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Ein Startup aus Kenia will die Running-Kultur des Landes in einem Laufschuh ausdrücken

Benedikt Plass-Fleßenkämper 25.05.2016 Lesezeit 4 Min

Die besten Läufer der Welt kommen aus Kenia, doch die von ihnen benutzten Schuhe produzieren große Unternehmen wie Adidas oder Nike. Das will das kenianische Startup Enda nun ändern: Es entwickelt einen Hightech-Laufschuh, in den die Erfahrungen und der Spirit afrikanischer Athleten einfließen und der langfristig komplett in Kenia gefertigt werden soll. Ziel ist es, eine ernsthafte Laufschuh-Alternative zu etablieren und neue Arbeitsplätze im Land zu schaffen. 

Ob Marathon-Weltrekordhalter Dennis Kimetto oder Top-Athleten wie Eliud Kipchoge und Jemima Sumgong, die vergangenen Monat den renommierten London-Marathon für sich entscheiden konnten: Die Läufer-Elite kommt seit vielen Jahre aus Kenia und rennt der internationalen Konkurrenz regelmäßig davon. Allerdings profitieren weder die kenianische Wirtschaft noch die einheimischen Läufer davon. Einzig Spitzensportler, die regelmäßig große Laufwettwerbe gewinnen, können sich hohe Preisgelder und lukrative Sponsorenverträge sichern.

Das kenianische Startup Enda  – das Wort stammt aus der Landessprache Suaheli und bedeutet so viel wie „sich fortbewegen“ – arbeitet daran, diesen Umstand zu ändern: Es will einen eigenen Laufschuh produzieren, der nicht nur die Laufleidenschaft der eigenen Bevölkerung repräsentiert, sondern in Zukunft auch dazu beitragen soll, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Idee ist es, einen qualitativ hochwertigen Laufschuh zu etablieren, der mit den Modellen großer Hersteller wie Nike, Saucony, Asics oder Adidas konkurrieren kann und von der stetig wachsenden Lauf-Community begeistert aufgenommen wird.

Der Hightech-Laufschuh des kenianischen Startups Enda transportiert das Flair Kenias.

Zu diesem Zweck arbeitet das Unternehmen mit kenianischen Läufern wie Justin Lagat und Joan Cherop zusammen, lässt sie die Schuhe testen und ihre Erfahrungen direkt in die Produktion einfließen. Zudem hat man sich mit dem New Yorker Designstudio Birdhaus einen Partner an Bord geholt, der in der Vergangenheit schon Sporthersteller wie Rebook und Under Armour beliefert hat.

Das mit nur 224 Gramm extrem leichte Enda-Modell basiert auf neuesten Schuhtechnologien sowie Hightech-Materialien und transportiert auch optisch die Running-Kultur des Landes. So soll der Laufschuh in den Farben Grün, Rot und Schwarz angeboten werden, die auf der Nationalflagge Kenias zu finden sind. Weiterhin wird als Logo eine minimalistisch-stylische Speerspitze verwendet, ein Symbol, das in Kenia eine besondere Bedeutung hat: Die Auszeichnung Elder of the Order of the Burning Spear erhalten dort nur Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Das Logo ist in Form einer Speerspitze designt – in Kenia ein wichtiges Symbol

Man sieht dem Schuh an, dass sich die Designer sichtlich Gedanken gemacht haben, wie sie Kenias Spirit integrieren können. Auf der Sohle befindet sich zum Beispiel das Wort „Harambee“ (auf Deutsch: Lasst uns alle zusammen an einem Strick ziehen!), das offizielle kenianische Landesmotto.

Die Zahl 12 – am 12. Dezember 1963 erlangte Kenia seine Unabhängigkeit von Großbritannien – ist in Form von exakt zwölf Strichen ebenfalls auf der Schuhseite präsent. Und auf der Rückseite wurde dem Rift Valley, aus dem die meisten Lauf-Champions Kenias stammen, ein Denkmal gesetzt, indem man sie im Look der ehemals größten Provinz Kenias gestaltet hat.

Blick auf die Schuhsole: Hier befindet sich das Wort „Harambee“ – Kenias Nationalmotto

Die beiden Enda-Gründer, die Kenianerin Navalayo Osembo-Ombati und der in Kenia lebende US-Unternehmer Weldon Kennedy, glauben fest daran, dass ihr Konzept großes Potenzial hat. Sie hoffen, dass sich Lauf-Fans im Westen von ihrem Produkt angesprochen fühlen werden. „Wenn man sich die Größe der Laufindustrie anschaut und sieht, wie Kenia darin zu Marketingzwecken genutzt wird, sind das tiefhängende Früchte“, sagte Osembo-Ombati gegenüber Fast Company.

Um genügend Geld für die Produktion zu sammeln, hat Enda gerade erst eine Kickstarter-Kampagne mit einem Finanzierungsmodell von 75.000 Dollar gestartet, die noch bis Ende Juni läuft. Anfangs will sich das Startup die für die Herstellung benötigten Materialien aus China besorgen und den Schuh dann in Kenia produzieren und verpacken lassen. Langfristig soll aber die komplette Produktion nebst Komponentenfabrikation ausschließlich auf heimischen Boden stattfinden und mit dem ambitionierten Projekt Arbeitsplätze und ein neues Bewusstsein für Kenias Laufkultur geschaffen werden.

Wenn alles nach Plan läuft, feiert der Enda-Schuh im November 2016 beim berühmten New-York-City-Marathon seine offizielle Wettkampf-Premiere. Der Preis des Newcomers ist dabei angenehm moderat: Für Kickstarter-Backer kostet er rund 80 Euro, im Handel soll er für etwa 90 Euro erhältlich sein.

Sollte das kenianische Startup mit seinem Laufschuh Erfolg haben, könnte es gut sein, dass man Kenias Super-Runner in Zukunft nicht mehr mit Modellen von Adidas und Co. über den Asphalt flitzen sieht, sondern mit Renn-Tretern aus heimischer Produktion. Frei nach Kenias Motto: Harambee!

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