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Besser als DJI und GoPro? Diese Drohne aus Norwegen filmt Sportler komplett automatisch

Dirk Peitz 31.01.2017

Seit GoPro seine Drohne zurückgerufen hat, gibt es für Hobbyfilmer keine Alternative mehr zu den Multikoptern des chinesischen Marktführers DJI. Doch demnächst könnte es wieder einen Konkurrenten geben: Staaker, die Action-Drohne eines norwegischen Startups. Wir haben sie für euch probegeflogen.

Halvor Langhoff steigt ins Auto, und als sich dieses in Bewegung setzt, fliegt auch die Drohne los. Der Mitarbeiter des norwegischen Startups Staaker hat die gleichnamige Drohne aus Oslo mit nach Berlin gebracht. Es geht durch die leere, verschneite Landschaft Brandenburgs, Felder links und rechts, eine baumbestandene Allee. Die Drohne folgt dem Auto seitlich in sicherem Abstand zu den Baumkronen, Langhoff muss den Quadrokopter nicht steuern.

Das erste Modell des vor rund drei Jahren gegründeten Herstellers ist auf einen orangefarbenen Tracker programmiert, den Langhoff in der Hand hält. Der Follow-Me-Modus der Staaker funktioniert einwandfrei. Bloß was die Drohne währenddessen filmt, ist nicht zu sehen: Der handtellergroße Tracker besitzt zwar große Knöpfe für die Bedienung, aber keinen Monitor – geschweige einen Touchscreen. Unter der Drohne selbst hängt eine GoPro 4.

Eine Drohne für alle, die gern auf dem Mountainbike oder der Enduro querfeldein jagen

Der erste Flug macht direkt klar, was die Staaker kann und für welche Einsätze sie vorgesehen ist: Sie ist robust konstruiert, also für Action-Sportler gemacht, die im Zweifel allein in der Natur unterwegs sind und sich bei ihren Aktivitäten dort unkompliziert filmen wollen. Man lässt die Staaker einfach abheben und wählt einen der fünf Bewegungsmodi aus. Neben der reinen Verfolgung gibt es etwa den Circle-Mode, bei dem die Drohne ihren Tracker umkreist, oder den Hover-Mode, bei dem die Drohne statisch an einem Ort verharrt und nur die Kamera ihm folgt.

Alles gut so weit. Doch wer eher die Landschaft präzise per Monitorflug ins Bild setzen möchte, sollte lieber einen anderen Typ Drohne kaufen. Im besten Fall die kleinere, aber filmerisch wesentlich vielseitigere DJI Mavic oder gleich einen richtig großen Multikopter, unter den eine richtige Filmkamera gehängt werden kann.

Dass die Staaker für einen so klar definierten Anwendungsfall wie Action-Sport konzipiert wurde, dürfte ihr aber Fans einbringen, wenn sie im April auf den Markt kommt. Sie dürfte Leuten gefallen, die gern auf dem Mountainbike oder der Enduro querfeldein jagen. Im Sommer könnten dann Surfer dazukommen und im Winter Skifahrer. Die Staaker ist spritzwassergeschützt, ein Feature, das nur wenige Drohnen bisher besitzen. Ihr macht Wasser (im Zweifel auch Regen oder Schnee) nichts aus, zumindest in überschaubaren Mengen, bestätigt Langhoff. Ins Meer sollte man sie allerdings nicht fallen lassen.

Mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit eine der schnellsten Videodrohnen auf dem Markt

Mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit wird sie eine der schnellsten Videodrohnen auf dem Markt sein und mit bis zu 30 Minuten Flugdauer pro Akkuladung auch diejenige, die sich am längsten nonstop in der Luft halten kann. In der brutalen Januarkälte Brandenburgs allerdings entlädt sich die Lithiumbatterie erwartungsgemäß sehr schnell  – das Thermometer zeigt minus fünf Grad. Die Kälteempfindlichkeit von Akkus haben auch die Entwickler von Staaker noch nicht in den Griff gekriegt. Nach rund 20 Minuten sind die Batterien der beiden Staaker-Prototypen bereits leer.

