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Noise-Cancelling-Kopfhörer im Test: Was kann der Bose QuietComfort 35?

Leonie Czycykowski 01.07.2016 Lesezeit 6 Min

Wer in den Genuss des Noise-Cancellings von Bose kommen wollte, musste sich bisher mit einem kabelgebundenen Kopfhörer begnügen. Nun ist diese Technologie auch in einem Bluetooth-Kopfhörer der Kultmarke verbaut worden. Lohnt sich der Umstieg? WIRED hat den QuietComfort 35 getestet.

Besonders unter Vielreisenden ist der kabelgebundene Bose-Kopfhörer QuietComfort 25 nach wie vor sehr beliebt. Aber nicht zuletzt dank der Spekulationen um ein iPhone 7 ohne Klinkenbuchse wächst der Markt für kabellose Modelle. Musste früher bei Bluetooth-Verbindungen mit schlechterer Klangqualität gerechnet werden, ist diese inzwischen bei guten kabellosen Kopfhörern absolut vergleichbar. Und nun rüstet Bose also mit dem QuietComfort 35 nach. Das Besondere: Er ist der erste Bluetooth-Kopfhörer mit der Noise-Cancelling-Technologie von Bose.


Brauche ich überhaupt Noise Cancelling?
Zunächst ist es wichtig, die grundlegende Funktionsweise der Geräuschunterdrückung zu verstehen: Wer hofft, dass die Umwelt zu 100 Prozent ausgeblendet wird, könnte enttäuscht werden. Mikrofone an der Außenseite der Ohrhörer nehmen die Frequenzen der Umgebungsgeräusche auf, damit dann ein Gegensignal produziert werden kann, das die entsprechenden Frequenzen praktisch auf Null bringt und somit für euer Ohr ausblendet.

Das funktioniert besonders dann gut, wenn die Geräuschkulisse konstant ist, also beispielsweise das Rauschen eines Zuges oder das Brummen im Flugzeug unterdrückt werden soll. Einzelne Peaks wie sprechende Menschen in eurem Umfeld hingegen werden zwar deutlich gedämpft, sind aber teilweise immer noch wahrnehmbar. Dennoch fühlt man sich der Musik deutlich näher, wenn das Grundrauschen, das wir alle zwangsläufig ständig hören, plötzlich verschwindet.

Ausstattung
Der QuietComfort 35 kann sowohl per Kabel, als auch über Bluetooth oder NFC gekoppelt werden. Wirklich praktisch ist die Möglichkeit, mit zwei Geräten gleichzeitig über Bluetooth verbunden zu sein. So kann man zum Beispiel flüssig zwischen Rechner und Smartphone hin- und herschalten, etwa vom Musikhören zum Telefonieren.


Der Bose QuietComfort 35 wird mit einem stabilen Transportetui geliefert

Die Geräuschunterdrückung benötigt allerdings immer eine aktive Stromzufuhr. Beim Bose QuietComfort 25 erhielt sie diese über eine AAA-Batterie, die man einlegen musste. Der Vorteil: Man konnte müde gewordene Akkus einfach selbst austauschen. Der Nachteil: Man musste Batterien mit sich herumschleppen. Der QuietComfort 35 kommt mit eingebautem Lithium-Ionen-Akku, der per USB geladen wird. Ich persönlich finde das im Alltag ausgesprochen praktisch, denn die Chance, dass ich einen USB-Anschluss finde, ist deutlich höher, als dass ich Batterien zur Hand habe. Daraus ergibt sich aber auch der Nachteil, dass der Akku nicht mehr selbst gewechselt werden kann.

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Bose beziffert die Akkulaufzeit auf 20 Stunden im kabellosen Betrieb und 40 Stunden bei kabelgebundener Verwendung. Die angegebene Zeit erreichten wir im Test problemlos, allerdings war manchmal auch einfach nur die Geräuschunterdrückung eingeschaltet, ohne dass Musik dazu lief. Die Ladezeit betrug nicht einmal zwei Stunden bei vollständig entladenem Akku.

Reichweite
Die Ohrpolster des QuietComfort 35 sind mit Kunstleder überzogen. Mit 310 Gramm ist der Kopfhörer angenehm leicht. Ein großer Pluspunkt bei Bose-Kopfhörern ist die Möglichkeit, die Ohrpolster auszutauschen. Zur Zeit ist das Zubehör für den QC35 auf der Website von Bose noch nicht zu finden, aber für den QC25 gibt es Ersatzohrpolster, so dass man davon ausgehen kann, dass diese Option bald auch für den QC35 bestehen wird. Mit 34,95 Euro sind die Polster des QC25 kein Schnäppchen – aber wer Bose-Kopfhörer kauft, erwartet das vermutlich auch nicht.


