/Gadgets

Die besten High-End-Kopfhörer für den HiFi-Nerd in euch

Leonie Czycykowski 23.03.2017

Wer viel Geld in die Hand nimmt, um einen Top-Kopfhörer zu kaufen, sollte vor allem darauf achten, dass dieser die individuellen Bedürfnisse erfüllen kann. Wir stellen vier besonders hochwertige In- und Over-Ear-Modelle mit ihren Stärken und Schwächen vor — von der Consumer-Klasse bis zum professionellen Equipment.

Für Kopfhörer kann man problemlos viel Geld ausgeben. Dabei ist die entscheidende Frage aber nicht, ob die Qualität des Produkts grundsätzlich stimmt (das ist in der Hochpreis-Kategorie meistens der Fall), sondern ob der Kopfhörer für die eigenen Bedürfnisse passend ist. Dabei solltet ihr euch Fragen stellen wie: Ist mir mobile Nutzung wichtig oder will ich an der heimischen Anlage hören? Bin ich Klassik-Fan oder Rocker? Brauche ich die Kopfhörer als Vielreisende oder bin ich eher der Stubenhocker? Bevorzuge ich Over-Ear- oder In-Ear-Bauweise? Diese vier Modelle haben das Potenzial, euren inneren HiFi-Nerd glücklich zu machen.

Bowers & Wilkins P9 Signature

Braunes Saffiano-Leder und mattes Aluminium lassen den Bowers & Wilkins P9 Signature edel wirken 

Lange Zeit war der P7 das Flaggschiff von B&W. Mit dem P9 Signature ist inzwischen ein Jubiläumsmodell zum 50. Geburtstag des Herstellers auf dem Markt, das vor allem mit seinem Design auffällt. Braunes Saffiano-Leder und das matte Aluminium des Bügels lassen den P9 sehr edel wirken. Gleichzeitig ist er deutlich massiver und breiter als der P7. Mit seinem dezenten Schwarz war der P7 auch äußerlich der dezentere Begleiter. Der P9 hingegen kann auf kleineren Köpfen schon mal etwas überdimensioniert wirken. Trotz der ordentlichen gut 400 Gramm Gewicht sitzt er aber angenehm und bequem auf dem Kopf. Die starke Polsterung des Bügels ist dabei sicher hilfreich.

Der P9 ist, wie schon der P7 Wireless, faltbar und ohrumschließend gebaut, so dass er für unterwegs geeignet ist. Klein ist er allerdings auch in gefalteter Weise wirklich nicht. Einen solchen Kopfhörer steckt man sich nicht auf Verdacht in die Tasche, um unterwegs spontan Musik hören zu können. Die einseitige Kabelführung ist angenehm und das Kabel lässt sich austauschen, wie auch die Ohrmuscheln. Ersatzkabel in verschiedenen Längen gehören zum Lieferumfang, ein prima Service!

Der Bowers & Wilkins P9 Signature ist faltbar, aber trotzdem nicht gerade handlich

Der Klang soll durch eine schräge Ausrichtung der Treiber ein besonders natürliches Hörerlebnis bieten. Tatsächlich wirkt Musik über den P9 sehr direkt, was uns gut gefiel. Nach 40 Stunden Einspielzeit wirkten unsere ersten Tests mit Pop- und Rockmusik vielversprechend. Der P9 kann die Kompaktheit dieser Produktionen gut transportieren und entwickelt eine gute Körperlichkeit, auch wenn uns hier und da ein wenig der Bass fehlte. Als wir dann auf klassische und akustische Musik wie etwa Shostakovichs Cellokonzert oder Chilly Gonzales mit Streichquartett umschwenkten, trübte sich der Eindruck: Der Klang wirkte plötzlich etwas muffig.

Die Räumlichkeit und Luftigkeit war für unser Empfinden geringer als beim P7, was nicht zuletzt aufgrund des Preisunterschieds überrascht. Dieser Effekt macht sich besonders bei Produktionen mit wenig Instrumenten bemerkbar. Hier gefiel uns das Klangbild des P7 besser, so dass wir euch empfehlen würden, beide Modelle im Vergleich auszutesten.

