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Das Razer Phone ist ein Smartphone für Gamer

David Pierce 02.11.2017

Razer stellt eigentlich Laptops und Zubehör für Gamer her. Das erste Smartphone des Unternehmens richtet sich ebenfalls an diese Zielgruppe. Dem Gerät sieht man das glücklicherweise nicht an.

Als bekannt wurde, dass Razer ein Smartphone herstellen will, klang das etwas seltsam. Das Unternehmen ist vor allem für Gaming-Produkte wie Mäuse, Tastaturen und Laptops bekannt. Ein Smartphone von Razer sollte sich demnach vor allem an Spieler richten, dachten viele. Vermutlich wäre es leistungsstark und hätte die beste und schnellste Hardware mit Chips – brauchen würde so ein Telefon kein Mensch, seine Besitzer würde es aber bei der nächsten LAN-Party einfach nur cool aussehen lassen. Vor allem wäre es eins: riesig und teuer – so wie es Gaming-Ausrüstung eben meistens ist. Natürlich würde es auch leuchten, keine Frage. Vielleicht würde es mit roten Flammen versehen sein?

Tatsächlich sieht das Razer Phone aus Gamer-Sicht fast enttäuschend langweilig aus - kantig und ohne knallig leuchtende LEDs. Sogar Razers Logo mit der dreiköpfigen Schlange, das sonst in neongrün leuchtet, ist in einem einfachen Schwarz gehalten. Das Gerät wurde von Nextbit hergestellt, dem Hersteller des Design-Smartphones Robin. Das diente auch als Grundlage für das Razer Phone, nur ohne die knalligen Farben.

Im Inneren des Razer Phone steckt alles, was sich Fans des Unternehmens wünschen. Der Snapdragon-835-Prozessor ist einer der schnellsten Smartphone-CPUs. Die 8 GB RAM und eine langlebige Batterie mit 4000 mAh sind ebenfalls nicht zu verachten. Das beste am Gerät ist jedoch der Bildschirm mit einer Diagonale von 5,72 Zoll und dem IGZO-Display mit 120 Herz. Wenn man ein Spiel spielt, regelt der Bildschirm die Framerate hoch und beim Lesen von Dokumenten oder Schauen von YouTube-Clips wieder herunter. Die Technik dahinter funktioniert wie beim ProMotion-Display des iPad Pro und funktioniert genausogut. Noch nie konnte man bei einem Android-Telefon so flüssig scrollen. Ein kurzer Test mit dem Rennspiel Riptide GP: Renegade zeigt, dass sich auch Spiele gut anfühlen und aussehen. Das Design offenbart es nicht auf den ersten Blick, aber das Razer ist ein Gaming-Phone durch und durch.

Die Liste geht noch weiter. Auf der Rückseite des Smartphones sind Kameras mit jeweils zwölf Megapixel eingebaut. Auf der Vorderseite befinden sich zwei Stereo-Lautsprecher mit eingebautem Dolby Atmos. Der mitgelieferte digitale Audio-Converter verspricht bei Kopfhörerbetrieb einen vollen und klaren Klang. Vorerst wird das Razer Phone nur mit Android Nougat ausgeliefert, aber zumindest hat der Hersteller an einen Android Launcher gedacht, mit dem sich das Aussehen der Betriebssystemoberfläche anpassen lässt. Der Nova Launcher ist einer der besten und flexibelsten Launcher, die es derzeit gibt. Laut Razer wird demnächst auch Android Oreo für das Smartphone verfügbar sein.

Ein Gaming-Phone ist allerdings nur so gut wie die Spiele, die man darauf spielen kann. Der Mangel an guten Mobile Games hat sogenannte Gaming Phones wie das Nokio N-Gage in der Vergangenheit immer wieder scheitern lassen. Razer hat da einen Vorteil, da das Unternehmen schon länger mit Spieleherstellern zusammenarbeitet. Zum Beispiel mit den Machern von Arena of Valor und Final Fantasy, um die Soft- und Hardware für das Razer Phone dahingehend zu verbessern. Das kommt nicht nur dem Razer Phone, sondern dem ganzen Android-Ökosystem zugute.

Razer bewegt sich auf einem schmalen Grat. Es hat ein Telefon hergestellt, das für Gamer gedacht ist, aber nicht so aussieht. Das Unternehmen musste berücksichtigen, dass Smartphone-Besitzer sich nicht zwei Smartphones kaufen - eines zum spielen und ein anderes zum arbeiten. Daher musste Razer sein Gerät sowohl für den alltäglichen Einsatz als auch für Shadow-Gun-Sessions entwickeln. Das ist nicht einfach, aber basierend auf der kurzen Demo im Razer-Büro, scheint das Unternehmen gute Arbeit geleistet zu haben.

Ein paar Zugeständnisse muss Razer für das Gaming-Potenzial dann doch machen: Es hat ein dickeres Gehäuse entwickelt, um einen größeren Akku unterzubringen und einen extra Rahmen ober- und unterhalb des Bildschirms entworfen, um es im Querformat besser halten zu können. Aber das stört den Gesamteindruck nicht.

Das Razer Phone kann man bereits vorbestellen, es kostet 750 Euro. Verkauft wird das Smartphone ab dem 17. November 2017.

Dieser Artikel erschien zuerst auf WIRED.com.