/Gadgets

Insta360 Air im Test: Leider die beste 360-Grad-Kamera auf dem Markt

Dominik Schönleben 13.06.2017

Die Insta360 Air macht keine besonders guten Aufnahmen. Die Stärke der 360-Grad-Kamera liegt im Teilen von Bildern und Live-Videos auf sozialen Medien. Reicht das?

Mehr und mehr Unternehmen bieten eigene 360-Grad-Kameras an. Deren Aufnahmen sind oft noch ziemlich verpixelt und verwaschen, besonders bei schlechten Lichtverhältnissen oder ohne Stativ in der freien Hand haben die Geräte Probleme. Anders ist das auch bei der Insta360 Air nicht. Bei vielen technischen Details schneidet sie im Vergleich zur Konkurrenz sogar besonders schlecht ab. Trotzdem ist sie die bisher einzige 360-Grad-Kamera, die wir wirklich empfehlen würden.

Denn wofür macht man Fotos und Videos mit Rundumblick? Klar, für soziale Medien. Vor allem Facebook bevorzugt solche Beiträge, wenn es darum geht, ob sie Freunden oder Fans in der Timeline angezeigt werden. Aber auch auf anderen Plattformen wie YouTube und Twitter werden sie immer relevanter. Es ist also umso wichtiger, dass man seine Inhalte reibungslos dorthin übertragen kann. Leider versagen die meisten 360-Grad-Kameras hier.

Etwa die Theta S von Ricoh: Sie macht exzellente Fotos, doch wenn es darum geht, die Aufnahmen auf sozialen Medien zu verbreiten, enttäuscht sie auf ganzer Linie. Statt des Bilds wird einfach nur ein Link zur Fotoplattform des Herstellers geteilt. Und auch das Livestreaming funktioniert nur mit Einschränkungen. Ähnlich ist es bei der überarbeiteten Version der Gear 360 von Samsung (hier unser Test des Vorgängers). Wer kein Galaxy-Smartphone hat, muss auf viele Funktionen verzichten. Besonders ernüchternd: Obwohl die Kamera Teil der Facebook-Live-Initiative ist, sind öffentliche Livestreams übers Smartphone nicht möglich – man muss seine Freunde erst per E-Mail einladen.

Durch den mitgelieferten Adapter kann die InstaAir 360 auch an einen PC gesteckt werden

Bei den meisten derzeit erhältlichen 360-Grad-Kameras stoßen Nutzer immer wieder an unlogische Grenzen. Grund dafür ist vermutlich, dass viele Hersteller ihre Kunden an die eigene Plattform binden wollen. Eine ziemlich realitätsfremde Vorstellung, wenn alle Freunde und die ganze Familie auf Facebook, Twitter und YouTube unterwegs sind.

Vor diesem Hintergrund ist sie Insta360 Air die bisher einzige Kamera, die für uns reibungslos und ohne Enttäuschungen funktioniert. Egal auf welcher Plattform, egal ob Foto oder Live-Video, die Aufnahmen werden mit wenigen Klicks in der App direkt auf die richtige Plattform geschickt. Livestreams können bei Facebook sogar auf Fanseiten oder in Gruppen geteilt werden, nicht nur in der privaten Timeline – überraschenderweise keine Selbstverständlichkeit für Livestreaming-Apps.

Die Kamera ist eine etwa golfballgroße Kugel, die aufs Smartphone gesteckt wird. Zum Bedienen der zugehörigen App muss das Telefon auf den Kopf gestellt werden. Im ersten Moment ungewohnt, aber nicht wirklich ein Nachteil.

Die Insta360 Air kommt mit einer eigenen Gummihülle. So kann sie einfach in den Rucksack gepackt werden, ohne dass die zwei Linsen verkratzen. Weil die Kamera nur 60 Gramm wiegt, stellt sich auch selten die Frage, ob sie zu Hause bleiben muss.

Die Insa360 Air in ihrer Schutzhülle

Natürlich ist auch diese 360-Grad-Kamera nicht ohne Fehler. Die Aufnahmen sind okay, aber weit davon entfernt, wirklich gut zu sein. Bei schlechtem Licht ist das Ergebnis auch mal grobkörnig und verwaschen. Gibt es irgendwo eine starke Lichtquelle, erzeugt das einen weißen, überbelichteten Fleck auf dem Bild. Das ist nicht unproblematisch bei einem 360-Grad-Gerät, denn im Gegensatz zu einer regulären Kamera ist es unmöglich, mit der Sonne oder einem Fenster im Rücken zu fotografieren. Es ist immer alles zu sehen.

Die mittelmäßige Aufnahmequalität der Insta360 Air ist jedoch verschmerzbar. Solange sie die einzige Kamera ist, die beim Teilen der Inhalte keine Einschränkungen macht, bleibt sie unser Favorit. Denn was nützen einem die besten 360-Grad-Aufnahmen, wenn Freunde und Familie sie nie zu Gesicht bekommen?

Dieses 360-Grad-Video haben wir live von der Release-Party der neuen WIRED-Ausgabe gestreamt:

Für Leute, die eine professionelle Facebook-Seite betreuen und ein paar kurze Live-Videos machen wollen, ist die Insta360 Air eine gute Wahl. Vor allem, weil sie so unkompliziert ist: Es muss nicht mit zusätzlicher Software und dem PC hantiert werden, sondern es ist möglich, direkt mit dem Smartphone über die App live zu gehen. Nur ein zusätzliches Mikrofon, das ins Smartphone gesteckt wird, wäre zu empfehlen. Gute Erfahrungen haben wir beispielsweise mit dem Rode SmartLav+ gemacht.

Unsere Erwartungen an 360-Grad-Kameras erfüllte bisher nur die Insta360 Air: Fotografieren, Filmen und auf Social Media teilen müssen intuitiv und simpel bleiben. Ein Gadget, das das nicht bieten kann, bleibt immer nur die zweite Wahl.

WIRED: 360-Grad-Live-Videos direkt vom Smartphone / intuitive App / praktische Transporthülle
TIRED: nur mittelmäßige Aufnahmequalität

Preis: 149 Euro

(Die Insta360 Air gibt es auch für iOS, dann heißt sie Insta360 Nano. Wir haben nur die Android-Version getestet.)

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden