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Diese KI-Kunstwerke zeigen Menschen, die ihre Arbeit an KIs verlieren

Michael Förtsch 29.06.2017

Der Künstler Matty Mo arbeitet sich an der Popkultur- und Tech-Branche ab. Nun erstellte er mit einer Künstlichen Intelligenz zahlreiche Portraits. Seine letzte Ausstellung zeigt diejenigen, die ihre Jobs wohl an diese Technologie verlieren werden. 

Bevor Matty Mo Künstler wurde, hat er in mehreren IT-Unternehmen gearbeitet. Dann begann er, auf Flohmärkten Gemälde aufzukaufen, die er mit den Logos großer Marken und Konzerne verzierte. Mit seinen seinerzeit 90.000 und nunmehr 165.000 Instagram-Followern rechtfertigte er bei einer Galerie, warum er eine Ausstellung verdient habe.

Später kuratierte er das Kunst-Event Kanye Loves Kanye, das dem bekannten wie gerne belächelten Rapper Kanye West gewidmet war oder strich für The Pink House einen abrissreifen Wohnkomplex komplett in rosa. Mit seiner letzten Ausstellung Artificial Intelligence: The End of Art As We Know It, die nur einen Tag andauerte, widmete er sich dem technologischen Fortschritt und wie er die Arbeits- und Kunstwelt verändern wird.

Mittels einer eigens entwickelten Künstlichen Intelligenz, die gleich der App Prisma verschiedene Stile der Kunstgeschichte emulieren kann, erstellte er aus Fotografien zahlreiche Portraits. Darunter sind Mark Zuckerberg, Elon Musk und Kim Kardashian. Aber auch namenlose Piloten, Taxifahrer, Fabrikarbeiter oder Kunsthändler sind dabei. Das Leben all jener, sagt Matty Mo, würde „von Künstlicher Intelligenz beeinflusst“. Einige treiben ihre Evolution voran. Viele andere würden in Zukunft ihren Beruf an Roboter, clevere Computersysteme und Automatisierungstechnologien verlieren.

Der Stil, in dem die Portraits gehalten sind, ist dabei bewusst an die Rasterwerke von Chuck Close angelehnt. Der Künstler leidet seit 1988 an einer rechtsseitigen Querschnittslähmung. Er entwickelte jedoch Methoden, um sich an diese Einschränkung anzupassen und weiterarbeiten zu können.

Zur Entwicklung der Kunst-KI habe Matty Mo seit Anfang 2017 mit einer „anonymen Gruppe von Hackern“ zusammengearbeitet. „Das ist die Zukunft der Kunst und wir sind ganz vorne mit dabei“, sagt Mo.

Kunstschaffende hätten sich schon immer den Werkzeugen ihrer Zeit bedient, um Geschichten zu erzählen oder Debatten anzustoßen. In diesem Fall sei das nicht anders. Wobei die Grenze zwischen „die KI unterstützt den Künstler“ und „der Künstler unterstützt die KI“ verschwimme. Die Welt entwickle sich hin zu einer Gesellschaft, in der der Mensch lediglich als Kurator agiert und Roboter zu schaffenden Kräften werden, die taktisch und überlegt Kunstwerke kreieren.

Matty Mo wird am 13. Juli auf der Konferenz Tech Open Air in Berlin auftreten und einen Vortrag zu seiner Karriere und dem Wandel der Kunstwelt halten.

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