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WIRED erklärt: Was ist Mining und lohnt es sich noch?

Klemens Kilic 04.05.2018 Lesezeit 6 Min

Wer die Technologie hinter Bitcoin verstehen will, muss sich mit dem Verfahren beschäftigen, das sichere Transaktionen garantiert: das Mining. WIRED erklärt die Grundlagen.

Weltweit stellen Personen ihre Rechenleistung zur Verfügung, damit neue Bitcoin ausgegeben werden können. Mining nennt sich das. Dahinter steckt ein ausgefeiltes System, das die Eigenschaften des Bitcoin ermöglicht: Dezentralisierung, die Begrenzung der Anzahl der auszugebenden Coins und die Unverfälschbarkeit der Blockchain.

Was ist Mining?

Mining (auf Deutsch: Schürfen) ist eine Referenz zum Schürfen von Gold. Anders als beim Gold benötigen Schürfer keine Spitzhacke, sondern lediglich eine Hardware wie einen Rechner mit schneller Grafikkarte oder einen Antminer und eine Software, die einen Algorithmus ausführt. Der Rechner stellt seine Energie bereit um komplexe Probleme zu lösen und der Besitzer wird dafür in Bitcoin vergütet.

Miner sind ausschlaggebend für die Sicherheit des Systems. Sie verifizieren Transaktionen und sorgen dafür, dass das System nicht manipuliert wird. Dadurch nämlich, dass eine Transaktion erst bestätigt werden kann, wenn die Mehrzahl der Miner eine solche als valide anerkennt, ist es für einzelne Miner nicht möglich, eine fehlerhafte Transaktion durchzuwinken. Um die Transaktionshistorie zu verfälschen, bedürfte es also einer koordinierten Attacke von einem Zusammenschluss von mehr als der Hälfte der Miner. Demzufolge steigt mit der Anzahl der Miner auch die Sicherheit des Systems. Denn je mehr Miner Transaktionen bestätigen müssen, desto aufwendiger und damit unwahrscheinlicher wird eine koordinierte Attacke.

Einen Anreiz dafür, dass mehr Miner dem Netzwerk beitreten, bietet eine Vergütung. Der Miner, der zuerst das mathematische Problem gelöst und damit einen Block gefüllt mit Transaktionen bestätigt hat, erhält eine Gebühr. Der Algorithmus, auf dem die Mining-Software beruht, legt fest, dass alle 10 Minuten ein Block gelöst wird. Steigt also die Anzahl der Miner im Netzwerk, erhöht der Algorithmus die Schwierigkeit der mathematischen Probleme, damit weiterhin nur alle 10 Minuten ein Block in die Blockchain eingegliedert wird und sich diese Zeit nicht mit wachsender Rechenkapazität verkürzt.

Es werden niemals mehr als 21 Millionen Bitcoin ausgegeben. Damit dieses im Vorhinein festgelegte Limit nicht überschritten wird, hat sich der Gründer des Bitcoin, Satoshi Nakamoto, überlegt, dass die Belohnung für jeden gelösten Block alle vier Jahre um die Hälfte sinkt. Im Jahre 2009 angefangen mit 50 Bitcoin pro Block, dann reduziert auf 25 Bitcoin, liegt die Belohnung seit 2016 nur noch bei 12,5 Bitcoin pro Block. Damit dennoch weiterhin ein Anreiz für Miner besteht, dem Netzwerk beizutreten, erhalten sie zusätzlich eine kleine Belohnung pro Transaktion von dem Nutzer des Bitcoin. Wie hoch diese ausfällt, bemisst sich daran, wie viele Transaktionen aktuell darauf warten, bestätigt zu werden. Transaktionen, denen eine höhere Belohnung mitgesendet wurde, werden von Minern bevorzugt und daher schneller bestätigt.

2009 konnte man aufgrund der wenigen Miner mit einem einfachen PC täglich ein paar Dutzend Bitcoin schürfen. Mittlerweile wird spezielle Hardware mit enorm hoher Rechenleistung entwickelt. Die beste auf dem Markt erhältliche Hardware, der AntMiner S9, bewerkstelligt gerade einmal 0,025 Bitcoin pro Monat. Der Grund dafür ist die erhöhte Schwierigkeit der mathematischen Probleme durch die gesteigerte Anzahl der Miner.

Da einzelne Miner kaum die Chance hätten, Blöcke zu finden, schließen sie sich sogenannten Mining-Pools an. Proportional nach der Rechenleistung, die ein Miner in einen solchen Pool einspeist, wird er dann auch vergütet. Es handelt sich bei Mining-Pools also um eine Interessengemeinschaft, die den Profit durch das Mining effizienter auf einzelne Schürfer verteilt.

Lohnt sich das Minen noch?

Mit einem gewöhnlichen Computer lohnt es sich nicht mehr, Bitcoin zu minen. Speziell für das Mining angefertigte Hardware hat eine so hohe Rechenleistung, dass ein gewöhnlicher Computer dagegen alt aussieht. Um also wettbewerbsfähig zu bleiben, muss man sich kostspielige Hardware anschaffen – auf die Gefahr hin, dass diese in ein paar Monaten wiederum veraltet ist. Alternativ gibt es allerdings Coins wie etwa Monero, die es spezieller Software nicht mehr ermöglicht, Teil des Mining-Netzwerks zu werden. Hier könnte es sich lohnen, mit dem Computer zu minen.

Ob es sich auszahlt, lässt sich sehr gut mit einem entsprechenden Mining-Rechner abschätzen. Ob man konkurrenzfähig ist, hängt unter anderem davon ab, in welchem Land und in welcher Region man seine Hardware platziert. Je günstiger der Strom und je kühler das Klima (Mining-Hardware überhitzt sehr schnell), desto rentabler das Mining.

Außerdem spielt es eine Rolle, für welchen Coin man sich entscheidet. So kann ein Coin zum Beispiel für Miner ertragreicher sein, als ein anderer. Bekommen andere Miner von der Rentabilität eines Coins Notiz, kann es sein, dass sie darauf aufspringen und dann ein anderer Coin wieder lohnenswerter zu schürfen ist.

Betreibt man im Internet ein wenig Recherche zum Thema Mining, bestechen Angebote von Firmen damit, ganz ohne Hardware als Miner Geld zu verdienen. Das wird Cloud-Mining genannt. Die Firmen versprechen, Mining-Equipment in Ländern mit niedrigen Stromkosten aufzustellen und Rechenkapazität an ihre Kunden zu vermieten. Viele dieser Firmen, die dieses sogenannte Cloud-Mining betreiben, haben sich im Nachhinein als Pyramidensystem entpuppt und ihre Kunden um ihre Geld erleichtert. Andere Firmen hingegen, die sich seriöser geben, wie zum Beispiel Genesis Mining, sind bei näherer Betrachtung nur bedingt rentabel.

Möchte man also als Miner dem Netzwerk dienlich sein und dazu auch noch ein nettes passives Einkommen erwirtschaften, sollte man mithilfe eines Profit-Rechners erst einmal erkunden, ob das Unterfangen finanziell lohnenswert ist. Vom Cloud-Mining sollte man sich als Einsteiger fern halten, vor allem dann, wenn ein Angebot so lukrativ daherkommt, dass einem zum Beispiel versprochen wird, innerhalb eines Jahres mit einem Einsatz von ein paar tausend Euro Millionär zu werden. Die Gefahr, dass dahinter ein Betrugssystem steckt, ist hoch.