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Sind runde Flughäfen die Zukunft der Luftfahrt?

Michael Förtsch 24.03.2017

Der niederländische Forscher Henk Hesselink will die Art und Weise verändern, wie Flughäfen gebaut werden. Die schnurgeraden Start- und Landebahnen sollen verschwinden und Platz machen für einen riesigen Kreisverkehr der Flugzeuge.

Wird ein neuer Flughafen geplant oder ein bestehender ausgebaut, ist das fast immer ein Streitthema. Schließlich sind Flugplätze echte Platzfresser. Schuld daran sind nicht zuletzt die Start- und Landebahnen, die mit den immer größeren Passagiermaschinen immer länger werden. Henk Hesselink, Forscher am niederländischen Nationalen Luft- und Raumfahrtlabor, will für dieses und noch einige andere Probleme der modernen Luftfahrt eine verblüffend einfache Lösung gefunden haben: Mit seinem Projekt The Endless Runway will er dafür sorgen, dass die Flughäfen der Zukunft nicht mehr mehrere, sondern nur noch eine Start- und Landebahn brauchen. Diese soll kreisrund verlaufen und das zentrale Flughafengelände mit den Terminals umschließen.

Mindestens 3,5 Kilometer soll eine solche Kreislandebahn durchmessen und eine geschlossene Länge von mindestens elf Kilometern aufweisen. Aber praktisch ist sie natürlich unendlich: Egal wie viel Weg ein Flugzeug zum Abheben braucht, es könnte starten. „Die Idee ist, dass jedes Flugzeug an jeder Stelle des Kreises aufsetzen und abheben kann“, sagt Hesselink.

Die Bahn wäre leicht nach innen geneigt, wie eine NASCAR-Rennstrecke

Bei der kleinsten Variante wären durchgehend bis zu drei Flugzeuge gleichzeitig auf der Bahn unterwegs. Über zahlreiche Ausfahrten, die stern- oder schleifenförmig an das Rund anschließen, könnten sie ohne große Verzögerung direkt ans Terminal oder die Wartungsareale fahren. Dadurch würde unnötiges Rangieren wegfallen und Treibstoff gespart.

Anders als bestehende Start- und Landebahnen wäre der breite Asphaltkreis jedoch nicht ganz ebenerdig. Stattdessen soll er, ähnlich den Rennstrecken der NASCAR-Serie, leicht nach innen geneigt sein. Die Flugzeuge würden also gekippt aufsetzen. „Es wird sich wie ein Kurvenflug in der Luft anfühlen“, sagt Hesselink. Dadurch würde auch das Problem der gefährlichen Seitenwinde gelöst. Die Böen würden einfach über die eigentliche Bahn hinwegfegen und besonders betroffene Abschnitte könnten problemlos gemieden werden. YouTube-Videos von Beinahekatastrophen durch die sogenannten Crosswinds brachten Hesselink überhaupt erst auf die Endless-Runway-Idee.

Laut dem Forscher und seinen Unterstützern würden Flughäfen durch die runden Bahnen simpler und effektiver. Allerdings gibt es durchaus Kritik und Zweifel, etwa daran, wie sicher ein geneigtes Aufsetzen wäre und ob aktuelle Flugzeuge dabei nicht Schaden nehmen könnten. Auch würde dadurch mit zahlreichen bewährten Methoden in der Koordination des Luftverkehrs gebrochen. Die Europäische Union, das DLR und verschiedene Institute aus Frankreich, Spanien und Polen unterstützen allerdings trotzdem die Erforschung der Idee – die nicht ganz neu ist. Schon in den 1960ern erprobte das US-Militär eine runde Start- und Landebahn. Allerdings blieb es bei einem Versuch, der zeigte, dass Piloten das neue Verfahren zu viel Eingewöhnung kostet.

Aktuell testen Hesselink und sein Team das Rundbahnkonzept in professionellen Flugsimulatoren, die unterschiedliche Wind-, Wetterbedingungen aber auch  Notlandungen und andere Extremsituationen nachstellen. Anschließend sollen auf einer realen Bahn Probeflüge mit Drohnen durchgeführt werde. „Nicht kleine Quadrocopter, sondern welche mit festen Flügeln“, erklärt Hesselink. „Nach diesen Tests folgen bemannte Flüge und danach wäre es gut, eine echte Landebahn zu entwickeln.“ Laut dem Luftfahrforscher dauert all das wohl noch einige Jahrzehnte. Ein erster Flughafen mit einer runden Bahn wäre vielleicht im Jahr 2050 denkbar.

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