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Dieses Headset macht jeden Kinofilm barrierefrei

Cindy Michel 10.02.2017

Ins Kino gehen ist ein gemeinschaftliches Erlebnis. Idealerweise lacht oder erschrickt das Publikum an den selben Stellen im Film. Das funktioniert aber nicht, wenn man nicht versteht, was die Schauspieler sagen oder nicht sieht, was sie tun. Ein Headset, das nun auf der Berlinale vorgestellt wird, soll Abhilfe schaffen: Wer es trägt, kann sich via App Untertitel einblenden oder sich flüstern lassen, was die Leinwand gerade zeigt.

Auf der Berlinale präsentieren nicht nur Filmemacher ihre Werke, sondern auch Visionäre und Tech-Entwickler ihre neuesten Produkte – beim European Film Market (EFM). Auch das Berliner Startup GRETA und STARKS hat sich in einem der Popup-Offices eingemietet, um mit dem Protoypen seines Augmented-Reality-Headsets für barrierefreies Kino zu werben.

Wenn man das Wearable betrachtet, ist man fast sicher, es schon einmal in irgendeinem Science-Fiction-Film aus den 90ern gesehen zu haben. Wie ein breiter, weißer Haarreif mit einer monokelhaften Vorrichtung, die vor das Auge klappt, sieht es aus. Das Wearable soll den Kinobesuch nicht nur für Menschen mit einer Sehbehinderung oder für Hörgeschädigte erlebbar machen, sondern auch Sprachbarrieren überwinden.

Das Headset des Berliner Startups GRETA und STARKS soll das Kino barrierefrei machen 

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Wer das Headset trägt, kann für Filme Untertitel in verschiedenen Sprachen wählen, die dann ins Monokel eingeblendet werden, oder sich via Audiodeskription das Geschehen auf der Leinwand erzählen lassen. Zuschauer ohne Seh- oder Hörbeeinträchtigung bekommen davon nichts mit.

Die Funktionsweise des Wearables basiert auf den beiden Apps GRETA und STARKS und wird via Smartphone bedient. STARKS, ein Tool für Hörgeschädigte (iOS und Android), gibt es schon seit Ende 2013. Es zeigt während des Films auf dem Smartphone-Display sogenannte HoH-Untertitel (Hard of Hearing) an, bei denen neben den gesprochenen Dialogen auch Hintergrundgeräusche wie etwa „ein lauter Knall“ beschrieben werden. Für blinde oder sehbeeinträchtigte Filmfans gibt es ebenfalls seit 2013 die App GRETA (iOS und Android). Wer sie nutzt, kann sich im Kino per Kopfhörer eine gesprochene Filmbeschreibung (Audiodeskription) anhören.

Durch die Verbindung mit der App Starks wird die gewünschte barrierefreie Fassung des Films unabhängig von Standort und Medium zugänglich. „Damit kann sich jeder die gewünschten Untertitel dort abspielen, wo er sie braucht.“, erklärt Seneit Debese, Geschäftsführerin von GRETA und STARKS gegenüber dem Berliner Projekt Zukunft. „Unsere Apps funktionieren im Grunde wie die Musikidentifizierungs-App Shazam – nur offline.“

Wie Shazam für Filme – nur offline

Seneit Debese, Geschäftsführerin von GRETA und STARKS

Obwohl die App grundsätzlich in jedem Kino oder auch zu Hause auf der Couch funktionieren würde, hat sie ein integriertes Geoblocking. „So können Verleiher über die zugänglichen Länder entscheiden“, erklärt Debese. „Wir haben auch viele Partnerkinos, die das Headset zur Ausleihe anbieten wollen.“

Aktuell gibt es die App auf Englisch, Deutsch und Französisch. „Die meisten unserer 185 Filme mit Audiodeskription und Untertitel sind bisher nur auf Deutsch erhältlich“, berichtet Debese im Gespräch mit WIRED. „Unser Ziel ist allerdings, innerhalb des nächsten Jahres jeden Kinofilm in fünf bis acht Sprachen anbieten zu können.“ Außerdem will das Startup in französisch- und englischsprachige Länder expandieren.  

Zu den Filmen im Programm des Startups zählen neben Blockbustern wie Fifty Shades of Grey, Resident Evil 6, The Great Wall, Rogue One – A Star Wars Story auch Kinderfilme wie Timm Thaler oder Vaiana. Das Arthouse-Genre ist mit Werken wie Mein Blind Date mit dem Leben, Split, Paula, Manchester By The Sea oder Die Blumen von gestern vertreten.

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