/Architektur

Tokio soll das höchste Holzhaus der Welt bekommen

Michael Förtsch 19.02.2018 Lesezeit 2 Min

Moderne Wolkenkratzer sind Konstruktionen aus Stahl, Glas und Beton. Ein 350-Meter-Bau in Tokio soll beweisen, dass es auch anders geht. Das Hochhaus soll nahezu gänzlich aus Holz gebaut werden.

Erst im November 2017 wurde in Vancouver, Kanada ein neuer Rekord aufgestellt. Denn da wurde mit dem Brock Commons Tallwood House das derzeit höchste Holzhaus der Welt eröffnet. Insgesamt 53 Meter ragt das Studentenwohnheim auf dem Campus der University of British Columbia in die Höhe. Diesen Rekord soll ein für Tokio geplanter Wolkenkratzer übertreffen. Denn der vom Forstunternehmen Sumitomo Forestry und dem Architekturbüro Nikken Sekkei konzipierte Wohnturm W350 soll nach seiner Fertigstellung ganze 350 Meter hoch sein. Zu 90 Prozent solle der Bau im Bezirk Marunouchi aus Massivholz bestehen. Lediglich das Kerngerüst und die Rahmenkonstruktion würden mit Stahl verstärkt werden, um für Erdbeben gewappnet zu sein. Letztlich würde das Metall kaum 10 Prozent der Bausubstanz ausmachen.

Die 70 Stockwerke sollen sowohl Wohnungen als auch Büro-, Ladenareale und auch einige öffentliche Räume bieten. In mehreren hohen Atrien mit großen Fensterflächen sollen unter anderem kleine Parks mit Gärten, künstlichen Bächen und Teichen angelegt werden. Das Äußere des Gebäudes soll wiederum von einer gut sichtbaren Gerüst- und Fachwerkstruktur eingefasst sein. An der sollen sich offene Terrassen, verknüpfte Treppengänge und Balkonanlagen entlangziehen. Herausgestellte Etagenbereiche würden zudem mit Blumen, Wiesen und Bäumen begrünt, um sowohl die Luftqualität zu verbessern als auch kleine Erholungsräume zu schaffen.

Der Wolkenkratzer soll beweisen, dass Holz als nachwachsender Rohstoff durchaus auch für derartige Großprojekte ein taugliches Baumaterial darstellt. Dafür würden rund 185.000 Kubikmeter an verschiedenen Holzsorten verarbeitet werden. Wobei die Baukosten mit 600 Milliarden Yen – umgerechnet 4,5 Milliarden Euro – doppelt so hoch ausfallen würden wie bei einem vergleichbaren Stahl- und Betonbau. Fertiggestellt werden soll das W350 erst im Jahr 2041 – nämlich zum 350 jährigen Bestehen des Unternehmens Sumitomo Forestry. Zwischenzeitlich wird der Titel des weltgrößten Holzhochhauses daher an ein Wiener Bauprojekt gehen. Nämlich an das HoHo Wien, das zu seiner Eröffnung in diesem Jahr eine Höhe von immerhin 84 Metern erreichen würde.