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Warum der Amazon-Chef Pakete auf den Mond schießen will

Cindy Michel 03.03.2017

Jeff Bezos will Pakete auf den Mond schicken. In einem Papier seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin erläutert der Amazon-Gründer, warum er diesen Schritt für unabdingbar hält: Ein funktionstüchtiger Frachtverkehr zwischen der Erde und ihrem Trabanten sei Voraussetzung für dessen Kolonisierung.

Wenn einer auf die Idee kommt, Pakete auf den Mond zu schießen, dann ist es nicht verwunderlich, dass dieser Jemand Jeff Bezos ist. Denn der Unternehmer ist nicht nur CEO des milliardenschweren Online-Versandhandels Amazon, sondern besitzt auch das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Während dessen Geschäftsmodell bisher vorsah, künftig zahlungskräftige Touristen auf kurze Ausflüge in den erdnahen Weltraum mitzunehmen, will es nun vorangig Frachtrouten und den Güterverkehr zum Mond etablieren. Das berichtet die Washington Post, deren Besitzer Bezos übrigens auch ist.

Der Zeitung lag ein „vertrauliches“ Whitepaper von Blue Origin vor, das sowohl an die NASA, als auch die Trump-Regierung ging. In dem siebenseitigen Schreiben vom 4. Januar soll nicht die Rede von bemannten Mondflügen sein, sondern von einer Serie von Frachtmissionen: Diese könnten letztlich die Ausrüstung liefern, mit denen eine Besiedelung des Mondes erst möglich würde. Im Unterschied zu den Apollo-Missionen eben, heißt es laut Washington Post in dem Schreiben weiter, bei denen Astronauten lediglich „Flaggen und Fußabdrücke“ hinterließen, bevor sie wieder zurück zur Erde flogen.

Die ersten Flüge könnten bereits Mitte 2020 starten

Außerdem fordere Blue Origin die NASA auf, ihren Plan eines Amazon-ähnlichen Mond-Lieferservices zu unterstützen. Die ersten Flüge könnten demnach bereits Mitte 2020 starten. Ein eigens dafür entwickeltes Raumfahrzeug mit Lander soll Instrumente und Gerätschaften auf den Erdtrabanten bringen, die menschliche Siedlungen ermöglichen.

Das neue „Blue Moon“-Gefährt soll bis zu 4500 Kilogramm transportieren können und am sonnigen Südpol des Mondes anlegen, nahe des Shackleton- Kraters, berichtet die Washington Post. Zum einen wird das Areal um den Krater als heißer Favorit für eine mögliche Siedlung oder einen Wissenschaftsstützpunkt gehandelt, zum anderen könnte die fast ständige Sonneneinstrahlung sowie das dortige Wasservorkommen von dem Mond-Lander als Energiequellen genutzt werden. Ob die Reservierung eines expliziten Ortes für einen Landeplatz auf dem Mond legal sei, müsse sicherlich erst noch geprüft werden, gibt das Online-Magazin The Verge zu bedenken.

Bei der technologischen Umsetzung des Liefergefährts für das All wolle sich Blue Origin an seiner Rakete New Shepard orientieren. Diese konnte im vergangenen Jahr fünf erfolgreiche suborbitale Flüge verbuchen. Das Schreiben beinhaltet laut Washington Post das Bild einer modifizierten New Shepard, auf deren Rumpf nicht nur eine amerikanische Flagge und das Blue-Origins-Logo prangen soll, sondern auch das der NASA. Das wiederum ist nicht verwunderlich: Schon im Oktober 2016 holte die US-Raumfahrtbehörde Jeff Bezos' Firma für Weltraumtourismus als neuen Partner des Space Technology Mission Directorate an Bord.  

Nicht nur der NASA, sondern auch der US-Regierung liegt das Whitepaper vor. Vielleicht ist 2017 sogar der perfekte Zeitpunkt für ein Vorhaben mit dem Ziel Mond: Während die Ära Obama noch eher den Mars im Visier hatte, zielt die neue Regierung anscheinend auf den Erdtrabanten. Laut einem Bericht von Politico plant die Trump-Adminsitrative sogar eine neue Mondlandung vor 2020. Ob Präsident Trump allerdings das Blue-Origin-Vorhaben unterstützen wird, muss man sehen. Denn Bezos wollte den Präsidenten schon vor seinen Amtsantritt auf den Mond schicken.

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