/Gadgets

IFA 2016 / Die Ghostdrone lässt sich per VR-Brille steuern

Dominik Schönleben 02.09.2016

Mit Ghostdrone 2.0 will EHANG eine Drohne für echte Anfänger auf den Markt bringen. Anstatt mit dem Controller wird das Fluggerät über das Neigen und Kippen des Smartphones gesteuert. Per mitgelieferter VR-Brille dann auch aus der Egoperspektive.

Viele Drohnen kommen mit wuchtigen Controllern, die Ghostdrone 2.0 nicht. Das solle unerfahrenen Drohnenpiloten helfen, sagt Derrick Xiong, Mitgründer des chinesischen Drohnen-Herstellers EHANG. Wer noch wenig Erfahrung habe, fühle sich oft eingeschüchtert durch ausladende Kontrollelemente. Seine auf der IFA vorgestellte Drohne sei deshalb anders: Hier wird das Smartphone zum Controller.

Zum Aufsteigen wird ein Regler auf dem Display nach oben geschoben, danach reagiert die Drohne auf die Bewegungen des Smartphones. Neigt es sich nach rechts, schert die Drohne in dieselbe Richtung aus, wird das Telefon nach vorne oder hinten gekippt, folgt die Drohne der Bewegung. Dreht sich der Pilot um die eigene Achse, richtet sich auch die Drohne entsprechend neu aus.

Im WIRED Hands-on auf der IFA 2016 war es zunächst schwer, die Drohne zu kontrollieren. Sie scherte bei der kleinsten Bewegung aus und flog unkontrolliert ins Netz des abgesteckten Flugbereichs. Aber schon nach wenigen Versuchen hatten wir den Bogen raus: Hat man sich daran gewöhnt, wie empfindlich die Drohne reagiert, dreht sie schnell relativ punktgenau ihre Runden.

Mit dieser AR-Brille lässt sich die Drohne steuern

Im knapp vier Quadratmeter großen Testbereich gerät die Drohne allerdings schnell an ihre Grenzen. Ihr volles Potenzial entfaltet sie erst bei einem Outdoor-Flug. Denn neben diesem manuellen Modus kann die Drohne auch automatisiert losgeschickt werden. Auf einer Google-Maps-Karte tippt der Pilot dann einfach auf die entsprechenden Koordinaten und die Drohne fliegt los. Diese Funktion konnte beim Hands-on in der Messehalle nicht getestet werden.

Neben ihrer besonderen Steuerung hat die Ghostdrone 2.0 ein weiteres ungewöhnliches Feature: Sie kann per AR-Brille aus der Egoperspektive gesteuert werden: „Wir wollen ein authentisches Gefühl des Fliegens erzeugen – wie bei einem Vogel“, sagt EHANG-Mitgründer Xiong über seine Drohne.

Im Hands-on zeigte sich schnell, dass das Headset der Ghostdrone 2.0 aber noch weit vom HD-Erlebnis einer VR-Brille entfernt ist. Die Bilder sind scharf, aber die Monitore vor den Augen relativ klein, weshalb kein echtes Virtual-Reality-Erlebnis aufkommt – man fühlt sich nicht, als sei man die Drohne, sondern als schaue man auf einen Bildschirm.

Was aber gut funktioniert: Sobald man den Kopf bewegt, schwenkt auch die Kamera der Drohne in die selbe Richtung, ohne dass sich das Fluggerät selbst bewegt. Dabei gibt es nur eine kleine Verzögerung. Die Funkverbindung zum Headset soll bis zu 1000 Meter weit reichen. Mit der integrierten Kamera können Videos in 4K aufgenommen werden.

Nach der IFA soll die Ghostdrone 2.0 auch in Europa regulär erhältlich sein. Ihr Preis liegt bei 989 Euro. Darin enthalten sind nicht nur Drohne und Headset, sondern auch ein eher ungewöhnliches Garantieversprechen: Sollte die Drohne im ersten Jahr durch einen Absturz kaputtgehen, will ihr Hersteller sie kostenlos ersetzen oder reparieren – egal wer Schuld am Unfall hatte.

EHANG will so Einsteigern die Angst davor nehmen, in eine teure Drohne zu investieren: „Den meisten Menschen fällt es zu Anfang schwer, eine Drohne zu steuern. Aber nach der ersten Woche lernen sie es“, sagt Xiong. In der Zeit danach gäbe es nur noch selten Unfälle. Der wichtigste Stolperstein für Drohneneinsteiger fällt so weg: Die Frustration, eine nagelneue Drohne geschrottet zu haben. 

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden