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Der erste Multiroom-Lautsprecher von Bang & Olufsen im Hands-On

Jeremy White 17.02.2017

Mit dem M5 präsentiert Bang & Olufsens Schwesterfirma B&O Play ihren ersten Multiroom-Lautsprecher. WIRED konnte ihn in Kopenhagen antesten und zeigt Skizzen aus dem Entwicklungsprozess. 

Wenn es einen Bereich in der Unterhaltungselektronik gibt, in dem mehr Wettbewerb immer gut getan hätte, dann ist es der der Multiroom-Lautsprecher. Sonos stieg 2009 mit dem ZonePlayer S5 in das Geschäft ein – später umbenannt in PLAY:5. Das war vor acht Jahren, eine sehr lange Zeit in dieser Branche. Dass es noch immer etablierte HiFi-Hersteller gibt, die noch keine Multiroom-Lautsprecher im Sortiment haben, zeigt, wie langsam sie auf den Trend reagiert.

Erst seit kurzem gibt es Rivalen für Sonos: Naim, Denon, Bose, Sony und Samsung sind ins Geschäft mit Multiroom-Lautsprechern eingestiegen. Bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas im vergangenen Monat stellte B&O Play, ein Schwesterunternehmen von Bang & Olufsen, seinen ersten kabellosen Multiroom-Lautsprecher vor, den M5. Ursprünglich konnte man B&O-Lautsprecher mit dem BeoLink-System verbinden, um mehrere Räume zu beschallen. Der M5 besitzt stattdessen einen eingebauten Google Chromecast. Mit seinem Preis von 599 Euro ist der Lautsprecher ein direkter Konkurrent für Sonos und ähnliche Highend-Modelle.

WIRED hat B&O Play in Kopenhagen besucht, den M5 angetestet und das Studio von Cecilie Manz besucht, die für das Design des Lautsprechers verantwortlich war.

Größe
Der M5 fühlt sich an wie eine edle Keksdose. Mit einer Breite von 165 Millimetern, 185 Millimetern Höhe und einem Gewicht von 2,54 Kilogramm ist der Lautsprecher klobig, aber durchaus beweglich. Die Maße reichen, um einen guten Sound zu produzieren, aber leider nicht für eine Qualität, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Klang
Der M5 hat einen tiefen Bass, der gelegentlich sogar zu tief ist. Die Testversion war allerdings eine frühe Version des Lautsprechers und der digitale Signalprozessor soll noch verbessert werden. Der Song Just Kissed My Baby der US-Funkband The Meters erzeugte im Test klare Höhen und beeindruckend donnernde Tiefen. Das führte allerdings auch dazu, dass die mittleren Frequenzen etwas zu kurz kamen. Dennoch steht außer Frage, dass der M5 einen angenehmen, raumfüllenden Klang liefert.

Das Geheimnis ist ein 12,7 Zentimeter großer Neodymium-Tieftonlautsprecher, der den Bass aus einer 360-Grad-Öffnung herausfeuert. Er wird mit einem nach außen zeigenden Mittenregler und einem Hochtöner kombiniert. Dazu kommen zwei Hochtöner auf der Rückseite. Was leider bedeutet, dass der 130-Watt-Lautsprecher keinen Stereo-Sound liefert und sich nicht mit einem anderen M5 verbinden lässt, um diesen zu erzeugen. Der „Umgebungsklang“ des Geräts soll allerdings auch mehr als Mono sein. Mit Hilfe des digitalen Signalprozessors wird der Klang in alle Richtungen übertragen. Wir konnten die dabei entstehende Trennung zwar hören, es war also eindeutig besser als ein Mono-System, jedoch klang es nicht danach, als ob zwei einzelne Lautsprecher in den Ecken des Raumes platziert wurden.

Konnektivität
Durch den eingebauten Chromecast kann Musik aus über 100 Diensten direkt auf den M5 gestreamt werden, mit verlustfreier Komprimierung bei bis zu 96 KHz/24bit. Das bedeutet auch, dass der M5 mit allen Chromecast-fähigen Lautsprechern verbunden werden und so das Multiroom-Erlebnis ausgebaut werden kann. Das Angebot beinhaltet unter anderem Spotify Connect und QPlay 2.0, außerdem können Nutzer sich über Apple Airplay oder Bluetooth mit dem Lautsprecher verbinden. Zum Einrichten der verschiedenen Räume müssen M5-Besitzer Google Home nutzen.

Über eine App wird festgelegt, ob der M5 frei steht, in einer Ecke oder an der Wand platziert wurde. So kann die Ausgabe des Sounds angepasst werden. Der Lautsprecher kann direkt über Musikstreaming-Apps wie Tidal und Spotify gesteuert werden. Richtig zum Leben erwacht das System, wenn es mit einem A6- und A9-Lautsprecher zusammengeschaltet wird. Insgesamt können nur sechs Geräte verbunden werden. 

Design
Ein Besuch im Büro der Designerin Cecilie Manz zeigt, wie häufig der M5 optisch überarbeitet werden musste. So waren die ursprünglichen Konzepte eher ziegelförmig. Die Abdeckung von der Textilmarke Kvadrat besteht aus echter Wolle. Bislang ist sie nur in den Farben grau und schwarz erhältlich, moosfarbenes Grau und dunkles Rosé sollen noch hinzukommen. Das Material ist gewebt, damit der Klang möglichst transparent durchgelassen wird.

Eine Skizze des M5 aus dem Design-Büro von Cecilie Manz

Das Team präsentierte uns verschiedene Stoffhüllen, darunter eine frühere Version und die finale. Dabei konnten wir optisch keinen Unterschied erkennen, die Designer zeigten sich trotzdem unzufrieden mit den Entwürfen: Gott liege im Detail, sagten sie. Ein Beispiel für diese Details ist die Größe der Öffnung an der Unterseite des Tieftöners. Der M5 erscheint dadurch, als würde er schweben.

Eine weitere Skizze zeigt, wie der Lautsprecher schwerelos wirken soll

B&O Play ist erst fünf Jahre alt und hat 100 Angestellte. Die Firma wurde dafür kritisiert, im Schatten von Bang & Olufsen zu stehen. Entstanden ist die Spinoff-Marke vermutlich aus der Angst heraus, dass das Geschäft mit den eher experimentelleren Lautsprechern nicht funktionieren und das dann Misserfolg von Bang & Olufsen gelten könnte.

Erst kürzlich hat B&O Play jedoch bekanntgegeben, dass es neun erfolgreiche Quartale in Folge verzeichnen konnte und pro Jahr um 60 Prozent gewachsen ist. Die Firma sorge mit dafür, dass Bang & Olufsen auch im Ganzen profitabel sei. Sie ist kein Startup mehr, sondern erwachsen geworden.

Maße: Breite: 16,5 Zentimeter, Höhe: 8,5 Zentimeter , Tiefe 16,5 Zentimeter
Gewicht: 2,54kg
Frequenzbereich: 37 bis 22.000Hz
Treibereinheit: 1 x 12,7 Zentimeter Tieftonlautsprecher, 1 x 3,81 Zentimeter Mittenregler, 3 x 1,9 Zentimeter Hochtonlautsprecher
Streaming-Dienste: Apple AirPlay, Bluetooth, Spotify Connect, Chromecast, Deezer
Verbindungen: 1 x Line-In –Kabel (3.5 Millimeter Combo Mini-Klinke Analog/Digital (PCM), 1 x Ethernet (10/100Mb), 1 x Netzanschluss, Wi-Fi Dual-Band (WLAN), Bluetooth 4.0)

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
Das Original lest ihr hier.

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