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Dieses futuristische Windrad ist Luxusunterkunft und Energielieferant in einem

Marius Münstermann 27.02.2015

Sauberer Strom aus Windkraft scheitert vielerorts am Widerstand von Anwohnern, die befürchten, dass Windräder die Landschaft verschandeln würden. Viel besser dürfte bei diesen Menschen das Dutch Windwheel ankommen — ein Windrad, in dem man wohnen kann. Die Entwickler wollen ihren Entwurf sogar zum neuen Wahrzeichen der Hafenstadt Rotterdam machen.

Das Dutch Windwheel unterscheidet sich nicht nur im Aussehen von herkömmlichen Windrädern. Das Herzstück der 174 Meter hohen Konstruktion, die eher an ein Riesenrad mit zwei ineinander gelegten Ringen erinnert, ist der Electrostatic Wind Energy Converter (EWICON), eine Entwicklung der Technischen Universität Delft. Das Besondere daran: Die Energieerzeugung funktioniert ohne mechanische Energie, wie sie in herkömmlichen Windrädern mithilfe eines Rotors erzeugt wird. Der Vorteil: ohne Rotation keine Lärmbelästigung.

Für den EWICON wird Salzwasser mit Elektroden unter Hochspannung gesetzt. Kleine Düsen versprühen dann die geladenen Wassertropfen, die vom Wind aufgenommen werden, wenn er in das Rad bläst. Dadurch entsteht ein Spannungsunterschied, der für die Stromerzeugung genutzt werden kann.

 

 

Zusätzlich trägt der Wind die Wassertropfen in ein elektrisches Feld, das sich zwischen dem inneren und dem äußeren Ring des Windrades befindet. Hier drückt der Wind die positiv geladenen Wassertropfen entgegen der negativ geladenen Elektrode, von der sie normalerweise angezogen würden. Dadurch erhöht sich die Energie der Wassertropfen, welche dann in elektrische Energie umgewandelt wird. Die Details des Systems erklären die Delfter Wissenschaftler in diesem Video:

In kleinen Versuchsreihen hat sich dieses Konzept schon bewährt — allerdings mit einem bisher sehr niedrigen Wirkungsgrad (zwischen 1 und 7 Prozent). Die Forscher sagen jedoch, mit weiteren technischen Nachbesserungen einen Wirkungsgrad von 25 bis 30 Prozent erreichen zu können — was immer noch weniger wäre als bei konventionellen Windrädern, die bis zu 45 Prozent erreichen.

 

Zusätzlichen Strom sollen deswegen Solarzellen auf der Oberseite des Rades erzeugen. Das Energiekonzept sieht außerdem vor, das abperlende Regenwasser aufzufangen und die Abfälle zur Biogaserzeugung zu nutzen. Ein Problem stellt dabei jedoch die Entsorgung des anfallenden Meersalzes dar.

Doch das Dutch Windwheel soll ohnehin mehr können, als nur Strom zu erzeugen. Sein äußerer Ring soll tatsächlich wie ein Riesenrad funktionieren. Aus 40 rotierenden Kabinen hätten Besucher einen beeindruckenden Blick auf den Rotterdamer Hafen. Die geplante Lage direkt am Hafenbecken würde es ermögliche, die Kabinen ins Wasser eintauchen zu lassen. Im Inneren des kleineren Rings sollen außerdem 72 Appartments, 160 Hotelzimmer, verschiedene Geschäfte und ein Restaurant Platz finden.

Der Vorschlag für das Dutch Windwheel stammt von einem Konsortium der niederländischen Unternehmen BLOC, DoepelStrijkers, Meysters und NBTC Holland Marketing. Sie hoffen auf Unterstützung durch die Politik. Eine Kostenschätzung haben die Projektpartner bisher allerdings noch nicht vorgelegt.

In ihrem Konzept rechnen sie damit, dass die Einnahmen durch die geschätzten 1,5 Millionen Besucher pro Jahr das Windrad binnen zehn Jahren refinanzieren würden. Der leitende Architekt Duzan Boepel hofft, das Dutch Windwheel bis 2025 bauen zu dürfen.