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Der Apple HomePod ist gut – aber nicht gut genug!

Jeremy White / WIRED UK 14.02.2018 Lesezeit 8 Min

Der HomePod ist da – zumindest in den USA, Australien und Großbritannien. In Frankreich und Deutschland soll der Apple-Lautsprecher mit Siri erst im Frühjahr auf den Markt kommen. Wir haben ihn vorab für euch getestet.

Im Frühjahr soll der HomePod nach Deutschland kommen. Das Gadget mit Apples Sprachassistent Siri soll dem Unternehmen einen Anteil am rasant wachsenden Markt für smarte Lautsprecher sichern. Dieser wird aktuell von Google und Amazon dominiert.

Apple hat erneut gewartet, was die Konkurrenz auf den Markt bringt – um diese dann mit einem eigenen Gadget zu übertrumpfen, das vermeintlich bessere Funktionen hat, einfacher zu bedienen und optisch ansprechender ist. Die Kehrseite davon ist, dass andere Unternehmen sich mit ähnlichen Geräten bereits einen Namen auf dem Markt gemacht haben – wie etwa Sonos mit seinem One.

Kurzum, der HomePod muss wirklich exzellent sein, um auf einem jetzt schon überfüllten Markt relevant zu sein. Aber ist der smarte Lautsprecher von Apple das wirklich?

Design

Schon wer den HomePod aus der Verpackung nimmt, bekommt einen ersten Eindruck davon, in was Apple bei diesem umgerechnet 360 Euro teuren Lautsprecher investiert hat – und zwar die Liebe zum Detail. Was sofort ins Auge sticht, ist das Stromkabel. Es ist wunderschön. Nein, wirklich, das ist es. Mit Textil ummantelt, griffig und es lässt sich ohne Knicke oder Kabelsalat ausrollen. Im Gegensatz zu beispielsweise dem Sonos-Kabel, das nach dem Auspacken so aussieht, als sei es wochenlang ganz unten in einem Koffer eingeklemmt gewesen.

Der zylindrische HomePod ist knapp 18 Zentimeter hoch und wiegt gerade mal zweieinhalb Kilogramm. Sein Überzug aus feinem Netzgewebe, den Apple speziell für den smarten Lautsprecher entwickelt hat, schafft eine angenehme Ästhetik. Apple sagt, dass dieses Material fast komplett durchlässig für Musik sei. Das einzige erkennbare manuelle Bedienfeld ist das kreisrunde Touch Panel samt Display an der Oberseite des Geräts.

In diesem Bildschirm erscheint Siri als tanzender und bunter Regenbogen, wenn man den Assistenten weckt. Wird Musik gespielt, sind dort ein Plus- und ein Minus-Zeichen zu sehen, über die man händisch die Lautstärke regulieren kann, statt über Sprachbefehle oder das Smartphone. Ein Tippen auf die Mitte des Feldes, hält die Musik an. Zweimal Tippen bedeutet „einen Song weiter“, dreimal „zurück“.

Das Stromkabel des HomePods ist so schick wie praktisch und komplett von Textil ummantelt.

Set me up, Siri

Die Installation des HomePod läuft ähnlich schnell ab, wie die Koppelung eines Beats-X-Kopfhörers. Die Box muss angeschaltet werden, ein iOS-Gerät in die Nähe gehalten und nach ein paar mal Tippen ist es vollbracht. Man wählt den Raum aus, in dem der Lautsprecher stehen soll, aktiviert und erstellt die persönlichen Vorlieben, damit Nachrichten und Erinnerungen geschickt werden können, und anschließend übermittelt man diese Einstellungen vom iPhone an die Cloud. iTunes- und Apple Music Settings werden automatisch vom HomePod übernommen. So einfach geht das.

Wenn die Installation abgeschlossen ist, erscheint der HomePod in der Home App, dort können sämtliche Einstellungen nochmals optimiert werden. Der Lautsprecher kann freistehend in der Mitte eines Raumes platziert werden, genauso wie in einer Ecke oder an einer Wand. Denn er erkennt selbst, wo er steht und passt so den Klang automatisch an. Dank des eingebauten Beschleunigungsmessers erkennt der HomePod, wenn es bewegt wurde. Ist dies der Fall oder wurde das Gerät einfach ausgesteckt, startet es ein Ortungsprogramm, um die bestmöglichen Klangeinstellungen für jeden Platz zu gewährleisten.

Sound

Man kann den Entwicklern von Apple nicht vorwerfen, dass sie nicht hart genug gearbeitet hätten, um so viel wie möglich in dieses Gerät zu packen. Das Gadget kommt mit einem Ring aus sieben Hochtönern, jeder davon mit eigenem Verstärker, und einem eingebauten Niederfrequenz-Messmikrofon für die automatische Basskorrektur. Und auch der Subwoofer wurde mit einem maßgefertigten Verstärker ausgestattet.

Apple sagt, dass der Frequenzgang zwischen 40 und 20.000 Hertz liegt. Was nicht schlecht ist. Der eingebaute A8 Chip ermöglicht die Modellierung der Tiefentöne in Echtzeit. Dazu kommt ein digitaler Signalprozessor (DSP) und Beamforming, damit die Mikrofone auch bei lauter Musik noch mithören und ein Echo herausfiltern können.

Wenn wir schon bei dem DSP sind: Der HomePod analysiert laufend die Musik und stellt den Sound dynamisch so ein, wie Apple glaubt, dass der Track klingen müsste. Da ist die Problematik dabei: Apple bestimmt, wie Musik klingen soll, man selbst hört das vielleicht ganz anders.

