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Der Echo Spot ist Amazons Weg ins Schlafzimmer

David Pierce 19.12.2017 Lesezeit 5 Min

Der Echo Spot ist nach dem Show Amazons zweiter Lautsprecher-Assistent mit Bildschirm. Er sieht dabei so gut aus wie kein anderer Echo – wenn nur die Kamera nicht wäre.

Letzte Woche habe ich zwei Tage in einem tristen Hotel außerhalb von San Diego verbracht. Meine Gesellschaft bestand einzig und allein aus Alexa. Genauer gesagt Amazons Echo Spot. Es ist das neue Gerät in der Echo-Produktfamilie mit einem Bildschirm und einer Kamera nach dem Echo Show. Der Spot ist ganz ähnlich, nur kleiner und schöner.

Was Amazon mit Alexa anstellt ist faszinierend: Die Auswahl besteht aus ähnlichen Geräten in unterschiedlichen Größen zu unterschiedlichen Preisen, mit nur geringfügig unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Wir befinden uns noch in der Anfangszeit der Smart-Lautsprecher und Heimassistenten. Amazon experimentiert herum, um herauszufinden, was möglich ist. Mit dem Spot hat Amazon einen Echo gebaut, der sich ziemlich gut auf dem Nachtschrank oder Schreibtisch machen dürfte. Mit umgerechnet 110 Euro (130 Dollar) ist er einer der teuersten Alexa-Geräte.

Nachdem ich von meinem Hotelbett eine Weile mit dem Spot geredet hatte, war ich wirklich beeindruckt. In großen Teilen ist er nicht besser als jedes andere Alexa-Gerät. Allerdings drängen sich eine Reihe komplizierter Fragen auf: Kann ich damit leben, dass neben meinem Bett ein Gerät mit Kamera und Mikrofon steht? Vertraue ich ihm, mich nicht im Schlaf zu überwachen? Oder mich sogar versehentlich aufzuwecken? Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht. Aber jeder sollte das für sich selbst entscheiden.

Der Spot ist der erste Echo, den man ohne Weiteres als gutaussehendes Gerät bezeichnen kann. Das ist nicht verwunderlich. Bei den anderen Echos scheint sich Amazon überhaupt keine Gedanken um das Design gemacht zu haben.

Er ist etwa so groß wie eine Grapefruit, von der man etwa 40 Prozent abgeschnitten hat. Die schräge Front besteht aus einem runden 2,5-Zoll-Touchscreen, der von einem schwarzen Rahmen eingefasst ist. Auf der Oberseite sind die Lautstärke- und Mute-Buttons eingebaut. Das ist nicht die eleganteste Lösung, aber wohl die zugänglichste.

Das beste an einem Echo mit Bildschirm ist, dass er leichter einzurichten ist. Innerhalb von fünf Minuten war das Gerät startklar. Man muss nur seine Amazon-Anmeldedaten und das WLAN-Passwort eingeben.

Wenn es erst einmal eingerichtet ist, funktioniert der Spot wie jedes andere Alexa-Gerät. Es besitzt dieselben Skills, kann dieselben Fragen beantworten, dieselben Informationen bereitstellen. Die meiste Zeit antwortet Alexa laut und deutlich wie gewohnt, kann aber auch relevante Informationen auf dem Display anzeigen. Der Spot reagierte auch, als ich mir aus dem Nebenzimmer Musik wünschte. Die Audioqualität ist angemessen. Besser als die des Echo Dot und fast so gut wie die des großen Echos. Wer mehr möchte, kann Lautsprecher über ein Kabel anschließen oder sie per Bluetooth zuschalten. Darüber hinaus ist der Spot ein hervorragender Wecker. Man kann sich per Klingel oder Musik wecken lassen und mit dem Befehl „Alexa, guten Morgen,“ den Wetterbericht und Nachrichten bekommen.

Da der Spot einen Bildschirm hat, hat er auch dieselben Funktionen wie der Show. Etwa Rezepte anzeigen oder Film-Trailer abspielen. Die täglichen Zusammenfassungen funktionieren auch mit Video, was ziemlich toll ist. Natürlich ist YouTube davon ausgenommen, weil sich Google und Amazon immer noch im Streit befinden.

Während der Show eigens für das Abspielen von Videos gebaut wurde, ist es der Spot eigentlich nicht. Der Bildschirm ist rund, also blickt man auf hässliche quadratische Fenster oder kann im Vollbild-Modus nicht den ganzen Bildinhalt sehen. Eigentlich ist er für wenig mehr geeignet als den Trailer zu Die letzten Jedi zum wiederholten Male anzuschauen, während man die Kino-Spielzeiten heraussucht.

Im Großen und Ganzen macht der Bildschirm die Benutzung aber besser. Auch beim Einstellen von Timern und Weckern oder Fragen nach dem Wetter ist es nett, die Antworten zu hören und zu sehen. Es ist angenehmer, Einstellungen direkt am Spot und nicht vom Smartphone aus vorzunehmen. Außerdem dimmt der Spot in der Nacht den Bildschirm und lässt sich bei Bedarf auch ganz abschalten.

Die Kamera ist eine ganz andere Geschichte. Sie macht mich nervös. Ich verstehe, warum sie da ist: Sie erlaubt es, mit anderen Echo-Nutzern per Videochat in Verbindung zu treten und dient als Art Überwachungskamera. Aber aus irgendeinem Grund habe ich mehr Probleme mit einer Kamera als mit einem Mikrofon, das potenziell immer an ist. Mit „Alexa, schalte die Kamera aus,“ trennt Spot sie mechanisch. Aber die Linse ist immer noch da. Ich könnte sie abkleben, aber ein Spot ohne Kamera wäre dennoch angenehmer.

Die Entscheidung zwischen Spot und einem anderen Echo-Gerät läuft darauf hinaus, ob man einen Lautsprecher mit Kamera möchte oder nicht. Eine richtige Antwort gibt es dabei nicht. Der Dot für 60 Euro kann dieselbe Musik abspielen und dieselben Antworten geben. Der Spot sieht nur besser auf dem Nachttisch aus.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED US.