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Hängen Windturbinen bald unter Brücken?

Benedikt Plass-Fleßenkämper Dienstag, Januar 12, 2016

Windkraft ist mittlerweile eine der wichtigsten Stromquellen. Doch die gewaltigen Windparks verschandeln vielerorts die Landschaft. Ein Baukonzept aus Italien sieht vor, Windkraftanlagen unter Brücken anzubringen.

Windkraft gehört zu den wichtigsten und saubersten Energiequellen für die Zukunft: Allein im Jahr 2015 erzeugten Windkraftwerke zwischen der Nordsee und den Alpen insgesamt 85,4 Milliarden Kilowattstunden. Im vergangenen Dezember war Windkraft in Deutschland sogar erstmals die wichtigste Energiequelle zur Stromerzeugung — noch vor Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie.

Windparks kosten jedoch Platz und sind Naturschützern oft ein Dorn im Auge. Außerdem klagen Anwohner nicht selten über durch den Infraschall der Windräder verursachte gesundheitliche Probleme, etwa Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel oder Stimmungsschwankungen. Das in Rom ansässige Architekturbüro Coffice hat bereits 2010 ein neues Baukonzept präsentiert, in dem Windkraftwerke ihren Platz unter baufälligen Brücken finden könnten. Die Designer erreichten damit den zweiten Platz in der Solar South Park Online Competition. In Italien ist ihr Projekt aus Kostengründen nicht umgesetzt worden, jetzt wollen sie es in anderen Ländern versuchen.

„Anstatt alte Brückenkonstruktionen abzureißen, könnte man ihnen so ein zweites Leben schenken“, erklärt Architekt Francesco Colarossi. Die Turbinen könnten vollständig in die Brücken und somit auch ins Landschaftsbild integriert werden. Das Konzept sieht zudem vor, Solarzellen und Gewächshäuser an der Oberfläche der Brücken anzubringen. Auf diese Weise könnten laut Colarossi bis zu 5.000 Haushalte mit umweltfreundlicher Energie versorgt werden.

Ein ähnliches Konzept wurde im Sommer 2015 bereits für die Juncal-Brücke auf Gran Canaria vorgestellt. Hier sollen zwei gleich große Windräder mit einer Leistung von je 0,25 Megawatt den Energiebedarf von 450 bis 500 Haushalten decken und jährlich 140 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Coffice hofft nun, mit der innovativen Idee im Ausland durchstarten zu können.