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Das iPhone 8 ist beeindruckend, aber die Zukunft sieht anders aus!

David Pierce 20.09.2017 Lesezeit 7 Min

Besser, schneller, ausdauernder: Bei Vorstellungen neuer Produkte verwendet Apple stets Superlative. So auch beim iPhone 8 und 8 Plus. Ob Apple seine Versprechen halten kann, verrät der WIRED-Test.

Eine verbesserte Kamera, ein schnellerer Prozessor und Quick-Charge: Die neuen iPhone-Modelle 8 und 8 Plus sind technisch besser ausgestattet als ihre Vorgänger. Für 800 Euro (iPhone 8) oder knapp 900 Euro (iPhone 8 Plus) bekommt der Käufer ein Handy, mit dem er telefonieren, Spiele spielen, Fotos machen und Filme ansehen kann. Das läuft erwartungsgemäß reibungslos. Apple hat bereits vor zehn Jahren die Standards für Smartphones gesetzt und macht das auch heute noch. Sorry, Note 8 und Google Pixel.

Und dennoch. Kurz nach der Ankündigung auf der Apple-Konferenz waren die beiden Geräte schon wieder veraltet. Mit dem iPhone X setzt das Unternehmen die Messlatte noch höher. Seine abgerundeten Display-Kanten, die Gesichtserkennung per Face-ID und die hochauflösenden Kameras lassen das iPhone 8 alt aussehen. Die beiden Smartphones sind vermutlich die letzten Modelle von Apples Smartphone-Reihe, die mit dem ersten iPhone vor zehn Jahren gestartet wurde und jetzt vom iPhone X abgelöst wird.

In der iPhone-Zeitrechnung sollte das Jahr 2017 eigentlich ein „S“-Jahr sein. Apple stellte für seine aktuellen Smartphones im darauffolgenden Jahr bisher immer nur ein Upgrade mit einem schnelleren Prozessor vor. Designänderungen gab es nicht.

In diesem Jahr ist das anders. Das iPhone 8 ist definitiv kein 7S. Neben den Standardupgrades hat Apple auch das Design verändert. Das iPhone 8 ist ein Traum aus Glas. Aluminium hält das Gehäuse zusammen. Ansonsten hat Apple das Smartphone mit Glas auf der Vorder- und Rückseite versehen. Das sieht sehr edel aus. Bei einem Sturz kann es allerdings passieren, dass beide Seiten kaputtgehen und ausgetauscht werden müssen. Apple sagt, das werde nicht passieren. Unsere Erfahrung mit Smartphones, die komplett aus Glas sind, lehrt etwas anderes.

Ansonsten ähneln die Smartphones dem iPhone 7 und 7 Plus. Der Home Button ist vorhanden. Die Kopfhörerbuchse nicht. Um den Bildschirm herum befindet sich ein dünner Rahmen, der im Vergleich zum Note 8 und dem Essential Phone etwas größer wirkt. Unsere Vermutung: Es ist das letzte Mal, dass ein iPhone einen solchen Rahmen haben wird. Kommende Modelle werden sich wahrscheinlich am Design des iPhone X orientieren.

Die meisten anderen Änderungen sind kaum zu bemerken. Beim Bildschirm setzt Apple seine True-Tone-Technik ein, die den Farbraum des Displays an das Umgebungslicht anpasst. Außerdem kann der Bildschirm eine breitere Farbpalette abbilden. Hinzu kommt verbessertes Bluetooth und Wlan, neue Lautsprecher und eine Menge andere nette Funktionen. Aber nichts, was einen Neukauf des Gerätes für Besitzer des iPhone 7 oder 7 Plus rechtfertigt.

Besitzer des iPhone 7 haben keinen Grund zum Neukauf

Wer sich eine iPhone 8 oder 8 Plus kauft, erhält zwei wesentliche neue Funktionen gegenüber den Vorgängern. Zum einen kann es kabellos geladen werden. Apple selbst bietet noch kein Ladegerät dafür an – die Airpower-Ladematte erscheint erst im kommenden Jahr – aber das iPhone 8 funktioniert mit allen drahtlosen Ladestationen von Drittanbietern, die den Qi-Standard unterstützen. Zwar lädt sich das Smartphone auf einer induktiven Ladestation etwa langsamer auf als mit einem normalen Netzstecker, aber dafür bekommt man ein neues Freiheitsgefühl.

Durch das kabellose Laden fühlt sich das Smartphone nicht mehr wie ein Tamagotchi an, das ständig gefüttert werden muss, sondern wie ein Gadget, das ständig verfügbar ist. Wenn man es braucht, nimmt man es hoch, wenn nicht, wird es hingelegt und aufgeladen. Android-Nutzer kennen und schätzen diese Funktion seit Jahren, iPhone-Besitzer werden sie lieben.

Der zweite Unterschied zu den Vorgängermodellen: die Kamera. Genauer gesagt, die Kombination aus einem neuen 12-Megapixel-Sensor, Apples A11-Bionic-Prozessor und einer Überarbeitung der Komponenten im Inneren des iPhones machen alles schneller und effizienter. Das iPhone 8 hat auf der Rückseite eine Kamera mit einer f/1,8-Blende und einer optischen Bildstabilisierung. Beim iPhone 8 Plus hat Apple noch ein Teleobjektiv mit einer Blende von f/2,8 hinzugefügt, mit dem Nutzer im Portrait-Modus weiche Hintergründe aufnehmen können. Beide Modelle haben außerdem eine 7-Megapixel-Selfie-Kamera.

