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Daten statt Fotos: Das Kunstprojekt Dear Data ist eine ungewöhnliche Postkarten-Freundschaft

Silvia Weber 27.08.2015 Lesezeit 3 Min

Giorgia Lupi und Stefanie Prosavec wandeln beruflich Daten in Tabellen und Diagramme um. Sie scheinen ihre Jobs zu lieben – denn auch im privaten Leben dreht sich bei ihnen vieles um die Datenvisualisierung. Seit fast einem Jahr führen Lupi und Prosavec eine ungewöhnliche Brieffreundschaft zwischen London und New York. Auf Postkarten erzählen sich die beiden mittels handgezeichneter Datengrafiken aus ihren Leben.

Die Idee zum Kunstprojekt Dear Data entstand bei ein paar Bieren, die Lupi und Prosavec auf einer Konferenz zusammen tranken: Die beiden beschlossen, sich in Zukunft einmal pro Woche jeweils eine Postkarte zu schicken, deren Inhalt keine Wörter und Sätze, sondern Tabellen und Diagramme sind. Auf jeder Karte sollte ein anderer Aspekt im Mittelpunkt stehen – Kleidung, Essen, wie oft sie in der vergangenen Woche einen Fremden angelächelt oder mit jemandem gestritten haben. Die Vorderseiten der Postkarten enthalten die Datengrafiken, auf der Rückseite wird erklärt, wie diese zu lesen sind.

Nr. 32: "A week of sounds" - So hört Giorgia Lupi ihre Wahl-Heimat New York

Dear Data

Seit September 2014 führen die Datendesignerinnen ihre ungewöhnliche Brieffreundschaft mittlerweile. Ihre altmodische Art der Kommunikation erklären sie folgendermaßen: „Wir haben beide eine sehr analoge Herangehensweise an die Arbeit mit Daten, was in unserem Bereich relativ selten der Fall ist. Also dachten wir, dass es interessant sein könnte, zusammen ein Datenprojekt zu starten, das unser Interesse am Analogen und an einer langsamen, manuellen Methode der Datenwiedergabe veranschaulicht.“

Nr. 32: "A week of sounds" - Giorgia Lupis Erklärung zu den Daten auf der Vorderseite

Dear Data


Die Postkarten versinnbildlichen die Langsamkeit, mit der Lupi und Prosavec ihre Daten visualisieren. „Es kostet Zeit, die Karten zu zeichnen und zu lesen, da sie dicht beschrieben und reich an Inhalt sind; das ist unser Weg, die Zeit zu finden, uns kennenzulernen.“ Für die Karten, die sie sich in der 32. Woche unter dem Motto "A week of sounds" schickten, nahmen sich die beiden beispielsweise die Zeit, einmal pro Stunde innezuhalten und die Geräusche um sich herum wahrzunehmen.

Nr. 32: "A week of sounds" - So hört Stefanie Posavec ihre Wahl-Heimat London

Dear Data

Das Kommunizieren in Form von Daten ist für die beiden Brieffreundinnen ein logischer Schritt: „Wir alle sind umgeben von Daten, in unserem Umfeld, in unseren Aktivitäten, sogar in unseren Gedanken – man muss nur lernen, sie wahrzunehmen und festzuhalten.“ Prosavec und Lupi kombinieren in ihrem Projekt den wissenschaftlichen Nutzen von Daten mit einem künstlerischen Ansatz: Auf den ersten Blick sind ihre Postkarten schlichtweg schön gestaltetet. Um einen kommunikativen Nutzen daraus zu ziehen, muss man sich näher mit den Grafiken befassen.

Nr. 32: "A week of sounds" - Stefanie Posavecs Erklärung zu den Daten auf der Vorderseite

Dear Data

Mitte September schicken die beiden Frauen die vorerst letzten Karten zwischen London und New York hin und her. Dann ist Dear Data abgeschlossen. Einen Komplettüberblick über alle Datengrafiken gibt es auf der gleichnamigen Website. Im Augenblick arbeiten Lupi und Prosavec an einem Buch, das sich ihrem Postkarten-Projekt widmet.