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Facebook stellt zwei neue VR-Kameras für Filmemacher vor

Cade Metz 20.04.2017

Facebook hat auf der F8 Entwicklerkonferenz zwei neue 360-Grad-Kameras präsentiert. Mit der Surround360 x24 und x6 will das Unternehmen professionelle Filmemacher für seine Plattform gewinnen. Doch es gibt bereits viel Konkurrenz auf dem Markt, egal ob für Profis oder Amateure.

Facebook glaubt an die Zukunft von Video. Und zwar an die des 360-Grad-Videos, an Aufnahmen, die das Gefühl einer virtuellen Realität (VR) vermitteln sollen. Für solche Videos ist jedoch eine ganz eigene Art von Kamera nötig. Ein Team von Ingenieuren hat deshalb unter der Leitung von Kamera-Guru Brian Cabral zwei neue Geräte entwickelt, mit denen Facebook diesen Markt für sich beanspruchen will. Seine Prototypen stellte das Unternehmen auf der F8 Entwicklerkonferenz in San José vor.

Eine dieser kugelförmigen Kameras erfasst ihr Umfeld mit 24 individuellen Linsen. Die andere ist mit immerhin sechs etwas einfacher und preiswerter gestaltet. Beide können völlig frei bewegt werden, während der Aufnahme: vorwärts, rückwärts, hoch, runter, rechts, links und entlang drei rechtwinkligen Achsen. So können die Kameras deutlich vollständigere und dadurch realitätsnähere Aufnahmen hinbekommen als vergleichbare Modelle, sagt Johannes Saam, Kreativentwickler bei Framestore. Ein Studio für Filmeffekte, das dafür verantwortlich war, die Prototypen der Facebook-Kameras zu testen: „Wenn man die Aufnahmen mit einem Headset betrachtet, fühlt sich alles sehr, sehr real an.“

Die Werbewirtschaft gibt für Facebook den Ton an

Facebooks vorrangiges Ziel ist es, professionellen Filmemachern die Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen sie sowohl 360-Grad-Videos für Smartphones, Laptops und PCs erstellen können, als auch 3D-Videos für VR-Headsets, bei denen das Bild für zwei Augen aufgeteilt werden muss. Cabral und sein Team haben jedoch noch mehr vor: Die Virtual-Reality-Videos sollen auf Facebook gezeigt werden. „Menschen sollen über Videoerlebnisse miteinander in Kontakt kommen, die das Gefühl vermitteln an einem anderen Ort zu sein“, sagt Cabral getreu dem Facebook-Motto „Connect the world“.

Auch für die Werbewirtschaft sind die neuen 360-Grad-Formate interessant. Sie ist es, die am Ende für Facebook bezahlt und damit den Ton angibt.

Bereits vor einem Jahr hatte Facebook über seine 360-Grad-Projekte gesprochen und das ursprüngliche Kamera-Design als Open-Source-Projekt sowie die Software veröffentlicht. Das Unternehmen hoffte, dass andere Entwickler mit aufspringen würden. RevergeVR und ImageVision taten genau das. Mit seinen zwei neuen Kameras will Facebook jetzt den dabei entstandenen Markt erweitern.

Allerdings machte Facebook diesmal seine Designs nicht open source, sondern will sie an Kamerahersteller lizensieren. Cabral sagt, dass die Hersteller es sich so gewünscht hätten, „weil sie gerne einzelne Bauteile kaufen und sie dann zu eigenen Produkten zusammensetzen.“ Aber es könnte auch andere Gründe geben: Einige Vertragspartner könnten auch auf einen Exklusiv-Deal bestanden haben. Oder Facebook möchte so Geld einnehmen, um die Entwicklungskosten wieder reinzubekommen. Cabral wollte sich dazu jedoch nicht äußern. 

Auf dem Markt für 360-Grad-Kameras gibt es bereits viel Konkurrenz

Die beiden neuen Modelle sind weitaus kompakter als ihr Vorgänger mit 17 Linsen. Die größere Kamera hat mit ihren 24 Linsen fast die Größe eines Fußballs, die kleinere ist nur unwesentlich kompakter. In beiden Fällen erleichtern das kleinere Format und die Möglichkeit, sie frei zu schwenken, Filmemachern die Arbeit.

Facebook versucht sich auf einem neuen Markt zu etablieren, auf dem es bereits viele Mitbewerber gibt. Google und GoPro haben sich zusammengetan, um die mit 16 Linsen bestückte Odyssey zu entwickeln (Preis: 14.000 Euro). Und Nikon hat mehrere Modelle im Angebot, darunter auch die Ozo für um die 56.000 Euro. Facebooks große Kamera soll etwas mehr als die Odyssey kosten, die kleinere Variante mit sechs Linsen wird vermutlich etwas günstiger sein. Damit liegt der Preis noch immer weit über dem von 360-Grad-Kameras für Konsumenten, beispielsweise der Theta S von Ricoh (350 Euro) oder der Vuze vom israelischen Startup Humaneyes (995 Euro).

Jim Malcom von Humaneyes sagt, dass sein Unternehmen viele Werbeagenturen, Filmproduktionsfirmen und Schulen zu seinen Kunden zählt. Obwohl Facebooks erstes Kamera-Design für ihn „eines der besten auf dem Markt“ ist, erscheint es ihm zu komplex. „Es gibt einfach zu viel, das falsch laufen kann“, sagt er. Diese Erklärung könnte auch Facebooks zweiten Versuch erklären.

Trotzdem arbeitet Facebook weiter an seiner ersten Kamera, die den Namen Surround360 Open Edition trägt. Für Cabral sind ihre Ableger, die Surround360 x24 und x6, Teil eines größeren Sortiments. Die beiden Modelle mögen klein sein, aber sie sprechen für große Ambitionen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com.
Das Original lest ihr hier.

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