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Niedliche Weltenbummler: Hondas Vision vom Reisen im selbstfahrenden Auto

Cindy Michel 27.04.2016

Sie wurden nicht gebaut, um tatsächlich Passagiere durch die Sahara zu transportieren, über Schneeberge der Arktis oder von Insel zu Insel: Die neuesten Konzept-Vehikel von Honda sind nur Modelle – die mit einer imaginären Weltreise zeigen sollen, welches Potential in der Technologie für autonomes Fahren steckt.

„Honda wollte explizit eine Designagentur und kein Studio aus der Automobilindustrie. Und was sie uns dann als Aufgabe präsentiert haben war großartig“, sagt Scott Barwick von dem Londoner Designstudio Map. Denn der japanische Automobilhersteller war nicht etwa auf der Suche nach einem Konzept für ein tatsächliches Auto, als er sich an Map wandte, sondern wollte eine materialisierte Vision davon, welches Potential in der Technologie für autonomes Fahren steckt. Mithilfe von Modellautos.

So sollte Map in dem Projekt Honda. A Great Journey. außergewöhnliche Ideen für selbstfahrende Vehikel konzipieren, die in einer nicht allzu fernen Zukunft Passagiere um die Welt transportieren könnten. „Es gab natürlich einige Einschränkungen für uns, die Fahrzeuge sollten vor allem glaubwürdig sein“, berichtet Barwick weiter. „Unsere sieben Wagen basieren alle auf Honda-Technologie wie etwa dem Gyro-X-Lenksystem, dem humanoiden Asimo-Roboter oder auch dem selbstblancierenden Uni-Cub.“

Doch diese Technologien und den Geist Hondas musste die Designagentur aus London, zu deren Kunden neben Google, Yamaha oder Samsung vor allem innovative Startups gehören, erst einmal kennenlernen: „Unser Besuch in Japan war extrem hilfreich, um Hondas DNA zu verstehen und die Tour durch die 70jährige Designgeschichte der Firma atemberaubend“, erinnert sich Barwick an die Anfänge des Projekts vor knapp einem Jahr.

Die Great Journey folgt einer der ersten Reiserouten der Menschheit, der Migrationsbewegung von Afrika nach Südamerika. Sieben Terrains müssen dabei durchquert werden. Für jedes entwarfen die Produktdesigner ein eigenes, auf die natürliche Umgebung und deren Herausforderungen angepasstes Vehikel.

Als nächstes waren die passionierten Traveller und Backpacker der Agentur gefragt: „Wir wollten mit Honda. Great Journey. ein Gefühl des Reisens vermitteln, es sollte sich so anfühlen, als ob man wirklich unterwegs wäre. Daher brachten wir alle Dinge mit ins Büro, die wir vor allem im Urlaub brauchen. Irgendjemand hat sein Surfbrett als Requisite zur Verfügung gestellt, der andere Ski und Schneeschuhe und ein weiterer Kollege seine Öllampe.“

Zusammen mit der japanischen Kreativagentur Mori Inc. entwarf Map das Konzept für die Grand Journey: Die selbstfahrenden Fahrzeuge sollten den Ursprüngen der Menschheit folgen und den Weg erkunden, den auch die ersten Nomaden während der Great Migration nahmen – von Afrika nach Südamerika

Während ihrer Reise würden die motorisierten Nomaden sieben verschiedene Terrains durchqueren müssen. Für jeden der sieben Etappenabschnitte konzipierten und bauten die Designer ein auf die Umgebung abgestimmtes Modell. „Sechs Wochen lang wurde ein Teil unseres Büros zum Filmstudio mit verschiedenen Miniaturlandschaften“, sagt Barwick.

Die Reise beginnt in der sogenannten Wiege der Menschheit, im Süden Afrikas. Für maximalen Spaß und perfekte Aussicht während der Fahrt durch die Steppe soll dort der Safari Drifter sorgen, ein Camper Van mit schwebender Aussichtsplattform. Als Inspiration für den Wagen diente den Produktdesignern der Honda Vamos aus den 1970ern, der schon früh den für eine derartige Reise nötigen Allradantrieb mit den Bequemlichkeiten eines Campingbusses kombinierte.

Im Gegensatz zu der Hightech-Zukunftsvision Safari Drifter, denn diese macht ihren eigenen Heißluftballon zum perfekten 360°-Aussichts-Mobil. Eine bewegliche Plattform auf dem Busdach wird bei Bedarf zum Ballonkorb. Auf dem Boden kann der Safari-Bus entweder von der Front oder dem Heck aus gesteuert werden und autonome Rasenmäher-Drohnen sollen das Gefährt im Selbsfahr-Modus leiten.

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Die zweite Etappe der Reise führt durch die Wüste. Um das perfekte selbstfahrende Vehikel für das sandige wie steinige Terrain zu entwerfen, orientierten sich die Designer an dem wohl traditionellsten aller Fortbewegunsmethoden in der Wüste, der Karawane.

