Nokia geht. Es ist ein Hybrid aus einem Selfie und einem normalen Foto (oder „Youie“ wie es konsequenterweise heißen müsste). Es ist im Grunde ein zusammengesetztes Foto aus der Front- und Rückkamera, das den Fotografen selbst und sein Motiv zeigt – ein Bothie eben.

Zurzeit erscheint es vielleicht noch als verrückte Idee, als etwas, das man mit einem spottenden Lächeln abtun kann. Aber wenn die Geschichte eines lehrt, dann, dass eine verrückte Idee die Welt schnell im Sturm erobern kann, wenn man gerade nicht hinguckt.

Den ersten Schritt in diese Richtung macht das Bothie-Phone, das eigentlich das Nokia 8 ist. Es ist das erste Flagship-Smartphone des finnischen Unternehmens HMD Global, dem die Marke Nokia gehört. Das Nokia 8 hat neben seinen Bothie-Qualitäten alles, was ein modernes Smartphone braucht: 4 GB RAM, 64 GB Speicher, einen nagelneuen Prozessor, 5,3-Zoll Bildschirmdiagonale und ein Android-Betriebssystem. Es ist allerdings nicht wasserdicht und ist auch nicht fast randlos wie die neuesten Telefone von Apple und Samsung. Dafür hat es Nokia-typische Design-Elemente: Es ist ein schlichtes, schmales, sanft abgerundetes Gerät, das in vielen verschiedenen Farbe angeboten wird, wie etwa blau und kupfer. Es hat im Grunde alles, was ein gutes Smartphone haben sollte.

Den Unterschied macht die Bothie-Funktion. Zumindest hofft das HMD Global. Das Unternehmen hat bei der Kamera wieder mit dem langjährigen Hersteller Carl Zeiss zusammengearbeitet und ein Telefon für die Instagrammer und YouTuber dieser Welt gebaut. Das Smartphone hat drei Kameras: zwei 13-Megapixel-Sensoren auf der Rückseite, eine Kamera in Farbe, die andere in Monochrom, sowie eine dritte 13 MP-Kamera auf der Vorderseite. Die Lautsprecher wurden zudem für 360-Grad-Sound optimiert. Öffnet man die Kamera-App lässt sich der duale Kameramodus aktivieren, der die Vorder- und Rückansicht als Foto speichert oder ein Video livestreamt. Zuschauer sehen dann einen Split-Screen in ihren YouTube- oder Facebook-Live-Feeds.

Die Verschmelzung mehrerer Kameras ist nicht neu. Die App Frontback erreicht einen ähnlichen Effekt, der allerdings mehrere manuelle Schritte benötigt. Mit Samsung konnten Nutzer ein Selfie automatisch in einen virtuellen Fotorahmen einfügen. Außerdem könnte man argumentieren, dass 360-Grad-Fotos erweiterte Bothies sind (Everythingies?). Das Bothie macht es in gewisser Weise möglich, selbst Teil des Motivs zu sein, ohne es zu stören. Und da der Bothie-Knopf prominent in der App platziert ist, hofft HMD, dass ihn Besitzer bald ganz selbstverständlich benutzen.

Das Nokia 8 wird in Europa ab September für 599 Euro zu haben sein und reiht sich damit fast in die Riege der Oberklasse-Smartphones ein. Es ist ziemlich viel Druck, der auf der Kamera als einziger Besonderheit lastet. Und sollte sich das Bothie als Hit herausstellen, können andere Hersteller das Feature schnell kopieren. Es ist trotzdem die schlauere Entscheidung, die Kamera hervorzuheben. Immerhin ist sie zum wichtigsten Werkzeug in der Ära der Instagrammer und Snapchater geworden. Es scheint sogar der größte Markt von allen zu sein.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
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