Wer sich musikalisch eher im rockigen Bereich bewegt, wird mit der Durchsetzungsstärke des P9 besonders in lauterer Umgebung zufrieden sein. Und auch wenn Aussehen letztlich Geschmackssache ist: Das Design ist B&W einfach richtig gut gelungen. Wer auf diesen Aspekt wert legt, sollte den P9 also definitiv mal probetragen.

– 899 Euro

Sennheiser HD 800S

Gewöhnungsbedürftige Tech-Optik: der Sennheiser HD 800S

Sind B&W-Kopfhörer trotz ihres Preises immer noch für die alltägliche Nutzung unterwegs und in Verbindung mit mobilen Endgeräten gedacht, richtet sich der HD 800S von Sennheiser klar an Heim-Audiophile und professionelle Produzenten. Das wird spätestens dann klar, wenn man die Verpackung öffnet und feststellt, dass das Kabel des HD 800S über eine 6,3mm-Klinke verfügt. Mobiltelefone und Rechner arbeiten mit den kleineren 3,5mm-Klinkenanschlüssen. Im Musikbereich, zum Beispiel bei Instrumentenkabeln, ist hingegen der größere Stecker Standard.

Einen mitgelieferten Adapter sucht man leider vergeblich – ein Service, den wir bei diesem Preis allerdings erwartet hätten. Dafür gibt es ein Zusatzkabel mit XLR4-Anschluss, wie er in Tonstudios und an Verstärkern genutzt wird. Das recht schwere Stoffkabel hat eine stolze Länge von drei Metern, was für Bewegungsfreiheit im Raum sorgt, aber auch noch mal zeigt, dass dieser Kopfhörer definitiv nicht für unterwegs gedacht ist.

Die 6,3 mm Klinke des Sennheiser HD 800S ist nicht mit Mobiltelefonen und Rechnern kompatibel 

Das Design des Sennheiser HD 800S ist durchaus gewöhnungsbedürftig und macht einen sehr technischen Eindruck. Die Ohrmuscheln sind mit Mikrofasergewebe bezogen und schlicht riesig. Sie legen sich dadurch jedoch sehr angenehm um jede Form von Ohr. Trotz eines Gewichts von 330 Gramm wirkt der HD 800S auf dem Kopf sehr leicht und übt wenig Druck aus. Obwohl es sich um einen Over-Ear-Kopfhörer handelt, ist der HD 800S ein offener Kopfhörer – eure Umgebung hört also mit.

Der Klang ist sehr ausdifferenziert mit klaren Höhen, vergleichsweise wenig Mitten und angenehmen Bässen. Man hat geradezu das Gefühl, der Sound zerlege sich vor einem beim Hören. Der Orchesterklang in Dvořáks 9. Sinfonie breitet sich in allen Einzelheiten vor dem Ohr aus, Kammermusik wirkt schön rund und auch bei elektronischer Musik macht der HD 800S einen wirklich tollen Job. Durch die eher schwach ausgeprägten Mitten verliert er aber auch etwas an Druck, was sich besonders im Pop- und Rockbereich bemerkbar macht. Überproduzierter Pop wird mit diesem Kopfhörer wirklich schwer erträglich – vor allem, weil man dann mal hört, wie schrecklich es da eigentlich rauscht und brummt.

Der Sennheiser HD 800S ist kein Consumer-Produkt und auch kein Kopfhörer für unterwegs. Er ist ein Top-Modell für Audiophile und alle, die mit Tontechnik arbeiten. Entsprechend fällt auch der Preis aus. 