Apple hat sich bewusst dafür entschieden, die Art und Weise zu verbessern und zu verändern, wie Nutzer Fotos machen. Das Unternehmen hat sich zum Beispiel für kräftigere Farben bei den Aufnahmen entschieden. Manchen Nutzern könnten die Farben etwas zu sättigend sein. Besonders nach Apples jahrelangem Festhalten an einer realistischen Farbwiedergabe, selbst bei Aufnahmen mit viel rot und gelb. Aber die meisten Nutzer werden die Überarbeitung der Fotofunktion mögen. Jede Aufnahme wird nun übrigens standardmäßig in HDR abgespeichert. Wie die meisten Smartphone-Kameras hat auch die Kamera des iPhone 8 Probleme bei Aufnahmen in dunkler Umgebung.

In seiner Fotosoftware hat Apple einige Funktionen eingefügt, die großartig sind. Der Nutzer kann jetzt Zeitlupen-Videos in einer Auflösung von 1080p aufnehmen. Außerdem lassen sich 4k-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde oder mit 24 Bildern pro Sekunde machen. Zusätzlich zum Portrait-Modus gibt es beim iPhone 8 Plus auch eine Portrait-Beleuchtung, mit der das Licht in einem Bild manuell verändert werden kann. Nutzer können ein Bild in einer hell erleuchteten Umgebung aufnehmen und es so aussehen lassen, als gäbe es nur eine einzige Lichtquelle, so dass das Motiv noch besser zur Geltung kommt. Diese Funktion befindet sich allerdings noch in der Betaphase und brachte in unserem Test nicht immer das gewünschte Ergebnis.

Zugegeben, diese ganzen Funktionen lassen sich nicht immer leicht finden. Wir mussten zum Beispiel per Google herausfinden, wie sich ein Live Photo so bearbeiten lässt, dass man daraus eine Schleife machen kann. Und es dauert eine Weile, bis man zwischen den ganzen Aufnahmefunktionen hin- und herwechselt. Zum Glück ist die Kamera-App nach wie vor leicht zu bedienen, trotzdem kann der Nutzer gefühlt Jahre damit verbringen, um alle Funktionen auszutesten.

Apple-Fans können entweder das beste Propellerflugzeug aller Zeiten kaufen – oder einen Düsenjet

Wie das iPhone X wurden auch das iPhone 8 und 8 Plus als Augmented-Reality-Geräte entwickelt. In dem Punkt trumpfen die Geräte mit ihren schnellen Prozessoren und verbesserten Kameras auf. Wir hatten die Möglichkeit, nur einige wenige AR-Anwendungen zu testen, aber diese funktionierten erstaunlich gut. Unter anderem setzten wir ein überdimensionales Herz in die Mitte unserer Redaktion und dekorierten ein Wohnzimmer mit der IKEA-App neu. Mit The Machines hatten wir den meisten Spaß, einem AR-Spiel, in dem man sich viel bewegen muss, um gegnerischen Truppen auszuweichen.

Sicher, es sieht nicht wahnsinnig elegant aus, wenn ein Smartphone-Besitzer die ganze Zeit im Kreis herumläuft und dabei angestrengt auf den Bildschirm starrt. Aber Apple zeigt in dieser Anfangsphase von Augmented Reality, wie die Zukunft dieser Technologie aussehen könnte. Dabei können wir sagen, dass der Rand des Bildschirms solche Erlebnisse nicht gerade positiv beeinflusst. Er erinnert letzten Endes immer wieder daran, dass man durch ein Telefon schaut. Und ohne die bemerkenswerte Frontkameratechnik im iPhone X ist die Augmented-Reality-Erfahrung nur halb so gut.

Hier kommen wir zum Problem der beiden Geräte iPhone 8 und 8 Plus. Es sind sehr gute und beeindruckende Smartphones, dennoch sind es nicht Apples beste. Das iPhone X zeigt Apples Zukunftsvisionen, aber auch die von Samsung, Essential, Huawei und allen anderen Herstellern. Es ist eine Zukunft ohne Display-Rahmen und mit genügend Kameraleistung für Augmented Reality.

Das iPhone 8 und 8 Plus decken zwar alle Funktionen ab, die Geräte in dieser Preisklasse haben müssen. Trotzdem fühlen sie sich an wie als stünden sie am Ende einer Generation, während Apple und andere Hersteller schon am Anfang einer neuen arbeiten. Wenn ein Smartphone seinen Besitzer über FaceID erkennen und Orte durch Augmented Reality verändern kann, dann verändert es auch unsere Definition des Wortes Smartphone – was es irgendwann sein kann. Diesen Herbst lässt Apple seinen Kunden die Wahl: Entweder sie nehmen Platz im besten Propellerflugzeug aller Zeiten oder sie entscheiden sich für ein Düsenjet.

Wer sich für ersteres entscheidet, sollte sich das iPhone 8 Plus kaufen. Vorausgesetzt, die Größe des Smartphones stört nicht. Denn die bessere Akkulaufzeit gegenüber dem kleineren Modell und die zusätzlichen Kamerafunktionen bieten ein Mehrwert, der zwar bezahlt werden muss, sich aber lohnt. Beide Modelle, sowohl das iPhone 8 und das 8 Plus, sind fantastische Smartphones. Wer allerdings ein Teil der Zukunft sein will, sollte sparen und sich ein iPhone X kaufen. Es kann ab dem 27. Oktober vorbestellt werden. Das iPhone 8 oder 8 Plus ist hingegen bereits ab dem 22. September verfügbar.

WIRED: sehr gute Kamera / das Glas-Design wirkt edel / endlich kabelloses Laden
TIRED: Display-Rahmen / wirkt im Vergleich zum iPhone X veraltet

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com
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