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Bei Nike designt die KI den Laufschuh

Matt Burgess / WIRED UK 25.01.2018 Lesezeit 3 Min

Jede Größe des "Epic React Flynit" von Nike hat eine unterschiedliche Sohle. Verantwortlich dafür ist eine Künstliche Intelligenz. Sie soll bessere Schuhe als der Mensch designen.

Während ihrem 100-Meter-Lauf bei der Olympiade 2016 trug Shelly-Ann Fraser-Pryce ein Paar ungewöhnliche Turnschuhe. Im Gegensatz zu herkömmlichen Laufschuhen hatten die Zoom Superfly Elites keine Stollen – stattdessen war das Profil aus einem einzigen Stück Plastik gegossen. Die Schuhe waren deshalb auch leichter als andere Modelle und trugen so dazu bei, ihre Trainingszeit um ein paar wenige Millisekunden zu senken.

Fraser-Pryces Laufschuhe gehörten zu Nikes ersten Schuhen, die mit einem Algorithmus designt wurden. Bisher war diese Technologie allein Profis vorbehalten, aber jetzt wird sie auch für Hobby-Sportler zugänglich. Jeder kann heute ein paar Schuhe tragen, das von einem Computer entwickelt wurde.

„Alle Texturen, die du auf dem Schuh siehst, werden berechnet“, sagt Bret Schoolmeester, Nikes Senior Director für Global Running Footwear. „Wir fangen mit etwas an, das wir den Umschlag nennen, eine allgemeine Form, der wir dann nach und nach Texturen hinzufügen.“

Der neue Schuh von Nike heißt Epic React Flyknit. Es ist der erste im Handel verfügbare Laufschuh mit dem neuen React-Schaum. Der Schuh ist damit ein direkter Konkurrent zu Adidas' Ultra Boost. Der größte Unterschied: Nike hat den Schaum direkt auf der Unterseite des Schuhs.

Der Aufbau der Sohle ist entscheidend: Der Schaum an der Unterseite kommt in direkten Kontakt mit dem Boden und ist nur an der Vorder- und Rückseite mit einer Gummiverstärkung ummantelt. Im Inneren wölbt sich der Schaum dann in Blasen und Rinnen nach oben zur Fußsole. Der Aufbau wurde von einer Künstlichen Intelligenz designt.

„Mit diesem Werkzeug können wir Konzepte entwickeln, auf die ein menschliches Gehirn nicht kommt und die eine menschliche Hand nicht zeichnen kann“, sagt Schoolmeester. Beim algorithmischen Design gehe es darum, Daten in Strukturen umzuwandeln, und dem System zu sagen, was die Ziele dabei sind.

„Für Rio war das Ziel: leicht, dünn und simpel. Hier ist die Fußplatte, los!“, sagt Schoolmeester. „Für den Epic React Flyknit war das Ziel: weich, Reibung und Stabilität.“ Jede Größe des Schuhs sei dabei einzeln berechnet worden. Es gebe Unterschiede bei der Tiefe der Rillen und den Texturen zwischen einer Größe 10 für Männer und einer Größe 5 für Frauen, sagt Schoolmeester. Die Aufgabe des Computers dabei: Mit der richtigen Struktur des Schaums den Aufprall auf dem Boden besser abzufedern.

Ein Design per Algorithmus wird immer beliebter in der Industrie. Mit dieser Technik kann das Gewicht von Materialien gesenkt und komplexere Strukturen geschaffen werden. Außerdem ist es meist günstiger als menschliche Handarbeit. Ganz neu ist diese Idee nicht: Bereits in den 1960ern forschte die amerikanische Carnegie Mellon University auf diesem Gebiet. Was aber dem Thema einen Schub gegeben hat, sind moderne Machine Learning Algorithmen und Künstliche Intelligenz. Damit können auch große Datenmengen schnell verarbeitet werden.

In seinem alljährlichen Tech- und Design-Report schreibt John Maeda, dass sich Produkte durch algorithmisches Design kontinuierlich weiterentwickeln können und dass das auch für den Massenmarkt funktioniere. Maeda ist ehemaliger MIT-Professor und Chef-Computerdesigner bei Automattic, der Firma hinter der Website-Software Wordpress.

Nike benutzte eine ähnliche Methode bereits in der Vergangenheit für T-Shirts und sucht derzeit einen Product Director, der diesen Ansatz weiterentwickeln soll. Und durch diese neue Technologie könnte der Job des Designers sich grundlegend verändern: „Unsere Designer brauchen keine Pause mehr, sie sind jetzt die Software“, sagt Schoolmeester. „Sie haben jede Minute eine neue Idee.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.uk
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