/Design

Was steckt hinter der Stadt aus Papier?

Cindy Michel 11.11.2016

Es gibt keinen Ort auf der Welt, der wie Paperholm aussieht. Ein utopisches Archipel ganz aus Papier – nicht etwa auf der Landkarte zu finden, sondern in Gallerien und Ausstellungsräumen.

„Geplant war das alles nicht“, erklärt Stadtvater Charles Young. „Ursprünglich sollte das Projekt mich nur dazu zwingen, jeden Tag etwas zu produzieren.“ Dann aber konnte der Künstler aus Edinburgh nicht mehr aufhören. Seit August 2014 bastelt er mit Schere und Kleber an einem fragilen Utopia – Häuser, Figuren, Vehikel und Pflanzen. Herauskam eine Stadt aus Papier und Träumen.

In Paperholm gibt es keinen allgemein gültigen Maßstab. Größe ist im Papier-Utopia relativ.

Mittlerweile zählt sein Archipel Paperholm stolze 635 Teile. „Wenn ich mir die Papierstadt heute anschaue, dann ist das für mich wie ein Tagebuch. Ich erinnere mich an fast jeden Gedanken, den ich mir während der Produktion der einzelnen Gegenstände machte“, sagt Young. Pro Stück braucht er, je nach Komplexität,  von 30 Minuten bis zu vier Stunden.

In Paperholm ist die Welt noch in Ordnung. Kaffe gibt es auf jeden Fall in großen Mengen

Einen Masterplan hat der schottische Architekt nicht, weder für das ganze große Archipel, noch für die einzelnen Miniaturen: „Ich versuche, ruhig und überlegt an die Sache heranzugehen, aber schlussendlich sind es meine unmittelbaren Gedanken und das Material, die mich leiten.“ Letzteres ist übrigens immer gleich: Ganz Paperholm baute er aus 200 Gramm schwerem Papier für Wasserfarben, zusammengehalten wird es von Weißleim.

Nebst der Stadt, deren Untergang ein Regenschauer oder ein kräftiger Windstoß wären, gibt es Paperholm auch noch digital zu sehen. Jedes Mal, wenn Young ein Stück fertig gebaut hatte, fotografierte er es oder animierte es analog, um daraus ein Gif zu basteln. Anschließend lud er das Bild auf sein Tumblr-Profil Paperholm

Welche Personen seiner Ansicht nach in diesem Young'schen Utopia leben würden? „Das ist einfach“, meint er. „Die Leute, die sich Paperholm ansehen, füllen es mit Leben – und zwar durch ihre eigenen Vorstellungen und Gefühle.“ Wer Paperholm selbst einmal besuchen möchte, kann dies noch bis 26. November beim NEoN Digital Arts Festival in Dundee, Schottland.

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