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Ein Architekt will ein neues Mossul mit 3D-Druckern gestalten

Michael Förtsch 02.11.2017

Die irakische Stadt Mossul liegt nach dem Krieg mit IS-Truppen in Trümmern. In den kommenden Jahren soll sie wieder aufgebaut werden – zum Teil als neue, andere Stadt: Mit Hilfe von 3D-Druckern könnte eine surreale Brückenlandschaft aus Häusern und Pflanzen entstehen.

Bis vor mehreren Jahren war Mossul nach Bagdad die größte Stadt des Irak. Mittlerweile lebt in der einstigen Metropole wohl nur noch weniger als die Hälfte der ehemaligen Bevölkerung. Mossul galt jahrelang als Hochburg des Islamischen Staats. Im Krieg gegen die Terrorgruppe wurden ganze Viertel der Stadt zerschossen und zerbombt. Weite Teile der modernen Infrastruktur sind vollkommen zerstört. Auch die historische Altstadt, deren Geschichte bis 850 vor Christus zurückreicht, ist nur noch in Fragmenten erhalten. Der französische Architekt Vincent Callebaut schlägt nun vor, die Stadt mittels 3D-Druckern neu aufzubauen und in eine Art grünes Paradies zu verwandeln.

Der Plan von Callebaut sieht vor, über den Fluss Tigris, der die Stadt durchschneidet, fünf Brücken zu schlagen. Ganz ähnlich wie in einem bereits erfolgreichen Testlauf in den Niederlanden würden die mit 3D-Druckern konstruiert. Nur weitaus größer. Denn auf diesen sollen sich Hunderte verschachtelte Wohneinheiten hochziehen. Die würden aus einfachen Kastenformen bestehen, die auf- und ineinander staffiert und mittels Muqarnas-artigen Spitzbögen stabilisiert werden. Dadurch sollen sie vielfältige und nahezu beliebig große Wohnungen schaffen. Private und öffentliche Orte würden auf den geplanten Brücken dabei ineinander übergehen und eine hügelige Kunstlandschaft bilden, die sich quer über das darunter hinweg fließende Wasser streckt.

Mit dem Five Farming Bridges getauften Konzept könnten über mehrere Jahre rund 53.000 Wohneinheiten entstehen. Dazu will Callebaut die verwinkelten Brückenanlagen aber ebenso begrünen. Auf offenen Flächen sollen Gärten und kleine Bauernhöfe angelegt werden, die die Bewohner mit Nahrungsmitteln versorgen und Orte zur Entspannung bieten. Er möchte auch kleine Flüsse durch die labyrinthartigen Kaskaden leiten und Lagunen realisieren, die für eine natürliche Klimatisierung sorgen. Auf sonst ungenutzten Flächen würden wiederum Wind- und Solarkraftwerke aufgebaut wodurch die Brücken autark funktionieren könnten.

Die Vorstellung des französischen Architekten, der mit dem Tao Zhu Yin Yuan in Taiwan gerade einen Smog-fressenden Luxus-Wohnturm errichtet, ist derzeit noch einige Abstimmungsschleifen und technologische sowie auch politische Entwicklungen entfernt von der Umsetzung. Als Bauarbeiter stellt er sich Spinnen-artige Roboter vor, die bis zu 30 Wohneinheiten pro Tag aus zermahlenem Beton- und Steinschutt der zerstörten Stadt drucken. Drohnen würden den Roboterarbeitern stetig Nachschub liefern. Daher sieht Callebaut seine Idee eher als Model für die Zukunft, dass sich auch für andere Areale und Gebiete adaptieren ließe und die Art, wie wir Gebäude errichten, vielleicht verändern wird.