– 1599 Euro

Beyerdynamic Xelento Remote

Unauffällige Gestaltung: der Beyerdynamic Xelento Remote 

Nicht jeder Musikliebhaber kann sich mit Over-Ear-Kopfhörern anfreunden: zu groß, zu unhandlich, zerstören die Frisur, halten keinen Regen aus… In-Ears können da praktische Vorteile bieten. Während sich der Sennheiser HD 800S oder der P9 von Bowers&Wilkins an ein klares Nutzersegment richtet – Konsument beziehungsweise Profi – versucht sich Beyerdynamic mit den Xelento Remote am Spagat zwischen beiden Polen. Geeignet für die mobile Nutzung, aber gleichzeitig den Anspruch professioneller Nutzer erfüllend soll das In-Ear-Modell sein.

Und, soviel sei vorweg schon gesagt: Die Xelento Remote überzeugen auf ganzer Linie! Äußerlich unauffällig gestaltet, verläuft die Kabelführung über dem Ohr. Musiker, die auf der Bühne mit In-Ear-Monitoring arbeiten, werden das Prinzip kennen. Das verringert den Zug auf dem Ohr und stabilisiert den Sitz der Ohrhörer. Wählt man das mitgelieferte Kabel mit Fernbedienung, rutscht diese dabei jedoch in den Nacken und wird damit praktisch unbrauchbar, sobald das Kabel mit dem Clip hinten zusammengezogen wird. Verzichtet man auf das Zusammenziehen, macht sich das Kabel wiederum hinter den Ohren selbstständig. Hier zeigt sich wohl ein wenig die Krux daran, alles unter einen Hut bringen zu wollen.

Die Fernbedienung der Xelento Remote rutscht leider in den Nacken, wenn man das Kabel zusammenzieht

Die Hörer sitzen fest aber angenehm im Ohr, sind als In-Ears mit nur sieben Gramm extrem leicht und bieten die Möglichkeit, das Kabel auszutauschen. Das ist Fluch und Segen zugleich, den so schön (und bei dem Preis angemessen) es ist, bei Kabelbruch nicht gleich den ganzen Kopfhörer wegschmeißen zu müssen – es ist auch der einzige Kritikpunkt, den wir im Test ausmachen konnten. Die Steckverbindungen neigen leider zu Wackelkontakten. Auch das ist bei Musiker-In-Ears ein ewiger Diskussionspunkt: feste Verbindungen können nicht ausleiern, erhöhen aber das Risiko eines nicht-reparablen Bruchs. Wechselbare Verbindungen bieten Flexibilität, können aber auch dazu führen, dass man diese häufig ausnutzen muss. Ein kaum zu lösendes Dilemma, in unserem Test aber ein nerviges Detail.

Positiv hervorzuheben ist der Lieferumfang mit einem Ersatzkabel ohne Fernbedienung und sage und schreibe zehn (!) verschiedenen Ohrpassstücken. Wer da keinen passenden Aufsatz findet, dem ist zumindest mit In-Ears wohl nicht mehr zu helfen.

Klanglich haben uns die Xelento Remote schlichtweg begeistert: sehr offener, ausdifferenzierter, neutraler Klang und eine fantastische Räumlichkeit. Besonders bei Akustikmusik und Electro spielt der Xelento Remote seine Fähigkeiten voll aus: Ob das Klacken des Pedals auf Live-Aufnahmen von Nils Frahm, das Pickinggeräusch des Gitarrenduos Rodrigo y Gabriela oder das Kratzen des Cellobogens im Titelstück zu Jon Lords Album Pictured Within – die Klangdurchlässigkeit der Xelento Remote ist einfach bemerkenswert! Die Bässe sind angenehm und der Gesamtsound macht einen runden und ausbalancierten Eindruck. Die Beyerdynamic Xelento Remote gehören damit definitiv zu den besten Kopfhörern, die wir bisher getestet haben.

– 999 Euro. 

Bose QuietControl 30

Der Bose QuietControl 30 ist der erste In-Ear-Kopfhörer mit individuell anpassbarer Geräuschunterdrückung

Wer Bose kauft, hat dabei meist die hervorragende Geräuschunterdrückung im Hinterkopf, für die die Kopfhörer der Firma schon lange stehen. Mit dem QC30 sind nun erstmals In-Ear-Kopfhörer mit individuell anpassbarer Geräuschunterdrückung auf dem Markt (ein Feature, das die QC20 nicht bieten). Per App und Steuerung am Kopfhörer könnt ihr die Stärke des Noise Cancellings jederzeit verändern. Eine prima Idee fanden wir, schließlich möchte man auf dem Fahrrad vielleicht mehr von seiner Umgebung mitbekommen als in der Bahn oder im Büro.

Das Feature funktionierte im Test einwandfrei: Einfach den Knopf betätigen und die Stärke der Geräuschunterdrückung passt sich fließend an. Wer von den QC30 allerdings das gleiche Level an Geräuschunterdrückung erwartet, das die Over-Ears QuietComfort 35 liefern, wird unter Umständen enttäuscht sein. Die QC30 sind auch bei voll aufgedrehter Unterdrückung etwas schwächer.

Die Bose QuietControl 30 sind die bequemsten In-Ears, die wir je getragen haben

Eine weitere unangenehme Überraschung beim Test: Windgeräusche wurden extrem stark aufgenommen und im Ohr verstärkt. Auch das Schließen der S-Bahn-Tür verursachte jedes Mal eine Übersteuerung, die zu einem unangenehmen Knallen auf den Ohren führte. Ein Effekt, der im Test mit den QC35 nicht auftrat, und der bei einem Preis von fast 300 Euro auch beim QuietControl 30 nicht vorhanden sein sollte.

In Punkto Komfort punkten die QC30 dann wieder auf voller Linie: Sie sind die bequemsten In-Ears, die wir je getragen haben. Durch ihre Silikonflügel sitzen die Ohreinsätze sicher und drücken auch nach Stunden nicht. Das Material macht die QC30 schweißresistent, allerdings auch extrem staubanfällig, was gelegentlich störte. Nutzt man das mitgelieferte Transportetui kann man hoffen, diesen Effekt zu reduzieren. Der Nackenbügel ist sicherlich eine Geschmacks- und Gewohnheitsfrage, reduziert aber den Zug auf den In-Ears, was angenehm ist. Im Winter, mit Schal und dickem Kragen ausgestattet, empfanden wir ihn teilweise als störend, auch wenn er relativ flexibel ist. Er ist allerdings nötig, um die Technologie für die Geräuschunterdrückung unterbringen zu können. In Konsequenz lassen sich die Kopfhörer dadurch nicht klein zusammenrollen.

Klanglich bestätigte sich der Eindruck, den schon die QC35 seinerzeit machten: Es klingt alles etwas muffig, als läge eine Decke über der Musik. Insgesamt ist der Klang der QC30 durchaus ausgewogen, wobei die Höhen teilweise ein wenig flach sind. Besonders bei kompakt produzierter Pop- und Rockmusik wie Muse oder Bruno Mars entwickeln die QC30 guten Druck. Auch als Headset verrichten die Kopfhörer einen prima Dienst. Die Stimmen kommen klar und deutlich durch, die Verbindung war stabil. Ein besonders für Büroarbeiter praktisches Feature ist die Möglichkeit, den QC30 mit zwei verschiedenen Quellen gleichzeitig zu verbinden. Da hat mal jemand mitgedacht!

Das Ausblenden der Büroumgebung war dann auch unser liebster Einsatzzweck für die QC30 – dafür genügt die Geräuschunterdrückung völlig, es gibt keine äußeren Einflüsse, die zu Übersteuerung führen, und der Sitz ist auch nach stundenlangem Tragen noch angenehm. Die QC30 bieten allerdings keine Möglichkeit zur kabelgebundenen Nutzung. Sollte euch diese Möglichkeit wichtig sein (zum Beispiel, weil ihr sie im Flugzeug an das Audiosystem anschließen wollt), solltet ihr euch eher die QC35 anschauen.

– 299,95 Euro

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden