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The Headphone: Endlich kabellose In-Ears, die kein Fehlkauf sind

Dominik Schönleben 24.02.2017

Apple, Samsung, Motorola: Immer mehr Hersteller bringen In-Ears auf den Markt, bei denen die Ohrhörer nicht mehr durch Kabel verbunden sind. Doch leider war noch kein Modell richtig gut. Anders The Headphone vom deutschen Startup Bragi – die ersten kabellosen In-Ears, die sich lohnen.

Das deutsche Startup Bragi machte 2016, nach knapp zwei Jahren, endlich das Versprechen aus seiner Kickstarter-Kampagne wahr und brachte die weltweit ersten komplett kabellosen und smarten In-Ear-Kopfhörer auf den Markt. Eigentlich waren The Dash ganz gut – zumindest nach dem ersten Firmware-Update – aber leider auch völlig mit Zusatzfunktionen überladen. Darunter ein Herzfrequenz-Tracker, Touch-Control und integrierter Speicher für Musik. Das machte die Bedienung der Ohrhörer umständlich und sorgte zudem für einen sehr hohen Preis (299 Euro). Ärgerlich, vor allem, wenn man eigentlich nur In-Ears ohne Kabel wollte, ohne den ganzen restlichen Schnickschnack.

Doch mit The Dash hatte Bragi etwas losgetreten: Im Nachklapp brachten viele Unternehmen ihre eigenen kabellosen In-Ear-Alternativen auf den Markt. Darunter Samsungs Gear IconX, Motorolas VerveOne und zuletzt auch Apples AirPods. Doch keinem gelang es dabei, ein Produkt abzuliefern, das wirklich überzeugt. Bei den Geräten von Samsung und Motorola kam es zwischen den beiden Ohrhörern immer wieder zu Verbindungsabbrüchen oder seltsamen Halleffekten, wenn der Sound plötzlich leicht zeitversetzt abgespielt wurde. Probleme, die es so bei The Dash nicht gab.

Die besten Features von The Dash zu einem Preis, der knapp unter dem der Apple AirPods liegt

Verbindungsprobleme erlebten wir auch bei den AirPods nicht (weder auf iOS noch bei Android), dafür besitzen die In-Ears von Apple aber ein Design-Problem: Bei nur etwa einem Fünftel der Menschen sitzen sie gut im Ohr – Gummihüllen zum Nachjustieren gibt es nicht. Wer also zufällig dieselbe Ohrkanalgröße wie Apple-Designer Jonathan Ive besitzt, hat Glück. Alle anderen müssen mit dem unangenehmen Gefühl leben, dass ihnen die zahnbürstenkopfförmigen In-Ears vielleicht doch beim nächsten Spurt zur U-Bahn aus dem Ohr fallen.

Mit The Headphone gibt es jetzt eine Alternative, bei der immerhin so viel stimmt, dass kabellose In-Ears kein Fehlkauf mehr sind. Sie vereinen die besten Features von The Dash mit einem Preis (169 Euro), der knapp unter dem der Apple AirPods (179 Euro) liegt.

Das Case von The Headphone ist keine mobile Ladestation wie noch beim Vorgänger

Die Kopfhörer schmiegen sich gut ins Ohr und halten ohne Druck, auch beim Workout oder schnellen Bewegungen. Der Vorgänger The Dash konnte mit zusätzlichen Gummihüllen noch besser auf das eigene Ohr angepasst werden, daran wurde bei The Headphone leider gespart. Es macht sich schnell bemerkbar, dass die neuen In-Ears eben nur die Budget-Version des Originals sind. Das Plastik, aus dem sie gefertigt sind, wirkt billiger, was auch über die mitgelieferte Transportbox gesagt werden kann.

Nicht in allen Fällen muss es schlecht sein, wenn Funktionen des Vorgängers verschwinden. Viele Features von The Dash waren im Alltag dann doch nicht wirklich praktikabel, ein Beispiel ist die Touch-Steuerung. Sie wurde durch Knöpfe am rechten Ohrhörer ersetzt, was die Bedienung weitaus angenehmer macht.

Eine Funktion, die sich Bragi lieber auch noch hätte sparen können: die von The Dash bekannte Transparenz-Option. Durch langen Druck auf den Lautsprecherregler wird der Umgebungssound aufgenommen und direkt ins Ohr durchgeleitet. Der Ton ist dabei aber ziemlich verrauscht, was wirklich unangenehm fürs Gehör wird, wenn die Funktion länger als ein paar Sekunden aktiv ist. Wie schlecht die Außenmikrofone von The Headphones sind, wird nicht nur hier klar, sondern auch durch die Freisprech-Funktion. Bei Anrufen über die Kopfhörer ist die eigene Stimme ist für den Gesprächspartner nur schwer zu verstehen und ebenso verrauscht.

Die In-Ears schmiegen sich gut ins Ohr und sitzen dort auch angenehm fest

Die beste Funktion der AirPods besitzt auch The Headphone: Wird der rechte Knopf aus dem Ohr genommen, pausiert sofort die Musik. Wird er wieder reingesteckt, geht sie übergangslos weiter. Das ist in der Praxis weitaus nützlicher (und höflicher) als jegliche Transparenzfunktion.

Während wir bei The Dash als wichtigstes Feature noch die Wasserdichte hervorgehoben haben, gilt das für The Headphone nicht mehr. Sie sind nur noch wasserresistent, außerdem haben sie keinen internen Speicher für Musik mehr. Schwimmen ist also mit den günstigeren In-Ears von Bragi nicht möglich.

Nicht perfekt, aber die bisher besten kabellosen In-Ears

Die Akkulaufzeit von The Headphone ist mit nur sechs Stunden auch eher enttäuschend. Verglichen mit den fünf Stunden der Apple AirPods erscheint das zuerst als normal für kabellose In-Ears. Die AirPods können aber über ihr Case immer wieder aufgeladen werden – auch unterwegs – und haben so bis zu 24 Stunden Laufzeit. Anders ist das bei The Headphone: Die Transportbox ist keine mobile Ladestation, deshalb geht den In-Ears schnell der Storm aus. Reguläre Bluetooth-In-Ears mit Kabel schneiden in diesem Bereich noch weitaus besser ab: ganze 18 Stunden Laufzeit haben etwa die Backbeat Go 3 von Plantronics, die wir zuletzt empfohlen haben.

Wenn auch nicht perfekt, sind The Headphone von Bragi die besten kabellosen Bluetooth-In-Ears, die wir bisher getestet haben. Vor allem deshalb, weil die Konkurrenz bisher eben nur mittelmäßig ist. Der Sound von The Headphone ist angenehm und man weiß schnell zu schätzen, wie schön es ist, ohne jegliche Kabel die völlige Bewegungsfreiheit zu haben. Wer schon länger überlegt, vielleicht doch auf komplett kabellos umzusteigen, findet hier ein Produkt, bei dem nachher keine Reue aufkommt, nicht doch noch eine Generation gewartet zu haben. The Headphone zeigt, dass In-Ears ohne Kabel sich bereits lohnen, auch wenn sie vielleicht noch nicht ausgereift sind.

WIRED: endlich kabellose In-Ears, die keine Enttäuschung sind
TIRED: verrauschte Transparenzfunktion / kurze Akkulaufzeit / nicht wasserdicht

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