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So schön können Schmerzmittel unter dem Mikroskop aussehen

Benedikt Plass-Fleßenkämper 14.12.2016

Tabletten haben optisch auf den ersten Blick wenig zu bieten – sie sind eben meist klein, weiß und rund. Wenn der Fotograf Peter Juzak die Pillen mithilfe eines Mikroskops ablichtet, entstehen jedoch psychedelische Kunstwerke.

Medikamente in Tablettenform gehören für uns zum Alltag. Die wenigsten dürften sich beim Einwerfen von Paracetamol, Vitamin C und Co. jedoch bewusst sein, dass sie gerade kleine Kunstwerke mit einem Glas Wasser herunterspülen. Um das zu erkennen, bedarf es nämlich einiger technischer Hilfsmittel und Vorbereitungen: Entsprechend aufbereitet und durch ein hochauflösendes Mikroskop betrachtet, offenbaren die Pillen eine psychedelische Welt voller Farben und Formen.


Eine Welt, die den in Hannover lebenden Fotografen Peter Juzak seit mehr als 30 Jahren in ihren Bann zieht. Über 40 unterschiedliche Substanzen hat der 56-Jährige mithilfe von Mikroskop-Fotografie abgelichtet – darunter Harnstoff, Menthol, Vitamin C und Paracetamol. Das Ergebnis erinnert nicht ansatzweise an das schnöde Äußere farbloser und in feste Formen gepresster Medikamente. Die seitlich mit polarisiertem Licht angestrahlten Mikrokristalle erzeugen Reflexionen in den unterschiedlichsten Farben und Formen. Diese fängt Juzak mithilfe einer Sony-Spiegelreflexkamera ein.

Mit dieser Apparatur fertigt Peter Juzak seine Mikroskop-Fotos an

Damit die Chemikalien in dieser Pracht erstrahlen, betreibt er einigen Aufwand. Um beispielsweise Paracetamol ins rechte Licht zu rücken, zermahlt der gelernte Buchbinder die einzelnen Tabletten und erhitzt sie, um Füllstoffe zu lösen und die Grundsubstanz kristallisieren zu lassen. Dieser Prozess kann zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen dauern. Haben sich die Kristalle einmal gebildet, platziert Juzak sie auf einem Objektträger und betrachtet diesen durch ein JENALB-Pol Polarisationsmikroskop, an das seine Kamera gekoppelt ist. Ein Objektträger bietet Material für mehrere Hundert Fotos.

Diese veröffentlicht der Fotograf in Serien, sortiert nach der jeweiligen Substanz. Ein Aufwand, der sich lohnt und nicht nur Chemiker begeistert. In diesem Jahr erhielt Juzak für seine Mikroskop-Aufnahme von Schwefelkristallen in polarisiertem Licht die Auszeichnung Bestes Bild des Jahres in der Kategorie Natur- und Kunstfotografie von der California Academy of Sciences.

Juzaks preisgekröntes Bild von Schwefelkristallen

Die Arbeit mit den winzigen Kristallen erfüllt auch einen ganz persönlichen Zweck für Juzak. Der Fotograf bezeichnet den Anblick der kaleidoskopartigen Farbwelten als anregend. „Sie beflügeln meine Vorstellungskraft und erweitern den Verstand“, sagte Juzak gegenüber WIRED US. „Ich bin fasziniert von der endlosen Auswahl an Farben und Formen. Für mich ist das wie eine Reise durch die Unendlichkeit des Weltalls.“

Weitere Bilder aus Juzaks Paracetamol-Serie:

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