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Googles Armband soll den Krebs besiegen

Thorsten Schröder 27.03.2015 Lesezeit 3 Min

Mit einem Armband will der Konzern aus Mountain View Krebszellen erkennen und zerstören. Ein jetzt erworbenes Patent erklärt, wie das funktionieren soll.

Nach dem Internet, der Brille und dem Auto will Google jetzt auch die Innovation der Gesundheitsbranche in die Hand nehmen. Ein Patent, das der Konzern bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) angemeldet hat, zeigt ein Google-Wearable, das Krebszellen erkennen und zerstören soll.

Mit Hilfe eines eigenen magnetischen Feldes soll das Google-Armband in der Lage sein, bestimmte Partikel im Blut einzuzäunen und so bestimmen, wie hoch der Anteil bösartiger Krebszellen unter ihnen ist. Das könnte die Früherkennung von Krebserkrankungen einen deutlichen Schritt nach vorne bringen, was für die Überlebenschancen von Patienten entscheidend ist.

 

Doch nicht nur das. Ist das Ziel einmal erkannt, soll die Technologie, die im Patentantrag den Namen „Nanoparticle Phoresis“ trägt, die Zielobjekte in den Blutgefässen verändern und sogar zerstören können. Google will dazu wahlweise Hochfrequenzen, Schallimpulse, Magnetfelder, Infrarotbestrahlung oder Lichtsignale nutzen. Laut Patent könnte das Armband auch im Kampf gegen Parkinson zum Einsatz kommen.

Die schematische Darstellung des Google Krebs-Armbands

Es ist nicht der erste Vorstoß eines Technologie-Konzerns in die Gesundheitsbranche. Zahlreiche Wearables experimentieren inzwischen mit der Bestimmung von mehr und mehr Körperdaten wie Temperatur und Herzfrequenz. Apple hat sein Health Kit sogar zum Zentrum seiner Apple Watch erklärt und ein eigenes internes Gesundheitszentrum gestartet, in dem Mitarbeiter die Einsatzmöglichkeiten testen.

Bereits vor zwei Jahren machte die Firma 23andme Schlagzeilen. Das Startup von Anne Wojcicki, der Frau von Google-Mitgründer Sergey Brin, bot einen Gentest an, mit dem Nutzer für weniger als 100 Dollar ihr Risiko für zahlreiche Erbkrankheiten bestimmen konnten — bis die US-Gesundheitsbehörde FDA das Ganze für unzulässig erklärte.

Und auch Google selbst arbeitet zusammen mit dem Pharma-Riesen Novartis seit längerem an einer Kontaktlinse, die die Blutzuckerwerte von Diabetikern überwachen soll. Pharmaexperten begrüßen den Einstieg des Silicon Valley und hoffen, dass die Tech-Konzerne die Innovationsgeschwindigkeit der noch immer von Großkonzernen dominierten Branche erhöhen.

Langfristig könnte Googles Armband gegen HIV zum Einsatz kommen. 

Die Technologie für Googles Armband kommt aus einem Pilotprojekt der Experimentiersparte Google X, das der Konzern schon im vergangenen Jahr öffentlich gemacht hatte. Damals forschten das Google-Team an einer Pille, die, ausgestattet mit magnetischen Nanopartikeln, im Körper nach bösartigen Zellen suchen kann.

Auch das jetzt patentierte Armband soll sich laut Konzern vorläufig auf die Entdeckung der Zellen beschränken. Bis das Google-Armband in der Krebstherapie zum Einsatz kommen kann, dürfte es zudem noch dauern. Ein marktreifes Produkt, das von der US-Gesundheitsbehörde zugelassen ist, werde es frühestens in fünf Jahren geben, heißt es im Patentantrag.

Branchenbeobachter träumen jetzt schon weiter. Langfristig könnte Googles Armband möglicherweise sogar die Chemotherapie überflüssig machen und auch im Kampf gegen weitere Krankheiten wie HIV zum Einsatz kommen.