Egal ob freistehend im Raum, an der Wand oder in der Ecke: Der HomePod soll überall gleich gut klingen.

Der Klang, den der HomePod produziert, ist besser, als unsere Erfahrungen mit der ersten Demoversion. Der Bass donnert. Was vielleicht auch das beste Verkaufsargument und deutlich hörbar ist. Die Luft wird zum Beben gebracht, was beeindruckend für solch einen kleinen Lautsprecher ist.

Auch die Höhen sind souverän. Klare Töne reproduziert das Gerät mit Leichtigkeit, lässt alles hell und nicht schrill klingen.

Dennoch hat man das Gefühl, dass bei den Mitten etwas fehlt. Eine minimale Kritik, wenn man bedenkt, wie exzellent der HomePod mit den Höhen und Tiefen klarkommt. Bei dem hohen Preis wäre jedoch zu erwarten gewesen, dass der Lautsprecher auf allen Frequenzen gleich beeindruckend klingt. Wäre das der Fall, wäre der HomePod phänomenal. So bleibt unser Urteil bei: einfach nur sehr gut.

Was der HomePod wirklich kann, ist großartigen Sound bei niedriger Lautstärke zu spielen. Das DSP schafft einen Klangteppich, der so reichhaltig ist, dass man den Lautstärkeregler selten anfassen möchte. Sollte man dennoch den Pegel hochdrehen, behält der HomePod die Kontrolle über den Sound, ohne seine Klarheit und Ruhe zu verlieren.

Insgesamt hätten wir uns den HomePod jedoch lauter und kräftiger gewünscht. Wenn der Lautstärkeregler auf maximalem Anschlag steht, füllt der HomePod zwar das Wohnzimmer mit Musik, aber man kann sich tatsächlich noch unterhalten. Es überraschte, dass der Lautsprecher nicht ein bisschen mehr Wumms hat. Als spontane Party-Anlage taugt der HomePod nicht.

Die 360-Grad-Beschallung funktioniert überraschend gut. Egal, wohin man sich bewegt, der Sound bleibt bemerkenswert homogen. Das ist keine geringe Leistung. Die wenigsten Systeme, die dieses Feature versprechen, können wirklich abliefern.

Siri und das Interface

Das Design des HomePod ist großartig und der Sound gut, wenn auch nicht perfekt – wie aber gestaltet sich die Interaktion mit Siri? Normalerweise kann Apple in dem Bereich punkten, weil sich das Unternehmen stets viel Zeit lässt, seine Produkte auf den Markt zu bringen.

Ganz offensichtlich soll der Nutzer in erster Linie via Stimme mit dem HomePod interagiert. Warum? Weil es umständlich wäre, den Lautsprecher über das iPhone anzusteuern. Anfangs ist das jedoch etwas ungewohnt.

Die Steuerung via Stimme ist einfach. Sechs eingebaute Mikrofone in der Mitte des Gerätes sollen gewährleisten, dass Siri die Befehle selbst dann hören kann, wenn sie aus weiter Entfernung und bei laufender Musik gesprochen werden. In einem kleinen Raum reagiert Siri sofort, selbst wenn der Lautstärkeregler auf Anschlag gedreht ist. In einem offenen Büro ist es hingegen schwieriger.

Wer sich einen HomePod kaufen will, muss sich jedoch klar machen: Es gibt kein Entrinnen vor Siri mehr. Und das ist ein Problem: Denn derzeit ist Siri nicht der beste Assistent auf dem Markt. Sogar weit entfernt vom zweiten Platz.

Ja, Siri kann all das auf dem HomePod, was sie auch auf jedem anderen Gerät kann. Sie kann das HomeKit steuern oder auch nur einzelne smarte Lampen dimmen. Sie kann einen Anruf entgegennehmen oder Nachrichten versenden.

Das Problem ist nur: Siri versteht oft miss, was man sagt. Der Sprachassistent ist einfach noch nicht so ausgereift wie Alexa oder der Google Assistant. Apple ist noch weit von seiner Vision des vertrauenswürdigen und smarten Helfers entfernt.

Nichts ist wirklich falsch am HomePod, dennoch enttäuscht das Gerät. Warum? Weil Apple mehr versprochen hat, als das Unternehmen letztlich geliefert hat.

Als der HomePod enthüllt wurde, versicherte Apple, dass dieser Lautsprecher alles andere auf dem Markt wegblasen würde. Das tut er nicht. Aktuell gibt es zwar keinen smarten Lautsprecher, der besser klingt – bei dem Preis des HomePods sollte das aber auch selbstverständlich sein.

Der HomePod kann den Sonos One in Sachen Sound schlagen, aber für den Preis eines HomePods bekommt man eben auch zwei Ones. Deshalb würden wir auch eher empfehlen, zwei Sono-Lautsprechern zu kaufen, wenn guter Klang eine wichtige Rolle spielt. Vor allem die Stereokoppelung des One wertet den Speaker auf.

Ja, der HomePod soll ebenfalls Stereo-Koppelung bekommen – hat er aber derzeit noch nicht. Und auch das Abspielen von Musik in mehreren Räumen soll erst mit AirPlay2 kommen.

Die smarten Funktionen des Lautsprechers sind eben noch nicht so clever wie die der Konkurrenz. Siri muss noch lernen, um mit Google und Amazon mithalten zu können.

All das kann sich natürlich mit dem nächsten Update ändern: Siri wird mit der Zeit besser werden und weitere Funktionen werden folgen. Erst dann hat der HomePod jedoch die Chance, so gut zu werden, wie Apple ihn sich jetzt schon vorstellt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.uk
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