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Die Gadget-Highlights der IFA 2017

Dominik Schönleben 01.09.2017 Lesezeit 9 Min

Noch bis Mittwoch, 6. September, findet in Berlin die IFA 2017 statt ­– die größte Elektronikmesse der Welt. WIRED war vor Ort und zeigt euch die wichtigsten neuen Gadgets.

Auf der IFA werden Jahr für Jahr einige der wichtigsten Technikneuheiten vorgestellt – oder Geräte kommen zum ersten Mal nach Europa, nachdem sie zuerst auf der CES in Las Vegas zu sehen waren. Laut einer Bitcom-Studie sind die Trendthemen der diesjährigen Messe Virtual Reality, Smarthome und Sprachassistenten.

Das stimmt auf jeden Fall, wenn man sich die Produkte der großen Hersteller ansieht. Aber auch viele kleine Startups nutzen die IFA, um ihre eher ungewöhnlicheren Gadgets vorzustellen. Die folgen dann nicht immer dem Trend – sind dafür aber oft umso spannender.

TicHome Mini: Google Home für die Dusche

Der TicHome Mini von Zolo Mojo steht stellvertretend für eine ganze Serie neuer Speaker, die mit dem Google Assistant kompatibel sind. Insgesamt sechs neue Lautsprecher wurden auf der Messe vorgestellt, die quasi dasselbe wie Google Home können, aber von Drittherstellern stammen. Darunter sind auch Geräte von Anker und Sony. Das Besondere am TicHome Mini: Er macht sogar unter der Dusche Musik, weil er wasserdicht ist und mit einem kleinen Haken aufgehängt werden kann. Dann muss man endlich nicht mehr selbst singen, sondern kann einfach sagen: „Okay Google, spiel meine Lieblingsplaylist!“

TicHome Mini

Der Preis für den TicHome Mini soll unter 100 Euro liegen. Zu kaufen sein wird das Gerät ab Oktober in vier oder fünf Farben.

Segway KickScooter: Ein Elektro-Tretroller für die Straße – ohne Straßenzulassung

Segway weitet sein Angebot auf den Consumer-Markt aus. Die Elektro-Tretroller ES1 und ES2 sind in ihrem Design identisch, unterscheiden sich aber in Ausstattung und Leistung. Das Premiummodell ES2 ist mit 25 km/h etwas schneller unterwegs als das ES1 und besitzt auch eine Rückleuchte und keinen Reflektor. Stoßdämpfer an beiden Rädern machen die Gefährte zudem fit für etwas unebenere Wege. Nur schade, dass man den KickScooter sowie die ebenfalls vorgestellten Hoverboards in Deutschland bisher nur auf einem Privatgelände fahren darf. Eine Straßenzulassung fehlt nämlich noch.

Segway KickScooter

Die Tretroller sollen 500 Euro (ES1) oder 600 Euro (ES2) kosten und werden im Oktober 2017 veröffentlicht.

Aventho Wireless: Musik wieder hören wie in jungen Jahren

Zusammen mit Beyerdynamic hat das Berliner Startup Mimi Hearing Technologies auf der IFA Kopfhörer vorgestellt, die automatisch gegensteuern, wenn sie eine Hörschwäche entdecken. Und die hat fast jeder – spätestens im Alter. Vor allem Menschen über 60 hören hohe Frequenzen nur noch schlecht. Nach einem Hörtest über die App wird ein Soundprofil auf die Kopfhörer übertragen. Das dient dann dazu, genau jene Elemente der Musik zu verstärken, die der jeweilige Nutzer nicht mehr richtig hören kann.

Aventho Wireless

Veröffentlicht werden sollen die Kopfhörer kurz nach der IFA. Der Preis liegt bei 449 Euro. Es gibt jedoch auch eine Version ohne den Mimi-Soundchip und ohne Bluetooth für 300 Euro.

Zeiss VR One Connect: Virtuelle Realität vom PC aufs Smartphone streamen

Eigentlich stellte Zeiss bereits im vorigen Jahr auf der IFA seine VR-Brille vor. Die war damals einfach nur eine Google Cardboard für Poser. Also ein Plastik-Case mit besonders hochwertigen Linsen, in die man sein Smartphone steckt, um simple VR-Apps und 360-Grad-Videos auf dem Handy anzuschauen. Dieses Jahr stellt Zeiss das Upgrade vor: Zeiss VR One Connect. Das Besondere ist dabei, dass die Spiele vom PC jetzt direkt auf die Brille gestreamt werden. Es können also echte Highend-VR-Spiele aus der Steam-Bibliothek der HTC-Vive gezockt werden. Dafür kommt die Brille auch mit zwei Controllern, die ein bisschen an die der Vive erinnern. Auf der Messe wurde jedoch nur ein Prototyp gezeigt, der noch nicht funktionsfähig war.