Mikrofone an der Außenseite nehmen die Umgebungsgeräusche auf, um sie dann für die Geräuschunterdrückung herausfiltern zu können.

Grundsätzlich sitzt der QC35 angenehm um die Ohren, allerdings ist schon die kleinstmögliche Bügeleinstellung relativ großzügig bemessen. Wer einen kleinen Kopf hat, sollte die Passform vor dem Kauf ausprobieren. Hier hätte man von Herstellerseite vielleicht ein bisschen mehr Spielraum nach unten bedenken sollen.

Klang
Die QC35 liefern grundsätzlich ein ausgewogenes Klangbild, das allerdings etwas großzügig mit Mitten bedacht wurde. Das macht bei besonders „luftigen“ Arrangements kaum etwas aus: Minimalistisches von Massive Attack, Ólafur Arnalds oder Chilly Gonzales mit Streichquartett klingen angenehm ausbalanciert – so wie überhaupt alles im Bereich Pop/Singer/Songwriter.

Legt man sich hingegen eine hübsche Sinfonie auf, wirkt das Klangbild schon eher gequetscht. Der finale Satz aus Dvořáks 9. gerät da schon zu einem ziemlichen Brei. Ähnliches stellte sich beim Hören von rockigeren Nummern ein, in diesem Fall von Muse. Die Frequenzbereiche sind einfach zu mittenlastig – brillante Höhen sind wenig vorhanden, die Bässe hingegen sind definitiv da, wirken aber gedämpft.


Die QC35 sind Over-Ear-Kopfhörer, umschließen also das komplette Ohr.

Das Ergebnis: Der Klang wird muffig. Gerade im direkten Vergleich mit anderen Kopfhörern wird dieser Effekt deutlich. Die kabelgebundenen Bose QuietComfort 25 klingen immerhin schon etwas offener, aber beim Aufsetzen meines bisherigen Lieblings, dem B&W P5 Wireless, zieht sich das Klangbild plötzlich so richtig auseinander, die Stimmen wirken viel differenzierter – und man merkt, wie komprimiert sich die QC35 zuvor anhörten.

Bei einem 400-Euro-Kopfhörer überrascht das ein wenig. Natürlich liegt der Fokus der Bose QC-Serie ganz klar auf der Geräuschunterdrückung und gerade für Vielreisende wiegt diese – wirklich sehr gut funktionierende – Technik die ein oder andere Einbuße im Klang auf. Auch für die Arbeit im Großraumbüro ist das Noise Cancelling eine Wohltat (manchmal höre ich gar keine Musik, sondern habe einfach nur das NoiseCancelling aktiviert). Für HiFi-Liebhaber könnte der Klang der QC35 aber enttäuschend sein. Wenn das Klangbild für euch sehr wichtig ist, solltet ihr unbedingt verschiedene Kopfhörern mit eurer Lieblingsmusik testen.


Headset-Nutzung
Natürlich könnt ihr die QC35 auch als Headset zum Telefonieren nutzen. Das funktioniert sogar ausgesprochen gut und zwar für beide Seiten. Der Tonempfang mit dem QC35 ist wunderbar und auch der Anrufer erhält einen klaren Ton ohne lästige Umgebungsgeräusche. Die Headset-Funktion hat uns daher vollkommen überzeugt.


Die Ohrpolster der QuietComfort-Reihe lassen sich problemlos austauschen.

Als kleine Zugabe liefert Bose übrigens noch die App Bose Connect (iOS und Android) mit, die das Verwalten des QC35 vereinfachen soll. Mit ihr könnt ihr die gespeicherten Geräte anpassen, die Sprachausgabe des Kopfhörers verändern und bestimmen, wann sich der QC35 automatisch abschalten soll.

Fazit
Der Bose QuietComfort 35 ist vor allem für Dauerreisende, Pendler und Menschen, die in einem lauten Umfeld arbeiten, dank der Noise-Cancelling-Technik eine Überlegung wert. Ob ihr die Kabellosigkeit bevorzugt oder mit einer Strippe leben könnt, macht am Ende einen Preisunterschied von etwa 50 Euro aus. Die Investition in den neueren QC35 lohnt sich da absolut. Könnt ihr auf Geräuschunterdrückung hingegen verzichten, lohnt es sich, klanglich auch mal einen Blick auf andere High-End-Modelle zu werfen.