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Wie ein Smartphone die Welt veränderte: Der WIRED-Guide zum iPhone

David Pierce 20.02.2018 Lesezeit 7 Min

Das iPhone ist vielleicht das wichtigste Gadget der Welt. Es veränderte durch den App Store und das mobile Internet die gesamte Tech-Branche. WIRED erklärt, wie es dazu kam.

Zu sagen, das iPhone sei das meistverkaufte Gadget der Welt, genügt nicht, denn es ist auch das einflussreichste: Mehr als 1,2 Milliarden Geräte hat Apple verkauft, seit Steve Jobs 2007 das erste Modell vorgestellt hat. Und um das Gerät herum hat sich ein ganzer Markt für Drittunternehmen gebildet. Darunter App-Entwicklung und Zubehörhersteller, die den Nutzern das Leben erleichtern wollen.

Für viele Menschen ist das iPhone ihr einziger Computer, ihre einzige Kamera. Es dient als Reiseplaner, als Partnervermittlung und Geldbörse. Ein Großteil des eigenen Lebens spielt sich auf einem einzigen Gerät in der Hosentasche ab.

Anfangs haben Telefonhersteller versucht, das Blackberry zu kopieren. Doch seit dem iPhone hat sich das geändert: Der Fokus liegt auf großen Displays in modernem Design und mit einer zunehmend besseren Kamera. Apple und seine Konkurrenten haben mit dem Smartphone eine ganze Reihe von Innovationen erst möglich gemacht: darunter Drohnen, Smart Home, Gadgets, Wearables und sogar selbstfahrende Spielzeugautos.

Seit sich das Smartphone-Ökosystem entwickelt hat, sind die Menschen permanent miteinander vernetzt und haben ein nie endendes Gefühl bekommen, dass sie etwas verpassen könnten. Das iPhone hat eine neue Ära der Verbundenheit eingeleitet und damit auch neue Routinen erschaffen.

Die Erfindung des iPhones

„Drei Dinge: ein Widescreen iPod mit Touch Control, ein revolutionäres Smartphone und ein bahnbrechendes Internet-Kommunikations-Gadget. Das sind nicht drei verschiedene Geräte. Es ist eins. Und wir nennen es iPhone.“ Mit diesen Worten stellte Steve Jobs am 9. Januar 2007 das erste iPhone auf der Macworld Conference vor. Und es sollte eine Revolution auf dem Handy-Markt auslösen, weil das iPhone eben neben all seinen Funktionen auch Anrufe annehmen konnte. Die Macworld Conference 2007 steht bis heute für ein bemerkenswertes Ereignis, das Tech-Geschichte schrieb.

Die Menschen mussten sechs Monate auf ihr neues Telefon warten, in denen Apple daran arbeitete, Jobs’ Prototyp in ein massentaugliches Gadget zu verwandeln. Tausende Fans kampierten vor Apple Stores, um eines der ersten Geräte zu bekommen. Allein am Wochenende des Verkaufsstarts wurden 270.000 iPhones verkauft. Im September – nach nur drei Monaten – hatte Apple bereits eine Million Geräte verkauft.

Der App Store veränderte alles

Das iPhone 3G, welches nur zwölf Monate später folgte, löste einen noch größeren Hype aus. Denn das 2008 erschienene iPhone unterstützte bereits den 3G-Mobilfunkstandard, mit dem E-Mails und Internetseiten noch schneller geladen werden. Zudem war dieses iPhone preiswerter als das Vorgängermodell. Die wohl wichtigste Neuerung war jedoch der App Store, der Entwicklern künftig die Möglichkeit gab, ihre Software an Millionen von iPhone-Besitzern zu verkaufen.

Der App Store ist mit ziemlicher Sicherheit einer der wichtigsten Beiträge von Apple an der Tech-Branche und der Gesellschaft an sich – vielleicht sogar einflussreicher als das iPhone selbst. Innerhalb kürzester Zeit gab es Apps und Spiele, die die Art und Weise veränderten, wie Menschen kommunizieren, arbeiten, essen und spielen. Erst dadurch wurde das iPhone zu dem Taschen-Computer, der es vorgab, zu sein.

Von hier an wurde die Geschichte des iPhones von einer revolutionären zu einer evolutionären. Jedes Jahr hat Apple ein noch schnelleres und größeres Smartphone herausgebracht, das Produkt verfeinert, ohne die grundsätzlichen Funktionen des Telefons zu ändern. Apple schien sich bewusst zu sein, dass auch eine gute Kamera das Gerät unersetzlich macht: Das iPhone 4 kam mit einer integrierten Selfie-Kamera und der Möglichkeit, HD-Videos aufzunehmen. Seitdem gehören die iPhone-Kameras stets zu den besten auf dem Markt.

Immer wieder neu

Steve Jobs war der festen Überzeugung, dass es etwa fünf Jahre dauern würde, bis andere Smartphone-Hersteller eine wirkliche Konkurrenz darstellen würden. Er irrte sich, denn es brauchte ungefähr sechs oder sogar sieben Jahre bis beispielsweise Samsung mit dem Galaxy S ein wettbewerbsfähiges Gerät auf den Markt brachte. Ähnliches gilt auch für die Smartphones von HTC.