Der Desert Train besteht daher aus mehreren einzelnen, aber miteinander verbundenen Elementen. Angetrieben wird das Gefährt von Brenstoffzellen. So erklimmt das Fahrzeug die Sandberge zwar nur langsam, dafür aber effizient und sicher. Überschüssiges Wasser wird in Container am Ende des Zuges gefiltert und gespeichert. Nachts verwandelt sich das Gefährt in ein Beduinen-Camp mit gigantischen Lautsprechern. Party on, Desert Train.

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Nur selten bezwingen Automobile mächtige Gebirge wie sie in der dritten Etappe der Route aus dem Boden schießen. Schwere Kästen mit dicken Reifen sind nicht dafür geschaffen, schmale Serpentinen entlang steiler Bergwänden zu passieren – der Mountain Climber aber schon. Wenn dieser aufgebockte Heavy-Duty-Truck an ein Hindernis gerät, über das er nicht mehr walzen kann, nutzt er einfach seine Roboterbeine.

Wie die Zeichentrickfigur Inspector Gadget fährt der Transporter verlängerte Gliedmaßen aus, um über Geröll oder beschädigte Straßen hinweg zusteigen. Während das Äußere des Wagens aus solidem Metall besteht, um Insassen vor Steinschlag zu schützen, erinnert das Innere an ein Chalet: Front und Heck des Transporters bestehen aus transparentem, bruchsicherem Glas aus dem Passagiere in Liegestühlen den Ausblick auf die Berge genießen können. Während sich der Mountain Climber stoisch durch das Geröll fährt.

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Wenn mehrere Inseln nahe beieinander liegen und man einige von ihnen in kurzen Abständen hintereinander bereist, nennt man das Inselhüpfen. Das ist auch die Aufgabe des Amphibienfahrzeugs der vierten Etappe: Island Hopper. Wer von Hong Kong über Japan zur Halbinsel Kamtschatka reisen will, der wird viel an steinigen Stränden, Inseln und auf dem offenen Meer unterwegs sein: Genau dafür wurde das Amphibienfahrzeug entworfen.

In dieses Design hat Map Hondas Expertise aus dem Bereich der Lightweight-Strukturen der Formel Eins einfließen lassen. Angetrieben wird der Inselhüpfer von Solarenergie und sechs Rollen, die im Wasser zu Paddeln werden. Die Überdachung schützt bei Überfahrten oder Angelausflügen vor der Sonne. Romantisch kann es bei nächtlichen Ausflügen mit dem Inselhüpfer werden, wenn man die Seiten der offenen Kabine herunterlässt und Girlanden für eine stimmungsvolle Beleuchtung im inneren Bereich des Fahrzeugs sorgen.

Es gibt nicht viele Fortbewegungsmittel, die der Kälte des ewigen Eises trotzen können. Eines, das sich schon seit Jahrhunderten bewährt ist der Hundeschlitten. Und genau den nahmen sich die Designer von Map zum Vorbild, als sie den Tundra Sled für die fünfte Etappe entworfen haben. Anstatt von Hunden wird er von rollenden Drohnen gezogen, die auf der Technik von Hondas rollendem Hocker Uni-Cub basieren. Durch Gewichtsverlagerung wird dieser gesteuert, das Prinzip ähnelt dem des Segways.

In der luxuriösen Kabine findet der Passagier alles, was er in dem eisigen Terrain brauchen könnte und mehr. So kann er in einem Hot Tub auf dem hinteren Deck entspannen und gleichzeitig durch das integrierte Teleskop Sterne oder auch Eisbären, je nach gusto und Aufenthaltsort, beobachten. Ein Vehikel, das Designer Scott Barwick besonders gerne realisiert sähe: „Den würde ich zu gerne durch Eis und Schnee fahren.“

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Die sechste Etappe der Reise führt über Highways von Alaska nach Mexiko führen. Glatter Asphalt unter den Gummireifen und eine wunderbare Aussicht entlang der Küste Kaliforniens schreien förmlich nach Urlaub und Strand. Dieses Gefühl soll auch in dem Road Tripper vermittelt werden.

Hondas autonome Fahrtechnologie sowie eine Gyrolenkung sorgen für eine angenehm sanfte Fahrt, bei der der Passagier die Aussicht sowie das an-Board-Café genießen kann. Das aerodynamische Rohr aus Glas und Edelstahl wurde von der ikonischen Form der Honda Formel-Eins-Wagen der 1960er beeinflusst. Die Fenster klappen herunter für ein abendliches BBQ am Strand.

Durch den Dschungel nach Brasilien, so verläuft der letzte Teil der Great Journey, die Straßen eine gute Mischung aus aufgebrochenem Asphalt, überwucherter Pfade und schmaler Wege durch den dichten Regenwald. Damit kann es der Jungle Jumper nicht nur aufnehmen, sondern gleichzeitig seine selbst geschlagene Schneise wieder renaturieren.

Während der Pick-up mit sechs Rädern über Stock und Stein fährt, streut seine eigene Saatgutmaschine hinter ihm. Auf der Ladefläche des Pickups befindet sich eine Wohneinheit, die bei Bedarf ausgefahren wird. Hoch zwischen den Bäumen, geschützt vor wilden Tieren, schlafen wohnen und leben die Passagiere, ihr Horizont der Himmel über dem Regenwald.

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