/Design

#FASHIONTECH / „Modemacher und Techies müssen kollaborieren“, sagt PREMIUM-Chefin Anita Tillmann

Elisabeth Rank 20.01.2015

Anita Tillmann ist die Chefin der Modemesse PREMIUM, in deren Rahmen heute die #FASHIONTECH-Konferenz stattfindet. Vor ihrer Gesprächsrunde mit Andreas Gebhard vom Mitveranstalter re:publica, Wayne-Anthony Griffiths von Audi und WIRED-Germany-Chefredakteur Nikolaus Röttger haben wir sie gefragt: Was ist der gemeinsame Nenner von Mode und Technologie?

WIRED: Warum veranstaltet man genau jetzt die #FASHIONTECH?
Anita Tillmann: Die Mode-Industrie macht weltweit mehr Umsatz macht als die Auto-Branche, was in Deutschland kaum einer weiß, weil wir hier keine Lobby haben. Deswegen ist die Innovationskraft unserer Branche, auch in Bezug auf Technologie, noch nicht so sehr im Bewusstsein der Menschen angekommen.

WIRED: Warum ist es wichtig, dass sich das ändert? 
Tillmann: Zukünftig werden immer mehr Technologieunternehmen Modelabels und Händler kaufen oder mit ihnen konkurrieren. Nicht umsonst mieten gerade mehrere Tech-Unternehmen Verkaufsplätze auf der Fifth Avenue in New York, die bisher eigentlich vor allem für Mode bekannt ist. Außerdem ist Berlin bekannt als Kreativmetropole und Stadt für digitale Innovationen. Wir wollen beide Branchen vernetzen.

Der Uhrenindustrie wird das gleiche passieren wie der Autoindustrie: Sie muss ihre Statussymbole technologisch aufrüsten.

Anita Tillmann

WIRED: Der Schwerpunkt der #FASHIONTECH sind Wearables, die auch auf der CES in Las Vegas heiß diskutiert wurden. Hinken wir da hinterher? 
Tillmann: Nein, die #FASHIONTECH ist die erste Konferenz, auf der drei große Player aus Kommunikation, technologischem Fortschritt und Mode unter einem Dach zusammenkommen. Alle haben einen großen Wissensvorsprung in ihren Bereichen, davon profitieren alle. Wir wollen dieses Format auch auf der re:publica im Mai und der nächsten Fashion Week im Juli fortsetzen mit einem Lab fortsetzen. Dieses Mal konzentrieren wir uns auf Wearables, weil zum Beispiel die Apple Watch Hersteller wie Rolex extrem in Zugzwang bringt. Auch der Uhrenindustrie wird passieren, was der Autoindustrie schon passiert ist: Sie muss auf den technologischen Zug aufspringen und ihre Statussymbole aufrüsten. 

WIRED: Welche Trends stehen darüber hinaus im Fokus der Konferenz?
Tillmann: 3D ist in allen Bereichen für uns relevant, sei es für die Darstellung von Produkten oder zum Ausdrucken von Prototypen oder Einzelteilen. Personalisierung ist dabei auch ein wichtiges Stichwort. Die Potentiale sind noch lange nicht ausgeschöpft. Allgemein spielt Computerisierung für uns eine große Rolle, denn niemand zeichnet heute mehr Schnittmuster von Hand und Kreativität ist endlich nicht mehr ortsgebunden. Wir designen hier, produzieren dort und verkaufen ganz woanders. Zudem können Menschen grenzenlos zusammen arbeiten oder sich austauschen, wir haben das ja auch bei den Modebloggern gesehen, mit denen wir schon vor einigen Jahren gearbeitet haben und die nun groß im Geschäft sind.

WIRED: Also sollten vor allem Newcomer zur Konferenz kommen? 
Tillmann: Ich hoffe, dass wir mit unserer Konferenz unsere jungen Designer in Berlin dazu bringen, sich dem Thema Technologie stärker anzunehmen. Der Wettbewerb ist hart und junge Designer, die etwas Neues bringen wollen, müssen sich heute ganz anders präsentieren und vielseitigere Skills entwickeln. Junge Designer müssen sich selbst heutzutage auch besser vermarkten und neue Vertriebs- und Kommunikationswege ausprobieren. Dabei hilft das Netz so sehr wie noch nie. Dasselbe gilt für neue Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding. Newbies müssen sich überlegen: Was ist mein USP? Warum sollte mich ein Händler aussuchen? Warum sollte mich ein Unternehmen einstellen? Wer sich neuen Trends nicht zuwendet, ist vollkommen abhängig vom individuellen Geschmack des Händlers. Wer aber neue Technologien nutzt, fällt im Moderummel auf. 

Manchmal sieht Technologie einfach nur cool aus.

Anita Tillmann

WIRED: Wie kann Technologie die Mode befruchten?
Tillmann: Ich empfehle jedem jungen Designer, sich mal mit Techies hinzusetzen. Das ist auf so vielen Ebenen inspirierend: Jacke werden atmungsaktiv oder meine Tasche sendet Signale. Und manchmal sieht Technologie auch einfach cool aus. Hier können alle Newcomer eine Menge lernen. Ich würde Berlin gern in einer Vorreiterrolle sehen, wo tolle Kollaboration von Modemachern und Techies entstehen. 

WIRED: Wie steht’s denn mit den Innovationen aus Deutschland?
Tillmann: Im Bereich Design sind wir eigentlich weit vorne, zum Beispiel bei Autos. Was die Welt noch nicht so auf dem Schirm hat, sind deutsche Modedesigner. Wir wissen alle: Italien steht eher für klassisches Design, Frankreich für Couture. Aus New York kommen tolle Impulse hinsichtlich Fashiontech. Wir wollen heute anstoßen, dass Mode und Technologie in Berlin noch neugieriger und offener aufeinander zugehen, denn eigentlich liegen solche Kollaborationen gerade in dieser Stadt doch auf der Hand.

Eindrücke von der Konferenz:

WIRED war Medienpartner der #FASHIONTECH 2015. Zur Konferenz haben wir ein Interview mit Designforscher Fabian Hemmert geführt, der gerade ein lebendiges Handy entwickelt hat. PREMIUM-Chefin Anita Tillmann erklärt, wo sie die Schnittstelle zwischen Mode und Technologie sieht. Stilnest-CEO Julian Leitloff verrät, wie sein Startup mit 3D-Druckern das Schmuckdesign hacken will. Und Modemacherin Phoebe Hess behauptet: „Farben sind etwas für Leute, die nicht designen können.“ 

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden