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Diese Firmen tüfteln an den Sneakern von morgen

Helena Kaschel 23.09.2016

Fast dreißig Jahre hat es gedauert, jetzt wird der legendäre Sneaker aus „Zurück in die Zukunft II“ endlich Realität: Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft bringt Nike den selbstschnürenden HyperAdapt 1.0 auf den Markt. Doch die Konkurrenz ist groß.

Nike

„Power-lacing“ – so nannte Marty Mcfly die intelligente Schnürtechnologie seiner futuristischen Sneaker in Zurück in die Zukunft II. Das war 1989. Vergangenen Herbst kündigte Nike dann an, tatsächlich einen solchen selbstschnürenden Schuh auf den Markt zu bringen. Der HyperAdapt 1.0 ist mit einer Leuchtfunktion und Sensoren ausgestattet, die den Fuß beim Anziehen „spüren“. Mithilfe eines batteriebetriebenen Systems zieht der Schuh automatisch die Schnürsenkel zu, das Nachjustieren funktioniert über zwei Knöpfe. Seinem Namen entsprechend passt sich der Schuh nach einiger Zeit exakt den Bedürfnissen des Trägers an. Optisch ist er dem Nike Mag Sneaker aus dem Kultfilm nicht besonders ähnlich. Fans des klobigen Retro-Looks werden eher bei Digitsole fündig. Verkaufsstart für den Nike HyperAdapt 1.0 ist in den USA der 28. November. Allerdings gibt es die Sneaker nicht einfach so im Laden zu kaufen, sondern nur mit Termin bei Nike.

ShiftWear

Ein Paar Sneaker kaufen, tausende besitzen – das ist das Konzept von ShiftWear. Das Unternehmen setzt auf Personalisierung und verspricht auf seiner Webseite, dem Nutzer „absolute kreative Kontrolle“ zu geben. Der von dem New Yorker Startup entwickelte Schuh kann auf einem stromsparenden E-Ink-Display mit Hilfe einer App alle erdenklichen Farben und Designs abbilden. Die Mikro-LED-Displays sind wasserdicht, die Batterien werden beim Laufen aufgeladen. Auf Indiegogo sammelte ShiftWear Ende 2015 fast eine Million Dollar ein. Die drei Modelle des Chamäleon-Sneakers sollen Anfang 2018 auf den Markt kommen. Die Exemplare zum Vorbestellen sind schon ausverkauft.

Vixole

Mit eingebautem Farbdisplay punktet auch der Sneaker-Prototyp von Vixole. Das ebenfalls in New York ansässige Startup verkauft sein Produkt als „individualisierbaren E-Sneaker“. Mit Vibrationen meldet der Schuh seinem Träger eingehende Social-Media-Benachrichtigungen, Anrufe und E-Mails. Die Funktion dient auch als Navigator: Benutzt man Google Maps mit dem Vixole-Schuh, teilt er einem mit, wohin man abbiegen soll, indem entweder die linke oder die rechte Sohle vibriert. Am meisten dürften sich Pokémon-Go-Spieler über den Sneaker freuen: Er kann mit der Augmented-Reality-App synchronisiert werden und leuchtet und vibriert, sobald ein Pokémon in der Nähe ist. Die Indiegogo-Kampagne zur Finanzierung der Produktion läuft im Oktober an.

Samsung

Mit IOFIT nimmt Samsung Sportler ins Visier. Das unternehmenseigene Startup Salted Venture stellte den Turnschuh erstmals im Februar 2016 auf dem Mobile World Congress in Barcelona vor. In erster Linie ist er ein Fitness-Tracking-Wearable: Eingebaute Sensoren übermitteln dem Träger in Echtzeit Daten auf ein Smartphone oder Tablet. Dabei geht es etwa um den Druck, der an verschiedenen Stellen des Fußes ausgeübt wird. Besonders Golfer profitieren von den Informationen, indem sie ihr Training zum Beispiel in puncto Gleichgewichtsverlagerung optimieren können. Für den smarten Fitness-Schuh sammelte Salted Venture auf Indiegogo mehr als 100.000 Dollar ein. Ab Februar 2017 ist das Modell im Handel erhältlich.

Lenovo

Dass nicht nur Startups und Schuhhersteller ein Auge auf den Smart-Sneaker-Markt geworfen haben, zeigt neben Samsung aktuell auch Lenovo. Anfang Juni stellte der chinesische Computerhersteller in San Fransisco einen intelligenten Laufschuh vor. Die Innensohle kommt aus dem 3D-Drucker, die Außensohle stammt vom italienischen Hersteller Vibram, der eingebaute Tracking-Chip von Intel Curie. Wie die meisten gängigen Wearables zählt der Laufschuh zurückgelegte Schritte und verbrannte Kalorien, interessanter ist aber die Option, beide Schuhe als Controller für ein mobiles Endless-Runner-Game zu benutzen. Aufladen lassen sie sich, ähnlich wie andere Smart-Schuhe, kabellos auf einem Charging Pad. Noch hat das Modell keinen Namen, bisher gibt es nur einen Prototypen.

Lechal

Mit Lechal gehört das indische Unternehmen Ducere Technologies inzwischen zu den Pionieren der Szene. Schon 2010 zeichnete Anirudh Sharma, damals noch bei HP, eine Skizze des Schuhs, der ursprünglich blinden oder sehbehinderten Menschen helfen sollte, sich zurechtzufinden. Heute bietet Lechal zwei Produkte für Nutzer mit und ohne Sehbehinderung an: Smarte Einlegesohlen, die in jeden Schuh passen, und einen kompletten Smart Shoe. Per Bluetooth lassen sich beide Produkte mit Smartphones und Tablets verbinden und bieten neben Fitness-Tracking vor allem die Möglichkeiten der freihändigen Navigation an. Wie auch der Smart-Sneaker von Vixole zeigen die Lechal-Sohlen und -Schuhe durch Vibrationen in der Sohle den Weg. Seit 2014 sind beide Produkte auf dem Markt.

Easyjet

Dieses Jahr stieg auch die erste Fluglinie in den Smart-Sneaker-Markt ein. Dass es sich dabei ausgerechnet um die Billig-Airline Easyjet handelt, ist nicht verwunderlich. Das britische Unternehmen zeigte sich schon in der Vergangenheit innovationsfreudig, etwa mit der Idee, Wasserstoff als Treibstoff zu benutzen oder Flugzeuge per Drohne zu inspizieren. Die Sneakairs von Easyjet aus dem 3D-Drucker sind mit GPS-Sensoren ausgestattet, lassen sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden und sollen Touristen bei der Navigation in fremden Städten helfen. Wie die Schuhe von Vixole und Lechal zeigen sie dem Träger durch Vibrationen in der Sohle, in welche Richtung er abbiegen soll. Noch stecken die Schuhe im Prototyp-Stadium, irgendwann will Easyjet sie aber an Bord an Fluggäste verkaufen.

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