Zeiss VR One Connect

Die Brille kostet 99 Euro. Das Upgrade-Kit VR One Connect wird 129 Euro kosten und soll zu Weihnachten erscheinen.

Vayyar Walabot: Der DIY-Sensor für Heimwerker und Maker

Der Walabot des israelischen Unternehmens Vayyar ist auf den ersten Blick unscheinbar. Die Platine mit ihren 24 Antennen hat es aber in sich. Mithilfe von Radiowellen erzeugt der Walabot in Echtzeit ein 3D-Bild der Umgebung. Dabei kann er durch Wände und Gegenstände schauen sowie Veränderungen und Bewegungen verfolgen. Das erste fertige Produkt mit dieser Technologie ist der WalabotDIY. Er verwandelt das Android-Smartphone in einen Wand-Scanner, der Rohre, Balken und Kabel findet. Das zur IFA vorgestellte Update kann zudem 3D-Karten der verborgenen Objekte in der eigenen Wohnung erzeugen und speichern. Das Heimwerker-Werkzeug soll nur die erste von vielen Anwendungen sein. Ob in der Medizin, dem Smart Home oder im Auto – Ideen haben die Walabot-Macher viele.

Vayyar Walabot

Den Walabot-Sensor für Maker gibt es ab 125 Euro. Der WalabotDIY für Handwerker kostet 99 Euro. Beide sind bereits erhältlich.

Neue Kameramodule: Das Fairphone 2 bekommt sein erstes Upgrade

Alle zwei Jahre das Smartphone austauschen, obwohl das alte eigentlich noch ganz fit ist? Muss ja nicht sein, dachten sich die Fairphone-Erfinder. Seit 2013 versuchen die Entwickler aus den Niederlanden, dem verschwenderischen Alltag im Handy-Geschäft etwas Besseres entgegenzusetzen. Nun bekommt ihr Fairphone 2, das Ende 2015 auf den Markt kam, sein erstes Upgrade: Für 70 Euro erhalten die Besitzer zwei neue Kameramodule für vorn und hinten. Selfies lassen sich dann mit 5 Megapixeln aufnehmen, andere Fotos mit 12 Megapixeln. Auch die Bildqualität steigt sichtbar an, und wer nur eines der Kameraelemente austauschen möchte, kann die Module separat kaufen. Dass man fürs Auswechseln kein Fachmann sein muss, führte Fairphone-CEO Bas van Abel beim Besuch in der WIRED-Redaktion in Berlin persönlich vor.

Das Fairphone 2 beim Kamera-Upgrade in der WIRED-Redaktion: mit wenigen Handgriffen zerlegt und wieder zusammengebaut

Die beiden Kamera-Module für das Fairphone kosten zusammen 70 Euro und separat 45 Euro (hinten) und 30 Euro (vorn, für Selfies).

Vívoactive 3: Eine Garmin-Smartwatch, die Apple Pay Konkurrenz machen will

Die Vívoactive 3 ist Garmins erstes Wearable mit Bezahlfunktion. Mit dem eingebauten NFC-Chip lässt sich der nächste Einkauf zumindest schon bei Aldi ganz locker mit der Uhr bezahlen – vorausgesetzt, man hat eine MasterCard einer teilnehmenden Bank dabei. Die Vívoactive 3 bringt aber auch alle gängigen Fitnessfunktionen mit, misst also Schrittzahl, Kalorienverbrauch, Herzfrequenz und Stresslevel. Außerdem besitzt sie GPS. Das Smartphone kann man beim Sport dann zu Hause lassen.

Vívoactive 3

Die Uhr wird 329 Euro kosten und im September veröffentlicht.

Samsung Gear Sport: Smartwatch für Langzeitschwimmer

Auch Samsung hat eine neue Smartwatch auf der IFA vorgestellt. Eigentlich ähnelt sie in allen Belangen ihrem Vorgänger: der Gear S3. Sie ist jedoch nicht mehr nur 30 Minuten wasserdicht, sondern soll ohne Zeitbegrenzung nass bleiben können. Nur bei Druck wird sie undicht. Solange man an der Wasseroberfläche paddelt, sollte es also keine Probleme geben. Auch die Apple Watch 2 kann das nicht versprechen.

