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Elektro-Roller: Wird der Unu zur Vespa der Millennials?

Karsten Lemm 03.08.2015

Gas geben geht nicht bei diesem Roller, er hat auch keinen Auspuff – aber er lässt problemlos jeden zwei- oder viertaktvoll knatternden Benziner hinter sich. „Der Motor steckt hier im Rad“, erklärt Pascal Blum und deutet auf eine handtellergroße schwarze Kunststoff-Abdeckung an der Hinterachse. Winzig eigentlich. Doch der Elektroantrieb bringt bis zu 3000 Watt an Leistung mit — genug, um diesen „Unu“-Scooter in wenigen Sekunden auf 45 Stundenkilometer zu beschleunigen. 

Blum, Mitgründer der gleichnamigen Berliner Herstellerfirma, ist gerade von Kreuzberg nach Treptow gerollert, sechseinhalb Kilometer in nicht mal 15 Minuten. „Du kannst an jedem Stau vorbeifahren und musst keinen Parkplatz suchen“, schwärmt er. „Wir sehen Roller in der Großstadt als eines der besten Fahrzeuge an.“

Winzg klein, aber große Wirkung: Der Elektroantrieb des Unu-Rollers sitzt im Rad und ist gerade mal handtellergroß, dafür soll er aber eine satte Leistung von bis zu 3000 Watt bringen.


Dumm nur, dass die klassische Vespa nicht unter 3000 Euro zu haben ist und kräftig Sprit schluckt. Der Unu hält mit einem Basispreis von 1700 Euro dagegen (2700 für die Top-Ausstattung mit 3000-Watt-Motor) und verspricht eine Reichweite von mindestens 50 Kilometern pro Akkuladung.

Damit niemand sich um Ladestationen Sorgen machen muss, lässt sich der Akku herausnehmen. Er versteckt sich unter dem hochklappbaren Sitz und kommt einfach mit ins Büro oder nach Hause. Fürs Laden genügt eine normale Steckdose. Fünf Stunden braucht der Akku, um sich komplett zu erholen, nach 2,5 Stunden soll er wieder 80 Prozent seiner Kapazität erreicht haben.

„Bisher sind Elektroroller teuer und nicht sehr benutzerfreundlich“, sagt Blum. Beides will er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Elias Atahi ändern. Die Unu-Gründer kennen sich aus Schulzeiten und begegneten sich als Studenten bei einem Auslandssemester in Peking wieder. Blum hatte dort einen Benzinroller, der ihm mit seinem Geknatter und den Auspuffwolken gewaltig stank. „Aber auch wenn es ein schlechtes Produkt war“, erzählt der 26-jährige Jungunternehmer, „ich habe viel mehr unternommen, weil es so einfach war, von A nach B zu kommen.“

Der kleine Unu verspricht viel: schick, günstig, praktisch und umwelbewusst will er sein.

Der Wirtschaftsstudent und sein Partner, ein Ingenieur, nahmen sich vor, das Roller-Prinzip fürs Elektro-Zeitalter neu zu durchdenken und zugleich die Kosten deutlich zu senken: Produziert wird der Scooter erst, wenn Kunden auf der Unu-Website eine Bestellung abgegeben haben. Die Herstellung in China macht den Roller erschwinglich, und Unu spart Geld, weil es keine Lagerhaltung gibt.

Statt ein herkömmliches Vertriebsnetz aufzubauen, verlassen sich die Gründer auf „lokale Pioniere“, die in knapp 40 Städten von Aachen bis Würzburg Probefahrten organisieren (und bei einem Kauf eine Provision bekommen). „Unser Anspruch ist, eine Lösung für jedermann anzubieten“, sagt Blum. Wer bestellt, kann auf Wunsch auch gleich die Anmeldung von Unu erledigen lassen — und dann bei der Lieferung sofort losbrausen.

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