Für eine lange Zeit war das iPhone die beste Wahl. Egal ob in Sachen Kamera, großes Display oder bei der Vielfalt der Apps. Nachdem aber die Grundidee des iPhone von der Konkurrenz kopiert war, fanden viele ihre eigene Nische. Samsungs Stärke sind große Bildschirme und die Stifteingabe, Google hat das Betriebssystem Android stetig verbessert und andere Firmen können ein Smartphone für den Bruchteil des iPhone-Preises herstellen.

Das ging so weiter bis 2017 – dem 10. Jahrestag der berühmten Macworld-Rede von Steve Jobs. Apple hatte drei Smartphones in diesem Jahr veröffentlicht: das iPhone 8 und 8 Plus – solide Geräte, aber eben nur ein Update. Und dann gab es da noch das iPhone X, der Versuch, etwas Neues zu erschaffen.

Apple verabschiedete sich vom Home Button, um einen randlosen Bildschirm zu ermöglichen. Dazu kam Gesichtserkennung zum Entsperren: Face ID sollte ab jetzt Touch ID ersetzen. Außerdem hatte das iPhone X neue Augmented-Reality-Funktionen bekommen. Das Kurioseste davon: die verrückten Animoji. Ab jetzt kann ein Kackhaufen animierte Sprachnachrichten übermitteln. Alles in allem brachte das X einige der größten Veränderungen in der Geschichte des iPhone.

Was bringt das nächste iPhone?

Derzeit befindet sich Apple in einer interessanten Situation. Dank des unvorstellbaren Erfolgs des iPhone – das mehr als die Hälfte des Umsatzes von Apple ausmacht – ist das Unternehmen heute das größte und wertvollste der Welt. Solang Apple auf mehreren Hundert Milliarden Euro Bargeldreserven sitzt, gibt es kein großes Risiko, zu scheitern. Dennoch muss das Unternehmen auf lange Sicht wieder mehr als nur das nächste iPhone herausbringen.

Apple wäre wohl nicht Apple, wenn es das nicht selbst wüsste. Die Apple Watch wird als geistiger Nachfolger des iPhone bezeichnet: Sie ist noch zugänglicher, noch persönlicher und könnte langfristig einige Funktionen des Smartphones übernehmen. Gleiches gilt für die AirPods, die eindeutig mehr als ein Paar drahtlose Kopfhörer sein sollen.

Derweil versucht Apple, Laptops durch iPads zu ersetzen, Apple TV unter den Flatscreen zu kleben und sicherzustellen, dass möglichst viele Menschen mit der iCloud arbeiten. Apple forscht an selbstfahrenden Autos und will Augmented Reality (AR) weiterentwickeln. Vielleicht wird ja die Apple-Brille der wahre Nachfolger des iPhones sein?

Mit jeder neuen Gadget-Generation sucht das Unternehmen auch gleichzeitig nach Wegen, die Beziehung der Menschen zu Gadgets zu normalisieren. Das verlockende am iPhone ist, dass es alles miteinander vereint. Ein ständiger Zugriff auf alle Daten, Spaß und Freude an unterschiedlichsten Apps. Man kann einfach nicht wegschauen. Im Leben vieler Menschen spielt das Smartphone eine zentrale Rolle – und das kann nicht gesund sein.

Push-Nachrichten jeder Art machen süchtig, machen es schwer, sich vom Telefon zu lösen. Aber wenn eine Firma einen Weg findet, die Gesellschaft davon wegzubekommen, wird sie sicherlich Milliarden verdienen. Apples AirPods und die Apple Watch orientieren sich zumindest teilweise an diesem Ideal, sollen den Blick wieder nach oben und weg vom Smartphone richten. Ein kleiner Anfang. Aber immerhin ein Anfang.

Die Zukunft des iPhones ist Apples Zukunft

Was auch als Nächstes kommt: Apple hat die Fähigkeit, es mitzugestalten. Im letzten Jahrzehnt hat das Unternehmen Milliarden in den Bau seiner eigenen Chips investiert, um das iPhone immer auf dem neuesten Stand zu halten. Der Prozessor des iPhone X übertrifft selbst die besten Android-Geräte. Das wird besonders dann interessant, wenn es um AR-Anwendungen geht. Apples Marktmacht ist vor allem in Amerika groß – und das nicht ohne Grund: Das Unternehmen baut noch immer einige der besten Geräte.

Apples Erfolg hat bewiesen, dass die besten Produkte entstehen, wenn die Hardware als auch die Software aus einem Guss entwickelt werden. Microsoft, Google, Facebook und Amazon wollen deshalb ihre Gadgets mittlerweile mit einer ähnlichen Strategie bauen.

Abgesehen davon, dass das iPhone zum großen finanziellen Erfolg von Apple beigetragen hat, hat es die gesamte Technologiebranche nachhaltig beeinflusst. Es hat verändert, wie gearbeitet und gespielt wird. Selbst Facebook hat seinen größten Wachstum seiner Smartphone-App zu verdanken.

Das iPhone ist zu einem Symbol geworden dafür, was sich verändern kann und würde, wenn alles und jeder mit dem Internet verbunden ist. Doch jetzt gilt es für Apple, eine Frage zu beantworten, wenn es um das Design des Nachfolgers geht: Wie kann dieses Gadget in den Alltag seiner Nutzer integriert werden, ohne dass der Blick auf das Display notwendig ist? Erst dann wird der nächste Umbruch in der Tech-Branche alles verändern.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
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