Samsung Gear Sport

Die Gear Sport kommt Ende Oktober zum Preis von 350 Euro auf den Markt.

Insta360 ONE: Unsere Lieblings-360-Grad-Kamera wird noch besser

Wir waren bereits Fans der Vorgänger Insta360 Air und Nano. Nicht, weil diese aufs Smartphone aufsteckbaren 360-Grad-Kameras die besten Fotos machen, sondern weil es so einfach ist, Aufnahmen per Social Media zu teilen ­– sogar auf Facebook Live. Die neue Insta360 ONE ist jetzt größer und schwerer, aber dafür nimmt sie auch Videos in 4K und Fotos mit 24 Megapixeln auf. Und diese Bilder kommen locker an die der Theta S von Rhico oder der Samsung Gear 360 ran.

Die ONE bringt außerdem zwei neue Features mit: Dank Fixed Frame kann ein 360-Grad-Video nachträglich in ein reguläres Video umgewandelt werden, bei dem man die Kameraperspektive durch Kippen des Smartphones selbst bestimmen kann. Bullet Time erlaubt es, das Smartphone an einer Schnur um die eigene Achse rotieren zu lassen, damit ein ähnlicher Effekt entsteht wie im Film Matrix – nur eben als 360-Grad-Video.

Insta360 ONE

Die Insta360 ONE ist für iOS bereits erhältlich und kostet 359 Euro. Die iOS-Version erscheint Ende des Jahres.

BB-9E: Der böse Zwillingsbruder des Star-Wars-Roboters BB-8

Klein und knuffig gibt es jetzt auch in böse. Während der IFA wurde eine neue Firgur für den Star-Wars-Film Die letzten Jedi vorgestellt. BB-9E ist eine schwarze Version des Publikumslieblings BB-8. Passend dazu präsentierte Sphero gleich eine entsprechende Variante seines Roboterspielzeugs. Abgesehen von der Optik hat sich jedoch wenig verändert.

BB-9E

BB-9E soll kurz nach der IFA erscheinen und wird 199 Euro kosten.

Catalyst Case: Tauchen mit der Apple Watch 2

Was bisher immer an der Apple Watch 2 gestört hat: Sie ist nur 30 Minuten wasserdicht. Darf also zum Schwimmen nur auf eigene Gefahr eingesetzt werden. Hier will der Schutzhüllenhersteller Catalyst einspringen. Mit dessen neuer Hülle für die Apple Watch 2 soll man sogar bis zu 100 Meter tief tauchen können. Ähnliche Plastikschalen gab es auch schon von anderen Herstellern, doch die waren meist ziemlich klobig und unhandlich. Aber die Hülle von Catalyst will man auch gerne im Alltag tragen. Das Steuerrad am Rande der Uhr bleibt funktionsfähig, auch der Touchscreen lässt sich problemlos unter Wasser bedienen. Wer also unbedingt mit einer komplett funktionsfähigen Apple Watch tauchen will, kann das jetzt.

Catalyst Case

Die Hülle kostet knapp 50 Euro und ist bereits verfügbar.

Baro: Ein Robo-Buddy für gute Körperhaltung

Baro wird auf dem Schreibtisch platziert und hat nur eine Aufgabe: Kontrollieren, ob die Person auf dem Stuhl richtig sitzt. Stimmt deren Körperhaltung nicht, dann beugt der Winzling sich ein Stück nach vorn und blickt vorwurfsvoll mit seinen roten Augen, bis der Mensch die perfekte Haltung wieder einnimmt.

Baro

Baro gibt es nicht zu kaufen. Er ist ein auf dem Samsung-Stand gezeigter Prototyp eines südkoreanischen Startups.

Sanbot Nano: Alexa als rollender Katzenroboter

Sprachassistenten werden bald nicht nur in Lautsprecher integriert sein – der nächste Schritt sind Haushaltsroboter. Auf der IFA wurde der Sanbot Nano vorgestellt. Er ist mit Amazon Alexa kompatibel und rollt dann durch die Wohnung stets dorthin, wo man ihn ruft. Der Sanbot Nano hat einen eingebauten Videoprojektor und kann auch dazu eingesetzt werden, die eigenen Kinder aus der Ferne im Auge zu behalten.

Sanbot Nano

Der kleine Roboter kostet stolze 2800 Euro und wird kurz nach der IFA erscheinen.