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Von wegen Leichtbau: Wolkenkratzer aus Holz sollen die Städte retten

Cindy Michel 13.11.2017 Lesezeit 3 Min

Holz gilt bisher als Baustoff für Hütten und andere eher kleine Gebäude. Mehrfamilienhäuser sind bisher höchstens Hybride aus Stahlbeton und Holz. Nun soll ein 240 Meter hoher Wohnturm am Chicago River zeigen, dass Holz nicht nur Ökobilanzen retten kann.

Hoch aufragende Steinbauten und ewig grauen Häuserschluchten – so prägen Wolkenkratzer bisher das Bild der Großstadt. Mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts kam die graue Stahlskelettbauweise und die Möglichkeit in die Höhe zu gehen. Was angesichts steigender Einwohnerzahlen dringend nötig war. Zum Preis, dass Grau zum Farbton der Stadt wurde.

Das ändert sich gerade: Neue Baumaterialen und eine durchlässigere Architektur sorgen für mehr Helligkeit, Hochhäuser werden grüner. Zunehmend beliebt ist dabei Holz als Rohstoff mit exzellenter Ökobilanz. Geeignet auch für Hochhäuser.

Der River Beech Tower etwa wäre so ein Beispiel dafür, was jetzt mit Holz möglich ist. Mit 242 Metern und 80 Stockwerken soll er ein stattlicher Wolkenkratzer an den Ufern des Chicago Rivers werden. Noch allerdings ist der Wohnturm nur eine Konzeptstudie.

Die Entwürfe des Architekturbüros Perkins + Will zeigen zwei separate, sehr schmale Türme, verbunden durch riesige Streben aus Furnierschichtholz. Diese spannen sich wie elegante Stege durch das offene Atrium. Besonders ins Auge fällt dabei die wabenförmige Struktur der tragenden Holzkonstruktion. Diese gibt dem Gebäude eine luftige Leichtigkeit, sorgt zugleich aber auch für die nötige Stabilität.

Elegante Brücken im Inneren des Atriums sollen die beiden Türme verbinden.

Bei dem River Beech Tower handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsprojekt des Architekturbüro Perkins + Will, der University of Cambridge und dem Ingenieurbüro Thornton Tomasetti. Die Initiative sei von dem Direktor des Lehrstuhls für „Natural Material Innovation“, Michael Ramage, ausgegangen, berichtet Todd Snapp im Gespräch mit WIRED. Ramage Anliegen sei es, seine Berechnungen und Forschungsergebnisse in die Realität zu übertragen und am echten Projekt zu forschen.

Hölzerne Hochhäuser würden die bislang eher grauen Skylines der Metropolen bereichern.

„Ich hoffe, dass wir den Turm auch in der Realität verwirklichen können. Wir sind unserem Ziel schon nahe“, sagt Snapp. Doch zuvor müsse das Design noch perfektioniert werden und einige Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet werden. Zumal Holz als ein sehr gut brennbares Material bekannt ist.

„Forschungen haben ergeben, dass das natürliche Brandverhalten von Holz gar nicht so gefährlich ist“, erklärt Snapp. Denn wie schnell oder langsam es abbrenne sei im Vergleich zu Stahlkonstruktionen berechenbar. Bei der Brandbekämpfung sei es entsprechend leichter, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. „Außerdem entsteht bei einem Brand eine Kohleschicht um den Balken, die das innenliegende Holz schützt.“ Aktuell forsche man dennoch daran, das Bauholz respektive die Konstruktion im Falle eines Brandes noch sicherer zu gestalten.

Hochhäuser aus Holz sind nichts grundsätzlich Neues. Schon seit einiger Zeit arbeiten verschiedene Architekten und Ingenieure an ähnlichen Projekten. Doch meist handelt es sich dabei um eine Holz-Hybridbauweise. Bei dieser ist der Kern meist aus Stahlbeton und die Verbundstoffe eine Mischung aus Holz und Stahl. Das höchste dieser Art ist aktuell noch das UBC Brock Commons, ein 53 Meter hohes Studentenwohnheim in Vancouver.