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ZTE Axon M: Ein gewagtes Experiment mit zwei Bildschirmen

David Pierce 18.10.2017

ZTE hat mit dem Axon M ein Smartphone vorgestellt, das zwei Bildschirme hat. Auf jedem Screen kann eine eigene App gestartet werden. Ist das die Zukunft des Smartphones?

In den letzten Jahren kamen Unternehmen immer wieder mit der gewagten These: Das Smartphone wurde falsch konzipiert. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, dass das Handy eines der erfolgreichsten Geräte ist, das jemals entwickelt wurde. Oder dass es das Leben vieler Menschen verändert hat, wie kaum eine andere Technologie. Was wäre jedoch, wenn das Smartphone ganz anders aussähe als die Geräte, die wir heute kennen?

Normalerweise kommen solche Ankündigungen von Visionären, die ihre Ideen per Crowdfundig verwirklichen wollen, oder es ist der letzte verzweifelte Versuch eines Unternehmens, die Firma mit einer überragenden Idee zu retten. Aber nun hat ZTE – der weltweit viertgrößte Smartphone-Hersteller – ein ungewöhnliches Gerät vorgestellt: das Axon M. Ein Dual-Screen-Smartphone für Multitasking.

Man muss sich das Gerät als eine Art Smartphone-Sandwich vorstellen – Bildschirm an der Ober- und Unterseite, in der Mitte die Recheneinheit. Wird das Axon M aufgeklappt, stehen dem Nutzer zwei 5,2-Zoll-Bildschirme zur Verfügung. Dann sieht das Telefon aus wie der eBook-Reader Kindle Oasis, mit einer dickeren Hälfte, in der die meisten Bauteile untergebracht sind und einer dünneren Hälfte, die lediglich aus einem Bildschirm besteht.

Es als faltbares Smartphone zu bezeichnen, wäre aber nicht korrekt. Denn es erinnert nicht an das von Samsung vor drei Jahren als Konzept mit einem biegsamen Bildschirm vorgestellte Gerät, das sich wie ein Notebook zusammenklappen lässt. Und es ist auch kein normales Handy, das sich wie das Motorola Razr in zwei Hälften zusammenklappen lässt. Es sind lediglich zwei Bildschirme, die durch ein Scharnier miteinander verbunden sind. Trotzdem ist das Axon M interessant.

Ist es zusammengeklappt, sieht es aus wie ein normales Smartphone – nur etwas zu dick geraten. Aber wenn es aufgeklappt ist, wird deutlich, wie viel Entwicklungsarbeit ZTE geleistet hat, damit Android auf zwei Bildschirmen läuft. Es gibt die Möglichkeit, die beiden Bildschirme als einen ganzen oder sie getrennt voneinander zu nutzen. Bei der letzten Variante kann der Nutzer sich auf einem Bildschirm zum Beispiel ein Video ansehen und auf dem anderen Notizen machen. ZTE hat sich vermutlich vom Samsung Note 8 inspirieren lassen und will Nutzer ansprechen, die mehrere Apps gleichzeitig verwenden wollen.

Ansonsten überlässt ZTE den Nutzern, was sie mit dem Bildschirm anstellen wollen. Vorschläge: Die Bildschirme so auseinanderklappen und auf den Tisch stellen, dass ein Gesprächspartner den gespiegelten Inhalt sieht und beide sich darüber unterhalten können. Oder vielleicht ein Spiel auf dem oberen Bildschirm starten und den unteren als Controller verwenden. Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt. Und genau das ist das Ziel von ZTE. Das Unternehmen hofft, dass das Axon M die Fantasie seiner Nutzer anregt, weil sie plötzlich genug Platz auf dem Bildschirm haben, um damit mehr anstellen zu können als üblich.

Das Axon M ist faszinierend, aber der letzte Versuch eines Herstellers mit zwei Bildschirmen ging nicht gut aus. Doppelt so viel Bildschirm bedeutet auch eine doppelte Belastung für den Akku. Außerdem weiß Android nicht, was es mit zwei Displays anfangen soll. In einer kurzen Demo von ZTE schien die Software noch nicht ganz ausgereift zu sein. Es kam zu Darstellungsfehlern, während das Smartphone gedreht wurde und gleichzeitig zwei Apps geöffnet waren. Außerdem ist Glas auf beiden Seiten eines Smartphones generell schwierig, wenn das Gerät herunterfällt. Mit etwas Glück fällt ein reguläres Smartphone auf die Rückseite. Beim Axon M hingegen befindet sich auf beiden Seiten ein Display.

Ob das Axon M ein Erfolg wird? ZTE arbeitet in den USA mit dem Anbieter AT&T zusammen, die das Telefon gut vermarkten werden. Und ZTE ist ein Hersteller, der seine Smartphones äußerst erfolgreich verkaufen konnte. Die Frage ist eher, ob die Kunden ein Smartphone wollen, dessen Konzept sich von allen bisher auf den Markt gebrachten unterscheidet.

Immerhin: Samsung arbeitet an einem faltbaren Smartphone für kommendes Jahr und Lenovo hat einen Prototypen eines faltbaren Handys vorgestellt. Zusammen mit ZTEs Axon M sind das immerhin schon drei solcher Geräte. Man kann also schon von einem Trend sprechen. Ein Jahrzehnt nach der Vorstellung des ersten iPhones – das im Wesentlichen bestimmt hat, wie Smartphones aussehen – könnte jetzt die Zeit für etwas Neues sein. Zum Beispiel Zeit für ein Smartphone mit mehr Platz, um mehr Arbeit zu erledigen. Das mehr wie ein Computer ist. Oder eben auch nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com.