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Das MOMA in San Francisco stillt die Sehnsucht nach Kunst mit einer SMS

Cindy Michel 14.07.2017

Kunst-on-Demand für unterwegs bietet das San Francisco Museum of Modern Art: Wer an die 57251 simst, bekommt das Foto eines Kunstwerks zugeschickt. Das Projekt „Send Me SFMOMA“ ist so erfolgreich, dass es vielleicht schon bald über die Grenzen der USA expandiert.

Es gibt Textnachrichten, die man lieber gelassen hätte. Etwa jene, die man spät nachts nach ein paar Bieren zu viel an den Ex-Partner verschickt oder die, in denen man sich mit dem x-ten Jetzt-wirklich-das-letzte-Emoji verabschiedet. Und dann gibt es Textnachrichten mit echtem Mehrwert: Wer (in den USA) eine SMS an die 57251 schickt, erhält nicht nur immer eine Antwort, sondern immer auch eine, die bereichert: Kunst. 

Und zwar ein Foto eines Kunstwerks, das im San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA) ausgestellt wird. Eine Art Bot sucht es nach Stichworten in der SMS aus. Man schreibe also „Send me ...“ gefolgt von einem Schlagwort, einer Farbe oder einem Emoji an die fünfstellige Nummer. Das SFMOMA liefert die Aufnahme eines Stückes aus seiner aktuellen Sammlung inklusive Werktitel, Künstlername sowie Entstehungsjahr. Ein Video auf der Webseite des Museums zeigt, wie das auf dem Display aussehen kann: Da sendet ein User eine SMS mit dem Text „Send me something pink“ und erhält umgehend ein Foto des „Hermann Miller Summer Picnic poster“ von Stephen Frykholm. 

So zugänglich kann Kunst sein: Einfach eine SMS mit dem Text „Send me...“ plus einem Schlagwort an das SFMOMA senden und Kunst aus der aktuellen Sammlung aufs Mobiltelefon geschickt bekommen.

Das Procedere ist simpel: Mitarbeiter des SFMOMA haben alle Aufnahmen der Werke in ihrem Datenarchiv mit Stichwörtern versehen. Wenn der Bot also eine Anfrage via SMS erhält, schickt er das angegebene Schlagwort durch den Datensatz des SFMOMA-Archivs, bis er eine Übereinstimmung gefunden hat. Mit dieser antwortet er dann.

„Sende mir etwas mit Sonnenschein.“ Ob der User bei dem Schlagwort dieses Bild erwartet hat? 

Die dafür notwendige API oder Programmierschnittstelle entwickelte Jay Mollica, Kreativ-Technologe des SFMOMA. Mit Send Me SFMOMA wolle er nicht nur die Sammlung des Museums transparenter machen, sondern auch die öffentliche Diskussion über Kunst anregen, schreibt er auf der Webseite. Das Projekt sei „ein SMS-Service, der eine leicht zugängliche, persönliche und kreative Methode bietet, die ganze Bandbreite unserer Sammlung mit der Öffentlichkeit zu teilen“, so Mollica.   

Und diese Bandbreite ist enorm: 34.678 Werke umfasst die aktuelle Sammlung des Museums in Kalifornien wovon aus Platzgründen aber immer nur etwa fünf Prozent gleichzeitig ausgestellt werden können. Würde man alle Exponate, die aktuell in Galerien zu sehen sind, nebeneinander in einer Reihe aufstellen, wäre diese knapp elfeinhalb Kilometer lang, erklärt Mollica weiter. Würde man dies mit der kompletten Sammlung tun, würde die Straße aus Kunst 200 Kilometer messen.

Erst im vergangenen Jahr eröffnete das umgestaltete und mit neuem Anbau versehene Museum of Modern Art in San Francisco.  Es verfügt über eine Ausstellungsfläche von 16.000 Quadratmetern.

Mit Send Me SFMOMA haben Nutzer die Möglichkeit, eben auch jene Stücke zu bewundern, die aktuell nicht öffentlich zu sehen sind – ganz unkompliziert von unterwegs aus, in der U-Bahn oder im Imbiss beim Mittagessen auf ihrem Handy. 

Nach dem offiziellen Projektstart am 16. Juni habe das SFMOMA bis Anfang dieser Woche bereits über 385.000 SMS mit Kunst beantwortet, berichtet das Internetportal Vox. Diese hohe Nachfrage habe die Erwartungen des Museums um ein Vielfaches übertroffen, Ziel sei es gewesen, bis Ende des Sommers etwa 100.000 Anfragen erhalten zu haben. 

Auf Nachfrage von WIRED bestätigt die Pressestelle des SFMOMA den Erfolg des Projekts, das aktuell nur in den USA verfügbar ist. Doch das könnte sich schon bald ändern: „Die Resonanz war weltweit so positiv, dass wir gerade überlegen, ob und wie wir die Reichweite von Send Me SFMOMA vergrößern können.“   

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