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Grover ist das Spotify für Unterhaltungselektronik

Georg Räth, Gründerszene 10.05.2017

Nicht kaufen, sondern mieten. Das ist das Modell von Grover. Über das Startup können Kunden neue Tech-Hardware wie Smartphones testen. Bezahlt wird pro Monat. Gründer Michael Cassau erklärt das Konzept im Interview.

Wer ein neues iPhone haben will, muss entweder tief in die Tasche greifen – oder ein Mietangebot für Konsumgüter nutzen. Grover hat einen solchen Service entwickelt. Über die Webseite können Konsumenten ihre Ausgaben reduzieren, da sie nur solange für ein Gerät zahlen, wie sie es tatsächlich nutzen.

Michael Cassau ist Gründer und Geschäftsführer des Startups, hinter dem die ByeBuy Global Operations GmbH aus Berlin steht. Die Firma vermietet derzeit 400 verschiedene Konsumgüter – von Smartphones, über Tablets bis hin zu VR-Brillen. Durchschnittlich sollen die Nutzer dafür 55 Euro im Monat ausgeben. Um einen Abo-Service handelt es dabei allerdings nicht. Wer den Service nicht mehr nutzen möchte, zahlt auch nichts.

Cassau arbeitete zuvor für die Investmentbank Goldman Sachs und bei Rocket Internet. Dort baute er unter anderem den Einlagerungsservice SpaceWays mit auf.

Es ist daher nicht komplett überraschend, dass Rocket Internet an Grover beteiligt ist. Das Samwer-Unternehmen investierte Ende 2015 gemeinsam mit weiteren Geldgebern in den Mietservice. Jetzt schießt die Berliner Firmenschmiede weiteres Kapital nach, in einer von der Klingel-Gruppe angeführten Finanzierungsrunde im siebenstelligen Bereich. Insgesamt soll Grover damit seit dem Start acht Millionen Euro eingenommen haben. Der Gründer im Gespräch.

Michael, warum vermietest Du Konsumgüter?
Um einen Nutzen aus Dingen zu ziehen, brauchen Menschen erst mal einen Zugang zu ihnen. Aber für physische Produkte gibt es eigentlich nur den Kauf oder die Finanzierung. Um Spaß an einem Produkt zu haben, muss man es also immer komplett erwerben. Wir wollen das freier und flexibler machen, so wie wir es beispielsweise vom Musikstreaming mit Spotify kennen.

Wollen Menschen nicht viel lieber Dinge besitzen und nicht nur mieten?
Ich glaube, dass es den Menschen egal ist, ob sie beispielsweise ein iPhone besitzen. Wichtig ist ihnen, dass sie es nutzen können. Es geht darum, etwas neues austesten zu können. Und der Konsument zahlt nur solange, wie er ein Produkt als nützlich erachtet. Wenn dann das Produkt normalerweise in der Schublade verstauben würde, kann man es an uns zurückschicken, zahlt nicht weiter dafür und kann für den Betrag etwas anderes bei uns bekommen.

Michael Cassau ist Gründer und Geschäftsführer von Grover

Geben Nutzer bei Euch weniger Geld für die Miete aus, als wenn sie die Geräte kaufen würden?
Wir haben viele Kunden, die beispielsweise die neue Virtual-Reality-Brille von Oculus Rift ausprobieren wollen, die normalerweise 700 Euro kostet. Bei uns zahlt der Kunden 60 Euro im Monat. Aber dann stellt er vielleicht nach einem Monat fest, dass er das Gerät nicht länger braucht. Die Alternative wäre gewesen, den vollen Kaufpreis zu bezahlen.

Aber auch 60 Euro im Monat sind eine Menge Geld.
Menschen geben Geld für Dinge aus, die ihnen einen Wert stiften. Bei uns geht es um Erfahrungen – denn ein Tech-Produkt hat keinen Statuswert mehr. Das kann die Erfahrung sein, die neue Oculus Rift oder GoPro-Kamera auszuprobieren – oder in einem guten Restaurant Essen zu gehen.

Ein Kunde kann das Mietgerät auch komplett kaufen?
Genau, dann ist es allerdings etwas teuer. Das ist der Preis dafür, dass er das Gerät vorher flexibel testen konnte.

Wie genau verdient Ihr also Geld?
Wir verdienen dadurch, dass wir die Geräte vermieten und sie zwischen verschiedenen Kunden zirkulieren. Dadurch sind sie länger im Umlauf, was nachhaltiger für unser Geschäftsmodell und die Umwelt ist.

Ab dem zweiten Kunden vermietet Ihr also Gebrauchtgeräte?
Ja, die Geräte sind aber so gut wie neu.

Wie lange sind diese Geräte durchschnittlich im Umlauf?
Das sind etwa 18 Monate, dann ist das Produkt noch neu genug, um einen Nutzen für die Menschen zu haben.

Und wie viele Nutzer müssen ein Gerät nutzen, damit sich das für Euch rechnet?
An unseren Preisen sieht man, dass wir eine Mietzeit von etwa elf Monaten brauchen, um die Anschaffungskosten zu amortisieren. Und je nachdem, wie die Mietdauer pro Kunde pro Produkt ist, sind es zwei oder drei Kunden, bis es sich für uns rechnet.

Welche Kosten sind neben den Anschaffungskosten noch relevant?
Der Versand ist ein wichtiger Kostenfaktor, da wir die Produkte ja mehreren Kunden zur Verfügung stellen. Genauso wie die Handling- und Operations-Kosten, oder die Wiederaufarbeitung. Je mehr Kunden wir haben, desto häufiger müssen wir den gleichen Prozess spielen.

Dein Unternehmen ist jetzt auch in den USA aktiv. Was macht Ihr da?
Wir wollten dort früh lernen, wie der Markt funktioniert und wie die Nutzer ticken. In Deutschland halten Kunden unsere Preise für etwas hoch, in den USA ist es genau andersrum, weil sie dort viel höhere Preise gewöhnt sind. Im nächsten Schritt werden wir also Geld in die Hand nehmen und es dort investieren.

Gerade habt Ihr ja passenderweise ein Investment abgeschlossen.
Wir wachsen gerade mit 40 Prozent im Monat und konnten daher eine Finanzierung abschließen, mit der Klingel-Gruppe unter Partizipation von Rocket Internet und Global Founders Capital sowie allen Altinvestoren. Ob von dem aktuellen Geld etwas für den Aufbau in den USA benutzt wird, das haben wir noch nicht entschieden.

Du hast zuvor bei Rocket Internet gearbeitet. Was genau hast Du da gemacht?
Ich war dort sieben Monate und habe den internationalen Rollout von Spaceways gemacht. Vorher war ich bei Goldman Sachs in London, da saß ich eigentlich nur vor dem Computer und habe Excel-Tabellen bearbeitet. Rocket war eine willkommene Abwechslung. Aber dann wollte ich mein eigenes Startup gründen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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