Die Karma wird wohl der Hauptkonkurrent der Staaker werden und über deren Rückkehr will GoPro im Februar Details verraten. Die beiden Drohnen sind fast gleich groß (rund 30 mal 40 Zentimeter) und ähneln einander auch äußerlich. Nur eine Sache unterscheidet sie wesentlich: Bei der Karma hängt der Kamera-Gimbal an einem Griff, der aus dem Multikopter-Korpus herausgezogen werden und für stabilisierte Videoaufnahmen aus der Hand benutzen werden kann. Außerdem hat die Karma eine Fernbedienung mit Vorschaumonitor. Beides gibt es bei der Staaker nicht.

Die Staaker folgt stets diesem orangefarbenen Tracker, sie kann aber auch manuell geflogen werden – nur eben ohne Monitor

Was beide Quadrokopter wiederum gemeinsam haben, ist das Fehlen jeglicher Sensorik, damit Objekte erkannt und ungewollte Crashs vermieden werden. In der Landschaft stehen ja doch viele Dinge herum, Bäume etwa oder Häuser. Langhoff argumentiert, die bislang verfügbaren Sensoren – die etwa in den neueren Modellen von DJI eingebaut sind – funktionierten nur bei recht niedrigen Geschwindigkeiten zuverlässig. Deshalb habe sein Unternehmen bei der Staaker zunächst komplett auf sie verzichtet. Wer die Staaker beim Action-Sport fliegen will, muss also aufpassen, wie das Gelände aussieht.

Beim WIRED-Hands-On mit den Staaker-Prototypen fielen ein paar Bugs auf. Der Kamera-Gimbal kommt während der Verfolgung des Autos bei hoher Geschwindigkeit leicht ins Stottern und Flattern, während die Drohne selbst jedoch gleichmäßig durch die Luft gleitet. Und als die Straße eine sanfte Biegung macht, gerät kurz einer der vier Rotoren ins Bild. was bei bei einem vorprogrammierten Flugmodus eigentlich nicht passieren sollte. Da muss wohl die Software noch etwas nachjustiert werden. Immerhin: Wer mit dem Tracker in der Hand losläuft und versucht, die Drohne durch Richtungsänderungen zu verwirren, gerät eher selbst ins Straucheln, als dass das der Maschine in der Luft passiert. Die Staaker pariert jede Finte locker und fliegt souverän hinterher.

Die bisher unkomplizierteste und robusteste Action-Drohne – wenn sich der erste Eindruck bestätigt

Halvor Langhoff sagt, das größte Problem seiner Firma seien die Zweifel in der Drohnenpiloten-Community: Spätestens seit dem Technikflop von GoPro seien viele Menschen skeptisch geworden, ob Startups wie Staaker in der Lage sind, aus dem Stand heraus eine perfekt funktionierende Drohne zu konstruieren.

Die größte Hürde der Staaker ist ihr vergleichsweise hoher Preis. Nachdem das Startup laut Langhoff zunächst versucht hat, die Staaker in China fertigen zu lassen, aber von der abgelieferten Qualität entsetzt war, wird die Drohne nun in Norwegen gebaut. Und das ist eben nicht günstig. Derzeit bietet das Unternehmen die Staaker auf seiner Website für einen Frühbestellerpreis von knapp 1120 Euro an. Regulär soll sie später rund 1620 Euro kosten.

Die Staaker kommt mit einem eigenen handlichen Transport-Rucksack

Zum Vergleich: Die vermeintlich runderneuerte GoPro Karma soll für den alten Preis von 870 Euro wieder auf den Markt kommen. Und die DJI Mavic Pro kostet inklusive 4K-Kamera derzeit 1200 Euro, also nur 80 Euro mehr als die kameralose Staaker zum Einführungspreis.

Dafür bekommen Käufer der Staaker die bisher unkomplizierteste und robusteste Action-Drohne – wenn sich der erste Eindruck bestätigt. Und das wäre schon etwas: Denn wer Drohnen fliegt, lernt den Kundenservice des Herstellers oft allzu gut kennen, weil ständig etwas kaputt geht. Drohnen sind empfindliche Spielzeuge, sie mögen keine Kälte, sie mögen keine Hitze und Feuchtigkeit schon gar nicht. Angesichts dessen klingt es wie eine Verheißung wenn Halvor Langhoff sagt: Als Norweger kennen sich die Mitarbeiter von Staaker zwangsläufig mit Frost und miesem Wetter sehr gut aus. 

WIRED: Endlich eine Drohne mit einer klar definierten Anwendung
TIRED: Der Preis dafür
 

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